# taz.de -- BSI-Chef Arne Schönbohm vor Rauswurf: Schnellschuss in Kriegszeiten
       
       > Nancy Faeser will den Chef der obersten Behörde für Cybersicherheit
       > entlassen. Der Vorwurf der Russlandnähe ist jedoch alles andere als
       > bewiesen.
       
 (IMG) Bild: Arne Schönbohm am Rande einer Pressekonferenz im November 2020
       
       Sicherheitslücken in den Verwaltungen, die hohe Verletzbarkeit physischer
       wie digitaler kritischer Infrastruktur, jede Menge Einfallstore für
       Überwachung und Spionage: Cybersicherheit in Deutschland hat viele
       katastrophale Baustellen. Jetzt kommt noch eine hinzu: [1][Arne Schönbohm,
       Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)], soll
       seinen Posten räumen.
       
       Es ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt für einen Postenwechsel in
       Deutschlands oberster Cybersicherheitsbehörde. Mitten in einer Kriegslage,
       deren Austragungsort auch der digitale Raum ist. Selten standen die Zeichen
       für [2][mehr Cybersicherheit] so gut wie jetzt. Und nun eine angekratzte
       Personalie. Ausgerechnet bei der Person, die bisher eigentlich einen guten
       Job gemacht hat. Zu Fall bringen könnten Schönbohm seine Beziehungen zum
       Cybersicherheitsrat Deutschland e.V., dessen Gründer er war. Dass der
       Lobbyistenverband finanzstarker Unternehmen auch [3][Verbindungen nach
       Russland] hat, ist bekannt. Inwieweit Mitglieder tatsächlich Projekte
       hatten, die in Geheimdienste reichen, ist jedoch unklar.
       
       Mit seiner BSI-Amtsübernahme hatte sich Schönbohm von diesem Verein
       verabschiedet. Die Rede, die er Anfang September bei einem Festakt hielt,
       soll vom Haus seiner Dienstherrin sogar abgesegnet worden sein. Dass der
       Gründer zum zehnjährigen Bestehen einen Vortrag hält, ist nicht
       ungewöhnlich und in diesem Fall wohl auch nicht verwerflich.
       
       Die Causa Schönbohm ist auch eine weitere Baustelle für SPD-Innenministerin
       Nancy Faeser. Man nehme den Fall sehr ernst, heißt es aus ihrem Haus. Das
       ist gut und richtig. Allerdings zogen Faeser und Schönbohm in der letzten
       Zeit nicht immer an einem Strang. Hackbacks, Chatkontrolle, offene
       Sicherheitslücken: Faeser ist nicht abgeneigt, diese Instrumente
       einzusetzen. Das BSI, auch Schönbohm, zeigte sich dagegen skeptisch. Es
       bleibt zu hoffen, dass die Vorwürfe erst aufgeklärt werden, bevor es zum
       Rauswurf kommt.
       
       10 Oct 2022
       
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