# taz.de -- Ehemalige RBB-Intendantin Schlesinger: Gier und jetzt
       
       > Der Fall Schlesinger ist ein gefundenes Fressen für misogyne Feinde der
       > Öffentlich-Rechtlichen. Dabei hat Vetternwirtschaft in Berlin Tradition.
       
 (IMG) Bild: Dunkle Machenschaften im RBB
       
       „GEZ is geil“, so der Arbeitstitel, der mir in den Sinn kommt. Ich bin
       nämlich dabei, ein Drehbuchexposé für eine genreübergreifende Miniserie zu
       verfassen. Gewissermaßen als Pilotprojekt. Es handelt sich um einen
       Wirtschaftskrimi im Wellnessmilieu. Dementsprechend spielt die Geschichte
       in der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt RBR: Radio Bananenrepublik in
       der Masseur*innen-Allee.
       
       Die Hauptakteurin ist keine Geringere als die Intendantin selbst. Sie
       reüssiert als eine sprichwörtliche Patrizierin in den besten Jahren. Denn
       es ist ihr im Laufe ihrer imponierenden journalistischen Karriere gelungen,
       alte Mauern einzureißen und sogar neue entstehen zu lassen: etwa mit grünen
       Pflanzen verzierte Wände, die über eine eigene Bewässerungsanlage verfügen.
       
       Ich meine, wenn sie alleine für die Renovierung der Vorstandsetage zwischen
       650.000 und 1,4 Millionen Euro ausgibt, dann sollten solch Annehmlichkeiten
       gleichsam drin sein. Wesentlich günstiger ist immerhin der Sekundenkleber,
       mit dem sie ihren Sessel übersät, ehe sie sich wieder hinsetzt und ihre
       Krisenfestigkeit unter Beweis stellt.
       
       Doch auch als eine Alpha Woman, die inmitten der gnadenlosen
       Ellenbogengesellschaft zu bestehen versucht, ist die Eigenschaft der
       Empathie bei ihr nicht verloren gegangen. So kümmert sie sich rührend
       darum, dass ihr Ehegatte in den Genuss hochdotierter, wenn auch
       [1][hochdubioser Beraterverträge] kommt. Powerfrau als Familienfrau.
       
       ## Das System Schlesinger
       
       Es sei übrigens ausdrücklich erwähnt: Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden
       oder realen Personen ist rein zufällig. Oder auch nicht.
       
       Fakt ist, das [2][System Schlesinger] hat es in die Schlagzeilen geschafft.
       In Berlin, wo die Vetternwirtschaft zum Alltag zählt, ist das eigentlich
       eine Errungenschaft. Schon der Name dieser im frühen 13. Jahrhundert aus
       der Taufe gehobenen Stadt bedeutet,,Sumpf“.
       
       Was die Thematik Korruptionsskandale betrifft, da steppt der BER. Es war
       immer so. Siehe die Causa der Gebrüder Sklarek aus den Jahren 1929 bis
       1933. Untreue, Vorteilsnahme, fingierte Rechnungen. Da lief alles wie
       geschmiert. Die Bekleidungsunternehmer Sklarek mussten sich am Ende
       splitterfasernackt ausziehen, wie auch zahlreiche Banker, Beamte und
       Buchhalter, die als Komplizen von dem Sog erfasst wurden. Männer und
       Machtgier halt.
       
       Doch irgendwie ist besonders störend, dass eine Frau, [3][eine moderne,
       medienbewusste Frau wie Patrizia Schlesinger] es riskieren würde, in
       flagranti ertappt zu werden. Sich selbst [4][saftige Gehaltserhöhungen und
       Boni] zu gönnen, während sie der Belegschaft den Geldhahn zudreht?
       
       ## Gläserne Decken und Scherbenhaufen
       
       Es herrscht die Unschönvermutung, aber es geht dabei um mehr als die Optik.
       Die Vorwürfe, mit denen Frau Schlesinger konfrontiert wird, sind kein
       erfundenes, sondern vielmehr [5][ein gefundenes Fressen] für die
       schäumenden Todfeinde des sogenannten Staatsfunks, die diese Gelegenheit
       nutzen, um auch ihre Misogynie frei laufen zu lassen.
       
       Man müsste wiederum nicht zu den Demagogen zählen, um zu begreifen, dass
       der ÖRR buchstäblich von A wie ARD bis Z wie ZDF [6][dringend
       reformbedürftig] ist, und zwar nicht,,nur“, was den laxen Umgang mit
       unseren GEZ-Gebühren betrifft. In den Rundfunkräten sind Menschen mit
       Einwanderungsgeschichten auf eklatante Weise unterrepräsentiert.
       
       Was auch immer aus dem,,fiktiven“ Drehbuch wird und wie auch immer die
       echten Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft ausgehen, ist eine Sache
       klar: Patrizia Schlesinger hat auf fulminante Weise die berühmt-berücktigte
       gläserne Decke durchbrochen und einen Scherbenhaufen hinterlassen.
       
       16 Aug 2022
       
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 (DIR) Michaela Dudley
       
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