# taz.de -- Letzte Kolumne „Bei aller Liebe“: Das Ende einer Reise
       
       > Ob Ungerechtigkeiten, den Genozid an den Tuts oder TK-Pizzen, in dieser
       > Kolumne ging es immer mehr als nur ums Daten. Nun ist Zeit für eine
       > Auszeit.
       
 (IMG) Bild: Im Herbst 2019 begann Anna Dushime ihre Kolumne bei der taz
       
       Das ist also meine letzte Kolumne, bevor ich eine Auszeit nehme, um mich
       auf die [1][Geburt meines Kindes] vorzubereiten.
       
       Ich habe [2][diese Kolumne im Herbst 2019 als Dating-Kolumne] begonnen und
       drei Jahre später beende ich sie als werdende Mutter. Full Circle würde
       ich sagen, wobei das hieße ja, dass am Ende der langen Datingreise
       zwangsläufig die Schwangerschaft steht und das ist, glaub ich, verkürzt.
       Beim Dating ist die Reise das Ziel, aber trotzdem fühlt sich diese Kolumne
       an wie das Ende einer Reise, einer Ära.
       
       Aufmerksame Leser dieser Kolumne wissen, dass ich zur Melodramatik neige,
       und meine Abschlusskolumne wird keine Ausnahme sein. Ich war schon vor der
       Schwangerschaft ein sehr emotionaler Mensch, nah am Wasser gebaut, wie man
       so schön sagt. Seit der Schwangerschaft bin ich mittendrin in diesem
       Gewässer, wenn ich dieses Bild an dieser Stelle mal so weiterführen darf.
       
       Und so schreibe ich diese Kolumne wirklich mit einem weinenden Auge, aber
       zwischendurch auch fluchend, weil ich mit Vodafone in der Warteschleife
       hänge und versuche, mein seit Tagen bestehendes Internetproblem zu lösen.
       Aber ich schweife ab. Das ist und war ein Erkennungsmerkmal dieser Kolumne:
       Ich bin ständig abgeschweift, dank dem tollen Redigat sind Ihnen die
       richtig großen Abschweifungen erspart geblieben.
       
       ## Mit der Kolumne erwachsen werden
       
       Aber ja, ich bin oft abgeschweift. Vom Thema abgekommen, wenn man so will.
       Es ging nie nur ums Dating, es ging um Ungerechtigkeiten, zu kleine Knöpfe
       auf Kleidern, Rassismus, den [3][Genozid an den Tutsi], meine Familie,
       Vermissen, Tiefkühlpizzen – und Pandemie. Alles, was mich bewegt und was
       ich mit Ihnen teilen wollte.
       
       Ich habe durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen viel
       gelernt, nachgedacht und versucht, ein besserer Mensch zu werden. Ich bin
       durch diese Kolumne mutiger, selbstbewusster und ein Stück erwachsener
       geworden. Ich habe weniger Angst, traue mir mehr zu und bin da, wo es
       wichtig ist, lauter. Dafür bin ich dankbar.
       
       Ich hatte schon als Kind immer sehr viel zu sagen und hatte das große
       Glück, dass meine Eltern mir zugehört haben. Da ist es mir nicht weiter
       aufgefallen, dass ich in einer Gesellschaft aufwuchs, die mir kein Gehör
       schenkte. In Ruanda als Tutsi-Mädchen, in Deutschland als Schwarze Frau.
       
       Die gute Nachricht ist, dass es sich ändert. Langsam, aber es ändert sich.
       Es ist für mich immer noch schwer zu glauben, dass ich mittlerweile eine
       Plattform habe und meine Gedanken mit vielen Menschen teilen darf. Ich habe
       viele Ihrer Kommentare gelesen. Die netten, die fiesen, die konstruktiven
       und die von den Bots.
       
       Danke, dass Sie mich begleitet haben, die Abschweifungen ausgehalten und
       zum Teil sogar gefeiert haben. Wir sehen uns wieder.
       
       15 Aug 2022
       
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       ## AUTOREN
       
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