# taz.de -- TK-Gesundheitsreport 2022: Ein Prozent Long-Covid-Fälle
       
       > Laut Techniker Krankenkasse leiden nur wenige Versicherte an
       > Langzeitfolgen nach einer Coronainfektion. Doch viele Fälle könnten
       > unbemerkt bleiben.
       
 (IMG) Bild: Die Langzeitfolgen einer Coronainfektion sind schwer zu messen
       
       Berlin taz | Wie viele Beschäftigte fallen wegen Corona aus? Wie verhält es
       sich [1][mit Long Covid?] Der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse
       (TK) zeigt, dass von den Erwerbstätigen, die bei der TK versichert sind und
       sich 2020 mit Corona infiziert haben, im Jahr 2021 knapp ein Prozent mit
       der Diagnose Long Covid krankgeschrieben war.
       
       Insgesamt ist damit nach den vorliegenden Zahlen nur eine geringe Anzahl
       von Menschen an [2][Long Covid erkrankt] – diese fallen dafür aber lange
       bei der Arbeit aus. Im Durchschnitt sind die Betroffenen 105 Tage
       krankgeschrieben.
       
       Unterschiede macht dabei der Verlauf der vorangegangen Covid-Infektion.
       Menschen mit einem leichten Verlauf, die später mit Long Covid
       diagnostiziert wurden, waren 2021 im Schnitt 90 Tage krankgeschrieben.
       Menschen, bei denen die Coronainfektion zu einem längeren
       Krankenhausaufenthalt führte, waren durchschnittlich 168 Tage mit Long
       Covid krankgeschrieben. Bei Menschen, die im Krankenhaus beatmet werden
       mussten, waren es durchschnittlich 190 Tage. Basis für die Sonderauswertung
       zu Long Covid waren die Daten von fast 4,3 Millionen TK-versicherten
       Erwerbspersonen zwischen 15 und 64 Jahren.
       
       Der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Baas, geht davon aus, dass zu der
       relativ niedrigen Zahl von Long-Covid-Patient*innen eine hohe Dunkelziffer
       dazukomme. Wie auch bei den Zahlen der Coronainfizierten gebe es hier eine
       Untererfassung in den Daten.
       
       Das liege auch am vielfältigen Krankheitsbild. Die Symptome reichen von
       Müdigkeit, eingeschränkter Belastbarkeit, Kopf- und Gliederschmerzen bis
       hin zu Atemnot. Aufgrund des vielfältigen Krankheitsbilds werden nach
       Meinung der Expert*inenn nicht alle Long-Covid-Erkrankungen als solche
       erkannt. Es sei eine Krankheit, „die uns noch viele Rätsel aufgibt“, so
       Baas.
       
       Die tatsächliche Zahl könnte laut Baas etwa viermal höher liegen, betroffen
       könnten demnach rund vier Prozent aller Covid-Infizierten sein. Für eine
       genauere Auswertung fehlten verlässliche Daten. „Wir brauchen ein
       engmaschiges Monitoring“, sagte Baas. Das sei ein Appell der TK an die
       Politik und an die Forschung.
       
       Von den TK-versicherten Erwerbstätigen hatten 2020 insgesamt 13,1 Prozent
       eine diagnostizierte Coronainfektion. Das ist mehr als jede achte Person.
       Nach einer Modellrechnung waren aus dieser Gruppe rund 1,6 Prozent aller
       Personen aufgrund von längerfristigen Coronaauswirkungen krankgeschrieben.
       „Das entspricht in etwa 1,3 Millionen Fehltagen“, fasst Thomas Grobe
       zusammen, der die Daten für den Gesundheitsreport aufbereitet hat. Viele
       Menschen ließen sich aber auch aufgrund von Long-Covid-Symptomen wie
       anhaltender Müdigkeit gar nicht krankschreiben.
       
       In Deutschland gibt es immer mehr Long-Covid-Selbsthilfegruppen. Betroffene
       beklagen, dass sie von ärztlicher Seite Wissen um die Krankheit und
       geeignete Therapievorschläge vermissen. Bei der Vorstellung des
       TK-Gesundheitsreports berichtete der Lungenfacharzt Christian Gogoll von
       seiner eigenen Long-Covid-Erkrankung. „Ich hatte eine anhaltende und
       ausgeprägte Atemnot.“ Auch kleine Wege im Alltag seien ihm extrem schwer
       gefallen. Er plädiert dafür, dass sich Long-Covid-Patient*innen frühzeitig
       Hilfe holen und Hausärzte die Betroffenen gezielt an Facharztpraxen
       weiterleiten sollten.
       
       Der Krankenstand von 2020 auf 2021 ging in den Zahlen der TK zurück. Das
       hänge damit zusammen, dass die jährliche Erkältungs- und Grippewelle
       aufgrund der Maßnahmen gegen die Coronapandemie ausfiel. Im ersten Quartal
       2022 – mit der Omikronwelle – gab es dafür einen Rekordkrankenstand. Nur
       3,5 Prozent aller Fehltage seien aber auf eine nachgewiesene
       Coronainfektion zurückzuführen.
       
       6 Jul 2022
       
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