# taz.de -- Nachfolge von britischem Premier Johnson: Identität vor Inhalten
       
       > Die Tories zeigen mit ihren Nachfolgekandidaten die Fähigkeit zur
       > Selbsterneuerung. Das Problem: Es geht mehr um die Person, weniger um das
       > Programm.
       
 (IMG) Bild: Neuer Bewohner gesucht: Downing Street 10
       
       [1][Der Favorit stammt aus Indien]. Seine Konkurrenz ist fast komplett
       weiblich. Wer in Großbritannien Diversität sucht, findet sie im aktuellen
       Rennen um die Nachfolge Boris Johnsons als Parteichef der regierenden
       Konservativen und damit als Premierminister. Es ist nicht einmal
       ausgeschlossen, dass die nächste Regierungschefin des Vereinigten
       Königreichs eine Schwarze mit Dreadlocks wird.
       
       Das ist die positive Seite des aktuellen Auswahlprozesses um die Führung
       Großbritanniens. Die Tories zelebrieren die Vielfalt der britischen
       Gesellschaft, ein Erbe der Kolonialzeit und der postkolonialen Migration:
       Die Labour-Partei hat hingegen bis heute immer nur weiße Männer zum Chef
       gewählt.
       
       Die britische Politik ist gezwungen, mit dem rasanten gesellschaftlichen
       Wandel Schritt zu halten, denn das Land verlangt von seiner politischen
       Klasse eine in der Welt seltene Fähigkeit zur Selbsterneuerung. Wer ein Amt
       ausübt, setzt sich permanenter Kritik aus. Wenn der aktuelle Wechsel
       vollzogen ist, werden drei der vier letzten Premierminister nach drei
       Jahren aus dem Amt gefegt worden sein.
       
       Und Gordon Brown, Theresa May und Boris Johnson waren keine politischen
       Leichtgewichte, im Gegenteil. Sie haben es nur nicht vermocht und
       wahrscheinlich auch nicht gewollt, ihr politisches Umfeld in eine so
       vollendete Lähmung zu versetzen, dass nur sie selbst als bewegliche Akteure
       übrigbleiben, so wie in jüngster Zeit in gewissen anderen westlichen
       Demokratien mit Amtszeiten von bis zu sechzehn Jahren.
       
       Die Kehrseite davon ist die Gefahr, dass Personalwechsel an die Stelle
       eines Politikwechsels tritt und dass der persönliche Charakter wichtiger
       wird als der politische Inhalt. Boris Johnson zog einen teilweise irren
       Hass auf sich, der sich nahezu ausschließlich [2][an seiner Persönlichkeit
       festmachte]. Dass jemand nicht Boris Johnson ist, reicht aber nicht, um zu
       entscheiden, wer in 10 Downing Street einziehen soll. Das bunte Feld, in
       dem niemand Boris Johnson ähnelt, steht. Jetzt kommt die politische
       Überzeugungsarbeit.
       
       Personalwechsel an die Stelle eines Politikwechsels tritt und dass der
       persönliche Charakter wichtiger wird als der politische Inhalt.
       
       14 Jul 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nachfolge-von-Boris-Johnson/!5868650
 (DIR) [2] /Grossbritanniens-Noch-Premier-Johnson/!5863812
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Tory
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Wahlen in Großbritannien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Tories wählen neuen Parteivorsitzenden: Das Rennen um die Johnson-Nachfolge
       
       Großbritanniens regierende Konservative entscheiden, wer der oder die
       nächste Premierminister:in wird.
       
 (DIR) Das Rennen um Boris Johnsons Nachfolge: Auf Nummer sicher
       
       Großbritanniens Tories vermeiden das Risiko. Für Boris Johnsons Nachfolge
       schicken die Abgeordnete zwei erfahrene Regierungsmitglieder ins Rennen.
       
 (DIR) Nachfolge von Boris Johnson: Partei sucht Mann. Oder Frau
       
       Exfinanzminister Rishi Sunak oder Außenministerin Liz Truss: Die Basis der
       britischen Konservativen entscheidet, wer auf Johnson folgt.
       
 (DIR) Nachfolge von Boris Johnson: Rishi gegen die Frauen
       
       Großbritanniens Konservative suchen einen neuen Chef. Favorit der
       Abgeordneten ist Ex-Minister Rishi Sunak. Aber er kriegt starke weibliche
       Konkurrenz.
       
 (DIR) Boris Johnsons Nachfolge: Frauen und Minderheiten zuerst
       
       Diversität prägt das Rennen um die Spitze bei den britischen Konservativen.
       Verteidigungsminister Wallace verzichtet.
       
 (DIR) Nachwahlen in Großbritannien: Denkzettel für Boris Johnson
       
       Die Konservativen haben nach diversen Skandalen zwei Nachwahlen verloren.
       Co-Geschäftsführer Dowden kündigt seinen Rücktritt an.