# taz.de -- Hetze gegen Tutsi in der DR Kongo: Allerhöchste Alarmstufe
       
       > Im Osten Kongos wird Jagd auf Tutsi gemacht. Es ist das Ergebnis einer
       > langen Kumpanei mit Völkermordtätern aus Ruanda.
       
 (IMG) Bild: Demonstrierende in Richtung der Grenze zwischen dem Kongo und Ruanda, 15. Juni
       
       Wenn im Afrika der Großen Seen wütende junge Männer mit Steinen und
       Macheten durch die Straßen ziehen und dazu aufrufen, [1][Tutsi] zu jagen,
       ist allerhöchste Alarmstufe angesagt. Der Völkermord an Ruandas Tutsi 1994,
       dem rund eine Million Menschen zum Opfer fielen, hat die Geschichte der
       Region auf Dauer geprägt und wirft einen langen Schatten.
       
       In Ruanda regiert bis heute die einst von Exil-Tutsi als Rebellenarmee
       gegründete Ruandische Patriotische Front (RPF) unter Paul Kagame, die 1994
       dem Genozid ein Ende setzte und die Mörderarmee in die benachbarte
       [2][Demokratische Republik Kongo] (damals Zaire) vertrieb. Viele
       Völkermordtäter sind noch im Kongo militärisch aktiv und träumen von der
       Wiedereroberung Ruandas und der „endgültigen Lösung der Tutsi-Frage“, wie
       sie es nennen.
       
       [3][Ruanda] ist 1996 und 1998 zweimal im Kongo einmarschiert, um zu
       verhindern, dass sich in der fernen Hauptstadt Kinshasa Regierungen
       etablieren, die mit den Völkermordtätern paktieren. Viele Kongolesen führen
       seitdem alles Leid ihres Landes auf Ruanda zurück und ignorieren die
       hausgemachten Gründe wie etwa die schamlose Selbstbereicherung einer
       schmalen Elite und die verbreitete Straflosigkeit für Gewalttäter.
       
       Sie sehen in den im Kongo ansässigen ruandischsprachigen Tutsi eine fünfte
       Kolonne des Nachbar- und Feindeslands und nutzen die ehemaligen ruandischen
       Völkermordtäter als Alliierte für den Krieg gegen Ruanda, zu dem sie immer
       wieder erfolglos blasen. Die aus Kongos Demokratiebewegung hervorgegangene
       Regierungspartei UDPS (Union für Demokratie und sozialen Fortschritt) von
       Präsident Felix Tshisekedi zählt so manche antiruandischen Scharfmacher.
       
       Die Pogrom- und Kriegsaufrufe, die jetzt wieder im Osten Kongos die Runde
       machen, sind Teil einer bis 1994 zurückreichenden Kumpanei zwischen Kongo
       und den Organisatoren des Völkermords an Ruandas Tutsi. Solange sich das
       Land davon nicht löst, wird das Afrika der Großen Seen nicht zum Frieden
       finden. Die internationale Zusammenarbeit mit der Region hat diese
       historischen Konfliktfaktoren in jüngster Zeit vernachlässigt. Ihre
       Überwindung gehört wieder ins Zentrum der Politik.
       
       17 Jun 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Aufflammende-Kaempfe-im-Kongo/!5857464
 (DIR) [2] /Ostafrika-will-im-Kongo-eingreifen/!5860126
 (DIR) [3] /M23-Rebellen-im-Kongo/!5845318
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Völkermord in Ruanda
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Tutsi
 (DIR) Zentralafrika
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Ruanda
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Proteste gegen UN-Blauhelme im Kongo: Die Zeit der UNO ist vorbei
       
       Im Kongo entlädt sich die Wut auf die UN-Soldaten. Die Blauhelmmissionen in
       ehemaligen Bürgerkriegsländern sind ein Relikt – erreicht haben sie wenig.
       
 (DIR) Commonwealth-Gipfel in Ruanda: Mit besonderer Note
       
       Mit Ruanda richtet erstmals ein Land, das nie britische Kolonie war, den
       Commonwealth-Staatengipfel aus. Direkt hinter der Grenze herrscht Krieg.
       
 (DIR) Gewalt gegen Tutsi im Kongo: „Operation Langnase“
       
       Der Krieg der M23-Rebellen in der Demokratischen Republik Kongo führt zu
       Unruhen. In Goma versuchen Demonstranten, die Grenze zu Ruanda zu stürmen.
       
 (DIR) Ostafrika will im Kongo eingreifen: Vereint gegen „negative Kräfte“
       
       Mehrere Staaten Ostafrikas planen eine Militärintervention im Kongo. Ruanda
       bleibt außen vor – und wird von Kinshasa mit Vorwürfen überzogen.
       
 (DIR) Aufflammende Kämpfe im Kongo: Rückkehr der Kriegsstimmung
       
       Luftangriffe, Zehntausende auf der Flucht: Im Kongo wächst Angst vor einem
       neuen Krieg. Viele Kongolesen sehen Ruanda hinter der neuen Stärke der
       M23-Rebellen.