# taz.de -- Folgen des 9-Euro-Tickets: Angst vor der Bollerwagen-Invasion
       
       > Im Metronom gilt ein weitreichendes Verbot für die Fahrradmitnahme.
       > Besucher des Hurricane-Festivals dürfen nun auch keine Bollerwagen
       > mitnehmen.
       
 (IMG) Bild: Kostet viel Platz: Mitnahme von Fahrrädern im Metronom
       
       Hamburg taz | Spätestens ab Freitagvormittag steht das niedersächsische
       Bahnunternehmen Metronom vorm größten Stresstest seit Start des
       bundesweiten [1][Neun-Euro-Tickets]: In Scheeßel (Kreis Rotenburg/Wümme)
       startet dann das Rock-Festival Hurricane. Täglich 78.000 Besucher:innen
       werden erwartet.
       
       Doch wer zur Anfahrt den Metronom nutzen will, muss auf den Bollerwagen als
       Transporthilfsmittel von Zelten, Alkohol oder der Erbsensuppe aus der Dose
       verzichten. Nachdem der Metronom jüngst auch schon die Mitnahme von
       Fahrrädern teilweise untersagt hatte, gilt das nun auch für weitere
       Transportmittel. „Angesichts der nach wie vor hohen Auslastung der Züge
       schließen wir die Mitnahme von Bollerwagen von Donnerstag bis Montag in
       allen Zügen kategorisch aus“, teilte das Unternehmen mit.
       
       Schon das vom Metronom vergangene Woche angekündigte Verbot der Mitnahme
       von Fahrrädern sorgte bei Fahrgastvertreter:innen für Unmut. Auf
       allen Strecken des Metronoms dürfen Fahrgäste von Freitagnachmittag bis
       Sonntagabend kein Fahrrad mehr mitnehmen. Auf der Strecke zwischen Hamburg
       und Uelzen ist es vorerst gar durchgehend untersagt.
       
       „Über [2][Pfingsten] hatten wir die Fahrradmitnahme bereits eingeschränkt,
       da die Züge zum Teil so voll waren, dass in Einzelfällen selbst Fahrgäste
       nicht mehr mitgenommen werden konnten“, sagt eine Sprecherin. „Wir ziehen
       jetzt die Konsequenzen und schaffen von vornherein eine klare Regelung.“
       
       ## Verkehrsclub fordert mehr und längere Züge
       
       Der Verkehrsclub VCD kritisiert diese Entscheidung. „Für Menschen, die ohne
       Auto mobil sind, ist die Fahrradmitnahme ein wichtiger Teil der eigenen
       Mobilität“, sagt Jens Deye vom VCD Nord. Dass es zu überfüllten Zügen
       kommt, zeige, wie hoch die Nachfrage nach einem entsprechenden Angebot ist.
       Mehr und längere Züge könnten Abhilfe schaffen.
       
       Besonders die Strecke zwischen Hamburg und Uelzen über Lüneburg entwickelt
       sich nun zu einem Nadelöhr im norddeutschen Bahnverkehr. Am Montag hat die
       DB Netz AG mit umfangreichen [3][Sanierungsmaßnahmen] entlang der Strecke
       begonnen. Die Arbeiten sind in mehrere zeitliche Abschnitte unterteilt und
       sollen erst Ende September abgeschlossen werden. Der Metronom kann deshalb
       während der Hauptverkehrszeit statt den bislang vier Verbindungen je
       Richtung nur noch eine Verbindung anbieten. Ein Schienenersatzverkehr soll
       Abhilfe schaffen.
       
       Die Situation ist sogar am Wochenende angespannt: Wer etwa am vergangenen
       Samstagvormittag mit dem Metronom von Hamburg nach Lüneburg wollte, musste
       sich über die Menschenmenge am Hamburger Hauptbahnhof wundern. Hunderte
       Menschen standen schon vor 10 Uhr am Bahnsteig. Am Ende passten trotzdem
       alle in den Regionalzug – allerdings ohne Fahrräder. Die durften, darauf
       wies auch schon die Anzeige in der App hin, natürlich nicht mitfahren. Der
       Zug fuhr mit zehn Minuten Verspätung los und kam mit einer halben Stunde
       Verspätung in Lüneburg an.
       
       Das Zusammenfallen von vermehrten Fahrgastzahlen durch das Neun-Euro-Ticket
       und die Sanierungsarbeiten entlang dieser wichtigen Bahnstrecke sorgt beim
       Fahrgastverband Pro Bahn für Unverständnis. „Das ist eine äußerst blöde
       Situation, über die im Vorfeld bei den Zuständigen offenbar nicht intensiv
       genug nachgedacht wurde“, sagt Malte Diehl, Vorsitzender von Pro Bahn
       Niedersachsen/Bremen.
       
       ## Überfüllte Züge vor allem am Wochenende
       
       Zugleich zeigt sich Diehl hinsichtlich der Beeinträchtigung für
       Pendler:innen entspannter. „Viele haben ohnehin schon auf das Klapprad
       gewechselt“, sagt er über die Pendler:innen, die von den Bahnhöfen noch
       weiter zur Arbeitsstätte fahren müssen. Diese dürfen schließlich auch jetzt
       weiterhin mitgenommen werden.
       
       Das Mitnahmeverbot ist darüber hinaus vielen Pendler:innen in Hamburg,
       aber etwa auch in Hannover, nichts Unbekanntes: So ist sowohl im Hamburger
       als auch im Hannoverschen Nahverkehr die Fahrradmitnahme in Stoßzeiten
       untersagt. Zwischen 6 und 9 Uhr sowie am Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr
       gilt das in Hamburg. In Hannover gilt das Verbot gar den gesamten
       Nachmittag von 15 bis 19 Uhr.
       
       Hinzu vermelden die Bahnunternehmen vor allem an den Wochenenden durch
       Ausflugstouristen überfüllte Züge – weniger an den Werktagen. Sowohl der
       Metronom als auch die Deutsche Bahn warnt Reisende davor, dass es an den
       Wochenenden entlang touristischer Strecken voll werde. Es sei besser, auf
       weniger nachgefragte Strecken auszuweichen.
       
       Für die Besucher:innen des Hurricane-Festivals wird das jedoch kaum
       möglich sein. Der Metronom erwartet trotz Bollerwagenverbot überfüllte Züge
       auf den Strecken nach Scheeßel – und appelliert auf Rücksichtnahme der
       Anreisenden.
       
       15 Jun 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neun-Euro-Ticket-an-Pfingsten/!5856654
 (DIR) [2] /Das-Neun-Euro-Ticket-im-Pfingst-Test/!5856562
 (DIR) [3] /9-Euro-Ticket-fuer-den-Nahverkehr/!5855579
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) André Zuschlag
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bahnreisende
 (DIR) Bahnverkehr
 (DIR) Deutsche Bahn
 (DIR) 9-Euro-Ticket
 (DIR) Niedersachsen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA