# taz.de -- Erneute Kämpfe in Libyen: Kampf der zwei Premierminister
       
       > In Libyen konkurrieren zwei Premiers: der ostlibysche Bashaga und der in
       > Tripolis sitzende Dbaiba. Bashaga versucht, die Stadt zu erobern.
       
 (IMG) Bild: Mit Dbaiba verbündete Milizen patrouillieren die Straßen Tripolis'
       
       Hamburg/Tunis taz | Bei dem Versuch des ostlibyschen Premierministers Fathi
       Bashaga, die Amtsgeschäfte in Libyens Hauptstadt Tripolis zu übernehmen,
       ist es am Montagabend und am Dienstag dort wieder zu Gefechten gekommen.
       Als Bashagas Wagenkolonne in Tajoura, einem östlichen Vorort von Tripolis,
       eintraf, nahmen die bewaffneten Milizen, die die Stadt seit Langem
       regieren, Bashaga und die mit ihm verbündete und in Tripolis ansässige
       Nawassi-Brigade unter Artilleriefeuer.
       
       Bashaga wurde [1][im Januar unter dubiosen Umständen] vom in Ostlibyen
       tagenden Parlament gewählt. Bei seinem ersten Versuch nach Tripolis zu
       gelangen, floh er nach Warnschüssen der Hauptstadtmilizen.
       
       Die meisten bewaffneten Gruppen in Tripolis unterstützen den dort
       regierenden, westlibyschen Premier Abdulhamid Dbaiba. Der Millionär und
       Geschäftsmann stammt wie sein Konkurrent Bashaga aus der Hafenstadt
       Misrata, und gilt als Alliierter des Westens und der Türkei.
       
       ## Bashaga ist mit Russland
       
       Dabaiba war im Januar letzten Jahres von einer Gruppe aus 75 Delegierten,
       die von den Vereinten Nationen ausgewählt worden waren, für ein Jahr zum
       Übergangspremier gewählt worden. Eigentlich sollte der 63-Jährige nur die
       für Dezember angesetzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vorbereiten
       und dann abtreten. Nachdem [2][die Wahlen abgeblasen wurden], blieb der in
       Westlibyen beliebte Dbaiba einfach im Amt, die Waffenruhe zwischen Ost- und
       Westlibyen bestand dank eines türkisch-russischen Stillhalteabkommens
       weiter.
       
       Denn Bashaga ist mit dem Warlord und selbsternannten Feldmarschall Chalifa
       Haftar alliiert, der wiederum mit Moskau verbunden ist. Eine Machtübernahme
       in Tripolis würde dem Kreml mehr Macht in Libyen verschaffen. Die
       russische, Kreml-nahe [3][Privatmilitärgruppe Wagner] unterstützt Haftar
       mit modernen Kampfjets und lasergestützter Artillerie.
       
       Haftar hatte im April 2019 erfolglos versucht, Tripolis einzunehmen. An
       seiner Seite kämpften damals Hunderte Wagner-Söldner, die sich erst
       zurückzogen, als die libysche Regierungsarmee [4][dank türkischer
       Bayraktar-Drohnen] die Oberhand gewann.
       
       Dieses Ziel wollte er daraufhin politisch erreichen. Dabei hilft ihm der
       ehemalige Innenminister Bashaga – im ersten libyschen Bürgerkrieg
       kritisierte er zwar Haftar, trat aber auch den ihm verfeindeten Milizen in
       Tripolis entgegen: Mit deren Integrierung in die Regierungsarmee wollte er
       die Macht der als Kriegshelden gefeierten Milizenführer begrenzen. Doch
       diese – die wahren Machthaber in Libyen – zwangen ihn zur Aufgabe.
       
       Zusammen mit Haftar, Muammar Gaddafis Sohn [5][Saif al-Islam] und anderen
       umstrittenen Politprominenten bewarb Bashaga sich um das Präsidentenamt der
       geplatzten Wahl. Milizen auf beiden Seiten der zwischen Ost- und Westlibyen
       verlaufenden Front drohten daraufhin damals mit der Erstürmung der
       Wahllokale.
       
       Als Gegenleistung für ihre Dienste im Stellvertreterkrieg um Tripolis
       gingen dank Haftar Öllieferungen und üppige Zahlungen an Wagner, türkische
       Firmen wurden dagegen von Dbaiba und seinem Vorgänger mit Hunderten
       Aufträgen für den Wiederaufbau des Landes bedacht.
       
       ## Auch Ägypten unterstützt Haftar und Bashaga
       
       Haftars und Bashagas strategische Allianz freut auch Kairo: Die ägyptische
       Regierung unterstützt die geplante Machtübernahme der beiden in Tripolis,
       da sie – so wie Ägypten – mit der Muslimbruderschaft verfeindet sind.
       
       Die libysche Zivilgesellschaft ist zurückhaltend, die Sorge vor einem
       erneuten Krieg wächst. Am Dienstag stiegen sogar Kampfflugzeuge auf,
       Kämpfer der zu Bashaga gehörenden Brigade 444 begleiteten seinen Konvoi
       schließlich aus der Stadt.
       
       17 May 2022
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mirco Keilberth
       
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