# taz.de -- Anti-Doping-Kämpferin Berendonk wird 80: Die Aufklärerin
       
       > Die einstige Leichtathletin und Anti-Doping-Pionierin Brigitte Berendonk
       > feiert 80. Geburtstag. An den „sauberen Sport“ glaubt sie nach wie vor
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Kämpfte gegen monströse Auswüchse des Sports: Berendonk beim Hans-Braun-Sportfest 1971 in München
       
       Als eine der ersten Sportlerinnen überhaupt kritisierte im Jahr 1969 die
       damalige Diskuswerferin und Kugelstoßerin Brigitte Berendonk öffentlich den
       Dopingbetrug im Leistungssport. In der Wochenzeitung DIE ZEIT schrieb sie
       einen bemerkenswerten Artikel mit der Überschrift „Züchten wir Monstren? –
       Die hormonale Muskelmast“, in der Berendonk vor der schlimmen
       Anabolikaseuche und dem Ende des fördernswerten Leistungssports warnte.
       
       Ein kritischer Geist und eine Mahnerin ist Berendonk, die am Montag ihren
       80. Geburtstag feiert, bis heute geblieben. Angesichts der Dopingfälle im
       Weltsport bilanziert sie: „Einige erfolgsgierige Menschen im Sport sind
       nach wie vor auf dem falschen Weg.“ Mit Blick auf Sportgroßereignisse
       bedauert sie, „dass, so wie zu meiner Sportlerzeit, saubere Athleten gegen
       Betrüger antreten müssen“. [1][Zahlreichen Funktionären aus dem Sport und
       der Politik] wirft sie „Halbherzigkeit und Opportunismus“ vor. „Auch daran
       hat sich leider nur wenig geändert.“
       
       Berendonk, im thüringischen Dankmarshausen nahe Eisenach geboren und aus
       einer Arztfamilie stammend, war 1958 über Westberlin in die Bundesrepublik
       geflüchtet. Zuvor war sie DDR-Meisterin in der B-Jugend im
       leichtathletischen Vierkampf geworden. Bei den Olympischen Spielen in
       Mexiko-Stadt 1968 hatte die Diskuswerferin Berendonk „die massiven,
       körperlichen Verwandlungen“ besonders ihrer Konkurrentinnen aus Osteuropa
       bemerkt. „Der nahezu wahnwitzige Muskelzuwachs einhergehend mit zunehmender
       Vermännlichung, erzeugt durch Anabolika, war unverkennbar.“
       
       Doch selbst in Westdeutschland ignorierten die Sportfunktionäre und
       Politiker größtenteils die Mahnungen. Herausgefordert von den zahlreichen
       Erfolgen des Ostblocks wollte die Bundesrepublik Schritt halten. Für
       Brigitte Berendonk, die spätere Oberstudienrätin für Englisch und Sport am
       Hölderlin-Gymnasium in Heidelberg, sowie ihrem Mann, dem Molekularbiologen
       und Dopingaufklärer Werner Franke, war dies ein Unding. Sie trugen
       unzählige Fakten und Dokumente zum Dopingbetrug in der DDR, aber auch in
       der Bundesrepublik und der restlichen Welt zusammen.
       
       ## Brisante Dokumente
       
       Ihr wohl größter Coup war nach der Wiedervereinigung die Rettung von einst
       streng geheimen DDR-Doping-Dissertationen und Forschungsarbeiten aus dem
       Tresorraum der Militärmedizinischen Akademie im brandenburgischen Bad
       Saarow der in Auflösung befindlichen DDR-Volksarmee. Diese brisanten
       Dopingdokumente konnten sie gegen den Widerstand der Ex-NVA-Offiziere und
       der damals überall aktiven Reißwölfe für die Nachwelt sichern. Das 1991
       erschienene Buch „Doping – von der Forschung zum Betrug“ der Autorin
       Berendonk [2][in Zusammenarbeit mit ihrem Mann] fand weltweite Beachtung.
       „Wer wissen will, was war, der kann es nachlesen“, sagt sie.
       
       Gefreut hat sie sich darüber, dass sich einige Sportler für ihre
       Aufklärungsarbeit bedankt haben. Darunter die frühere DDR-Schwimmerin und
       Staffel-Europameisterin Karen König oder der mehrfache bundesdeutsche
       Diskus-Meister Alwin Wagner. Für ihr jahrzehntelanges Engagement gegen
       Doping erhielt das Ehepaar Franke-Berendonk im Jahr 2004 das
       Bundesverdienstkreuz.
       
       Mit Seniorensport, Wandern oder Gehen im Stadion, Dehn- und Muskelübungen
       sowie gesunder Ernährung halte sie sich fit. Den runden Geburtstag wird sie
       „mit der Familie in Thüringen in der Nähe von Jena verbringen“.
       
       2 May 2022
       
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       Das Buch zum Jahr des Sportbetrugs: Werner Franke und Udo Ludwig,
       "Spiegel"-Autor, dokumentieren deutsche Dopingfälle und schildern
       eindrucksvoll die Wirkungsweise der Pillen.