# taz.de -- Saarländischer AfD-Spitzenpolitiker: Wahlkampf mit „Nazi-Braut“
       
       > Kurz vor der Wahl im Saarland gibt es neue Turbulenzen in der AfD: Ein
       > aussichtsreicher Kandidat posiert mit einer Hitler-Verehrerin.
       
 (IMG) Bild: Andreas Kalbitz, Jörg Urban, Björn Höcke und Josef Dörr am 1. September 2018 in Chemnitz
       
       Saarbrücken taz | „Mit rechtsextremen Tendenzen haben wir keine Probleme.
       Wir zoffen uns, wir haben keine Zeit zum Bombenbauen!“ Mit diesem Satz
       kommentierte vor zwei Wochen ein führender saarländische AfD-Politiker
       gegenüber der taz [1][das Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts], nach dem
       die Partei als „Verdachtsfall“ vom Verfassungsschutz observiert werden
       darf. Der Mann wollte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Der taz
       liegen indes Hinweise vor, dass im Landtagswahlkampf der AfD zumindest auch
       eine glühende Verehrerin Adolf Hitlers mitmischt.
       
       Sie unterstützt demnach offenbar tatkräftig Christoph Schaufert,
       Spitzenkandidat für den Wahlkreis Neunkirchen. Gegen ihn läuft zwar wegen
       parteiinterner Rivalitäten ein Ausschlussverfahren, seine Mitgliedsrechte
       ruhen. Trotzdem hat der Archäologe gute Aussichten, am Sonntag ein
       Landtagsmandat zu erringen.
       
       Einblick in seinen Wahlkampf bietet ein Facebook-Beitrag vom 12. März.
       Rainer Mattern, AfD-Mitglied aus dem saarländischen Riegelsberg, postete
       dort das Foto eines Wahlkampfstands. Unter einem AfD-Sonnenschirm zeigt
       sich der Kandidat Schaufert Arm in Arm mit Matterns Ehefrau Angelika. „Wir
       drücken Dir die Daumen und unterstützen Dich, ebenso wie Carsten Becker in
       Saarlouis, dem wir nächste Woche im Wahlkampf als Helfer zur Seite stehen“,
       heißt es da. Becker ist aussichtsreicher Kandidat im Nachbarkreis. Auch ihm
       gelten aufgereckte Daumen, Glückskleeblätter und Herzchen der Matterns.
       
       Die Frau, die sich auf dem Foto an Schaufert festhält, ist in der Partei
       allerdings als Verehrerin Adolfs Hitlers bekannt. Bereits im vergangenen
       Jahr löste sie heftige Turbulenzen [2][im ohnehin zerstrittenen
       AfD-Landesverband] aus. Am 20. April 2021 hatte Angelika Mattern bei
       Telegram in bedenklichem Kontext ebenfalls Herzchen gepostet: Unter einem
       Foto Adolf Hitlers wünschte sie da dem „Befreier Deutschlands, Alles Gute
       zum Geburtstag!“
       
       Damals war der AfD-Landesvorstand prompt eingeschritten. In einem
       „Umlaufbeschluss“ vom 22. April beantragte der Landesvorsitzende, der
       Bundestagsabgeordnete Christian Wirth, Angelika Matterns Parteiausschluss.
       Durch das Posten von „Geburtstagswünschen mit Bild und Herzchen an Adolf
       Hitler“ habe sie „in völlig inakzeptabler Weise“ der Partei geschadet“,
       heißt es da. Einer der Unterzeichner des Beschlusses: Christoph Schaufert,
       der jetzt an der Seite der Hitler-Verehrerin für sich und die AfD wirbt.
       
       „AfD-Kandidaten machen Wahlkampf mit Nazi-Braut“, textete jetzt intern ein
       AfD-Parteifunktionär, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden will.
       Schaufert berief sich gegenüber der taz auf die Unschuldsvermutung:
       „Insoweit behandele ich niemanden wie einen Aussätzigen wenn er bei mir am
       Infostand auftaucht“. Kandidat Becker antwortete nicht, der
       Landesvorsitzende Wirth bezog Stellung: „Es ist nicht hinzunehmen, dass
       Frau Mattern zusammen mit Herrn Schaufert unter dem Namen der AfD Wahlkampf
       macht. Der Vorgang liegt dem Bundesvorstand vor und wird Gegenstand der
       Verhandlung über den Parteiausschluss werden. Damit zeigen wir deutlich,
       dass rechtsradikale Ansichten keinen Platz in der AfD haben.“
       
       Zu ihrer Rechtfertigung hatte Angelika Mattern dem Landesvorstand im
       vergangenen Jahr erläutert, „der Post sollte als bissige Satire verstanden
       werden, auf das uns drohende Unheil einer ‚grünen‘ Bundeskanzlerin, die
       sich als Befreierin Deutschlands von dem bösen CO² in den Medien feiern
       lässt“. Weiter beteuerte sie: „Ich habe weder Kennzeichen des
       Nationalsozialismus noch verfassungsfeindliche Symbole gepostet.“ Der Chat,
       in dem sich Mattern zu Wort gemeldet hatte, beginnt mit einem Hitlerzitat.
       Es folgen im Verlauf Hakenkreuze, Hitlergruß, gewaltverherrlichende Fotos
       von Landsern und antisemitische Ausfälle, in denen der Holocaust bejubelt
       wird.
       
       Den bekanntesten Politiker der saarländischen AfD, Josef Dörr, bat die taz
       ebenfalls vergeblich um eine Stellungnahme. Der 83-jährige
       Landtagsfraktionsvorsitzende beteuert stets, sein Landesverband habe mit
       Rechtsextremismus nichts zu tun. Dazu passt allerdings kaum das Foto, das
       die Blogger von „Saarlandinside“ gerade online gestellt haben.
       
       Es zeigt Dörr in der ersten Reihe beim legendären Aufmarsch der Rechten im
       Sommer 2018 in Chemnitz in Reaktion auf einen tödlichen Messerangriff beim
       dortigen Stadtfest. Es war eine gemeinsame Demonstration von AfD, Pegida
       und Pro Chemnitz, also ein regelrechter Schulterschluss zwischen
       Neonazi-Szene und AfD. Seit an Seit marschierte der Saarländer Dörr da
       neben Björn Höcke vom offiziell aufgelösten AfD-“Flügel“ und dem
       rechtsextremen Andreas Kalbitz. Die Herren an der Spitze der Bewegung
       trugen jeder eine weiße Rose. So kaperten sie auch noch ein Symbol des
       Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
       
       23 Mar 2022
       
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