# taz.de -- Misshandlung im Pferdesport: Ermittlungen gegen Springreiter
       
       > Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt nach Vorwürfen wegen
       > Tiermisshandlung gegen Ludger Beerbaum. Dieser wehrt sich gegen die
       > Anschuldigungen.
       
 (IMG) Bild: Beerbaum auf seinem Pferd „Casello“ während des Grand Prix in Prag 2018
       
       Warendorf/Berlin dpa | Die Staatsanwaltschaft Münster hat nach den
       Vorwürfen wegen unerlaubter Trainingsmethoden gegen den [1][Springreiter
       Ludger Beerbaum] ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das bestätigte die
       Staatsanwaltschaft den Westfälischen Nachrichten und dem WDR am Mittwoch.
       Ermittelt wird demnach wegen des Vorwurfs der quälerischen Tiermisshandlung
       in Mittäterschaft.
       
       In einem Beitrag bei „RTL Extra“ war dem Weltklasse-Springreiter
       vorgeworfen worden, die verbotene Trainingsmethode des Barrens bei seinen
       Springpferden angewandt zu haben. Der viermalige Olympiasieger bestreitet
       das.
       
       Am Dienstag hatte nun Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen
       Reiterlichen Vereinigung (FN), nach der Ansicht eines mehrminütigen
       Zusammenschnittes verschiedener Videosequenzen von RTL gesagt, „dass Teile
       der dokumentierten Vorgänge eindeutig nicht unserer Beschreibung des
       Touchierens entsprechen“.
       
       [2][Touchieren ist erlaubt, Barren hingegen nicht] – und der
       Generalsekretär sagte zu den von RTL zur Verfügung gestellten Aufnahmen:
       „Zum Beispiel ist eine Ausholbewegung zu sehen, bevor die Touchierstange
       die Pferdebeine berührt.“ Die FN-Regularien sehen unter anderem vor, dass
       beim Touchieren die Stange ein glattes Rundholz sein muss, nicht mehr als
       drei Meter lang und nicht schwerer als zwei Kilo.
       
       ## Beerbaum will zu den Vorwürfen Stellung nehmen
       
       Der TV-Sender hatte dem Weltklasse-Springreiter vor einer Woche in einem
       Beitrag bei „RTL Extra“ Tierquälerei vorgeworfen. Der 58-Jährige soll nach
       RTL-Einschätzung die unerlaubte Trainingsmethode des Barrens bei seinen
       Springpferden angewandt haben – was der Reiter bestreitet.
       
       Beerbaum begrüßte am Dienstag die „erste Einordnung der FN“. In Lauterbachs
       Aussage werde „deutlich, dass sich die deutsche FN sehr differenziert mit
       den Originalaufnahmen auseinandersetzt und auf das nach meiner festen
       Überzeugung zu sehende Touchieren eingeht“. Der Reiter kündigte an, er
       werde „aktiv auf unseren Fachverband zugehen, um auch von unserer Seite die
       Videoaufnahmen zu erläutern und zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Hierzu
       ist es notwendig, dass wir die Originalaufnahmen sichten können und nicht
       über redaktionell bearbeitete Szenen sprechen.“
       
       In einer ersten Stellungnahme hatte sich Beerbaum vehement gegen die
       Anschuldigungen gewehrt. „Der Beitrag von ‚RTL extra‘ ist in vielen Punkten
       nachweislich falsch, verleumderisch und ehrverletzend“, schrieb er am
       vorigen Mittwoch und kündigte juristische Schritte an.
       
       Vor einer Woche standen der FN nur wenige Sekunden verpixelter Szenen zur
       Verfügung. Jetzt untersucht die Reiterliche Vereinigung nach eigenen
       Angaben anhand der ausführlichen Bilder, ob ordnungswidrige Handlungen
       vorliegen und wer die handelnden Personen sind. Für Ordnungsverfahren ist
       die Disziplinarkommission der FN zuständig.
       
       RTL hatte in der Sendung vom 11. Januar heimlich von einer Informantin
       aufgenommene Videos gezeigt. Eine Journalistin hatte sich zudem zur
       Recherche für einige Zeit als angebliche Praktikantin auf der Anlage
       einstellen lassen. „Die im Beitrag gezeigten Szenen auf dem Reitplatz haben
       mit Barren nichts zu tun. Es handelt sich dabei um erlaubtes Touchieren,
       das von einem erfahrenen, routinierten Pferdefachmann durchgeführt wurde“,
       beteuerte Beerbaum und betonte, „dass diese erlaubte Trainingsmethode bei
       uns nur sehr selten angewendet wird und nicht Bestandteil der täglichen
       Arbeit ist“.
       
       27 Jan 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Reit-EM-in-Aachen/!5222468
 (DIR) [2] /Pferdeschinder-im-Leistungssport/!5107778
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
 (DIR) Pferde
 (DIR) Pferdesport
 (DIR) Tierquälerei
 (DIR) Rennreiten
 (DIR) Pferdesport
 (DIR) American Pie
 (DIR) Pferdesport
 (DIR) Niedersachsen
 (DIR) Pferdesport
 (DIR) Pferdesport
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) NS-Aufarbeitung im Pferdesport: Hippologisches Hinterfragen
       
       Wie belastet war Reitsportfunktionär Gustav Rau? Sein Einfluss in der
       Nazizeit ging wohl über den eines einfachen NS-Mitläufers weit hinaus.
       
 (DIR) Drei tote Rennpferde in England: Rennen und springen bis zum Kollaps
       
       Bei einem Hindernisrennen im englischen Cheltenham sterben wieder drei
       Pferde. In den letzten 17 Jahren kamen fast 3.000 Rennpferde ums Leben.
       
 (DIR) Doping im US-Pferdesport: Irre Verschwörungstheorien
       
       Bob Baffert, der erfolgreichste Trainer von Galopprennpferden, wird trotz
       neuerlichen Dopings milde bestraft. Das Ganze hat System.
       
 (DIR) Debatte über Tierwohl im Pferdesport: „Tiere zu Sportgeräten degradiert“
       
       Die Vielseitigkeitsreiterin Julia Krajewski ist Niedersachsens Sportlerin
       des Jahres 2021. Die Tierrechtsorganisation PETA erhebt Einspruch.
       
 (DIR) Niedersachsen ist Pferdeland: Wo der Gaul eine Lobby hat
       
       Die Heide ist ein idealer Ort zum Reiten. Für Ranchurlaube,
       Planwagenfahrten, Gourmet-Ritte oder um nur die Natur zu genießen.
       
 (DIR) Ist das Derby Tierquälerei?: Galopp unter Schmerzen
       
       Das „Deutsche Derby“ lockte Tausende ZuschauerInnen auf die Horner Rennbahn
       in Hamburg. Tierschützer halten den Sport für Tierquälerei.
       
 (DIR) Tierwohl im Pferdesport: Kontrolle durch Schmerz
       
       Gebrochene Kiefer, geplatzte Gelenkkapseln, chronische Krankheiten: Im
       deutschen Pferdesport wird Schreckliches toleriert.