# taz.de -- Berlins neue Schulsenatorin Busse (SPD): „Ich soll etwas bewegen“
       
       > Das Aussetzen der Präsenzpflicht sei richtig gewesen, sagt Astrid-Sabine
       > Busse – und erzählt, warum sie den Senatorinnen-Job nicht ablehnen
       > konnte.
       
 (IMG) Bild: Astrid-Sabine Busse (SPD) ist seit Dezember Berlins neue Bildungssenatorin
       
       taz: Frau Busse, am heutigen Montag enden die Winterferien, [1][die
       Präsenzpflicht ist ausgesetzt]. Würden Sie Ihr schulpflichtiges Kind oder
       Enkelkind in die Schule schicken? 
       
       Astrid-Sabine Busse: Selbstverständlich. Ich persönlich hätte ein Kind auch
       keinen Tag rausgenommen aus der Schule.
       
       Das sagen Sie ohne zu zögern. 
       
       Es laufen ja sehr viele Infektionsschutzmaßnahmen in den Schulen. Und
       obwohl die Inzidenzen sehr hoch sind, gibt es bei den Kindern kaum schwere
       Krankheitsverläufe. Ich war bis Dezember noch live dabei als Schulleiterin:
       Da hatten die meisten Kinder, die positiv getestet wurden, überhaupt keine
       Symptome. Dazu kommt: Schule ist einfach der beste Lernort für ein Kind –
       dort hat es den Kontakt zur Lehrkraft, zu den Erzieherinnen und Erziehern,
       zu den Mitschülerinnen und Mitschülern. Also ja, ich würde mein Kind
       schicken.
       
       Wenn Ihre Position da so klar ist – warum haben Sie die Präsenzpflicht
       überhaupt aufgehoben? 
       
       Weil zum einen die Winterferien vor der Tür standen und zum anderen die
       Infektionszahlen stark angestiegen sind. In den Winterferien wären wir
       nicht so handlungsfähig gewesen. Wenn die Zahlen über die Ferien jetzt
       stark steigen sollten, dann hätte man gesagt: Warum haben Sie nicht
       gehandelt? Und zudem haben uns die Amtsärzte der Bezirke ein Stück weit im
       Stich gelassen, indem sie [2][die Quarantänenachverfolgung in den Schulen
       ausgesetzt] und vor allem unklar kommuniziert haben.
       
       Das hat Sie geärgert? 
       
       Geärgert ist ein großes Wort. Es war wie immer in der Pandemie: Da ist
       etwas Neues passiert, und wir mussten abwägen. Mir war aber auch klar, dass
       nur sehr, sehr wenige Eltern von der Aussetzung der Präsenzpflicht Gebrauch
       machen werden. Die Zahlen liegen im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
       
       Also war das Aussetzen der Präsenzpflicht eine Symbolhandlung? 
       
       Nein. Die Eltern können sich das Recht nehmen, ihr Kind zu Hause zu lassen
       – temporär, zum Glück, bis zum 28. Februar. Und dann hoffen wir, dass wir
       den Peak der Omikron-Welle überstanden haben.
       
       Trotzdem: Infektiologisch macht es keinen großen Unterschied, wenn nur
       wenige das Aussetzen der Präsenzpflicht in Anspruch nehmen. Warum haben Sie
       nicht entschieden: Dann halbieren wir die Klassen konsequent und machen
       Wechselunterricht? Infektiologisch wäre es sinnvoller gewesen, für die
       Schulen planbarer. 
       
       Also, das Wort planbar deckt sich nicht wirklich mit der aktuellen
       Schulwirklichkeit – auf dem Papier ist das vielleicht so, aber wir haben
       das doch alles durchgespielt in den Schulen…
       
       Deswegen ja – die Schulen müssten ihre Konzepte vom letzten Frühjahr doch
       noch in der Schublade haben. 
       
       Wir haben eine andere Situation – letztes Jahr hatten wir Delta, jetzt
       haben wir Omikron. Wechselunterricht wird jetzt teilweise gar nicht mehr
       möglich sein, weil nicht nur viele Kinder infiziert sind, sondern auch die
       Pädagoginnen und Pädagogen. Da müssen die Schulen täglich morgens umplanen
       und Schwerpunkte setzen: Wer bekommt jetzt noch das bestmögliche
       Unterrichtsangebot? Wechselunterricht ist aktuell oft nicht mehr
       durchführbar, das ist ein hoher Aufwand. Außerdem kann ich Ihnen sagen: Die
       Gruppe, die zu Hause war, hat zuweilen wenig gemacht im Wechselunterricht –
       das habe ich erlebt, als ich letztes Jahr noch als Lehrerin vor einer
       Klasse stand.
       
       Diese SchülerInnen verlieren Sie aber doch jetzt mit der ausgesetzten
       Präsenzpflicht auch. 
       
       Ja, aber die Zahl ist noch marginal. Zudem denke ich, dass nach den Ferien
       noch weit weniger vom Aussetzen der Präsenzpflicht Gebrauch machen werden.
       Und wie gesagt, dann hoffe ich, dass auch die Inzidenzen wieder sinken
       werden.
       
       Dennoch: Können Sie nicht nachvollziehen, dass viele Eltern sich jetzt
       allein gelassen fühlen mit der Entscheidung, ob sie ihr Kind morgens noch
       zur Schule schicken? 
       
       Wer sind denn „die“ Eltern? Wir haben ungefähr 700.000 Eltern – und da
       müssen wir auch mal sehen: Wer spricht, wer schreibt? Und dann relativiert
       sich Vieles.
       
       Dass einige lauter sind als andere, setzt Sie überhaupt nicht unter Druck? 
       
       Sie, ich, wir alle müssen viel aushalten. Und ich hoffe auf den März, dass
       wir dann zurückkehren in die volle Präsenzpflicht.
       
       Der Virologe Christian Drosten sieht die Schulen inzwischen in der
       Omikron-Welle ganz klar als Pandemiebetreiber. 
       
       Herr Drosten – und andere Fachfrauen und -männer – haben auch lange die
       gegenteilige These vertreten.
       
       Jetzt aber nicht mehr. Ändert das etwas für Sie? 
       
       Die Erkenntnislage ändert sich ja quasi jeden Tag, auch die der Expertinnen
       und Experten. Das muss ich aushalten. Das Problem ist die Schnelligkeit,
       mit der wir oft Entschlüsse fassen müssen. Aber dem Virus ist das natürlich
       egal.
       
       Bundesweit haben SchülervertreterInnen unter [3][#wirwerdenlaut] ihrem
       Frust Ausdruck verliehen, dass sie sich von der Politik nicht geschützt
       fühlen in der Pandemie. Können Sie den Frust nachvollziehen? 
       
       Berlin erfüllt ja ganz viele Forderungen der Schülerinnen und Schüler
       schon. Zum Beispiel bei der Forderung nach Luftfiltergeräten: Da sind wir
       ganz weit vorne.
       
       Wie ist denn der Stand bei den [4][Luftfiltern] – die Zielvorgabe Ihrer
       Amtsvorgängerin war, dass in jedem Klassenraum ein Lüfter stehen muss. Gilt
       das noch? 
       
       Wir haben jetzt so viel ausgeliefert, dass jeder Klassenraum rechnerisch
       mit einem Filtergerät ausgestattet werden kann. Konkret: Rund 23.000 Geräte
       wurden ausgeliefert, 7.000 kommen noch. Aber ich sage auch: Die
       Luftfiltergeräte sind kein Allheilmittel. Man muss immer noch lüften.
       
       Sie sagen selbst, das Aussetzen der Präsenzpflicht wird kaum in Anspruch
       genommen, der Wechselunterricht würde die Schulen vor enorme
       Herausforderungen stellen, die Luftfilter sind nicht das Allheilmittel. Was
       ist denn das Allheilmittel? 
       
       Wenn ich das Allheilmittel wüsste, säße ich hier nicht mit Ihnen auf der
       Couch.
       
       Wir könnten auch fragen: Was ist Ihre Strategie? Setzen Sie auf die
       steigende Impfquote, auf das Frühjahr? 
       
       Die Impfquote steigt ja leider sehr langsam.
       
       Das ist ja das Problem. 
       
       Nehmen Sie zum Beispiel das Testen in den Schulen: Wir testen in den ersten
       zwei Schulwochen jedes Kind fünfmal pro Woche. Es ist wirklich eine
       logistische Meisterleistung, den Schulen diese Tests bereitzustellen; die
       müssen auf dem Weltmarkt ja erstmal beschafft werden. Aber wir können
       liefern, die Schulen bekommen pünktlich ihre Tests. Und dann haben wir
       immer noch, nicht zu vergessen, die Maskenpflicht in den Schulen – die
       Kinder tragen den ganzen Tag im Unterricht Maske. Ich finde das ja schlimm,
       aber es muss sein.
       
       Sind Sie für [5][eine berufsbezogene Impfpflicht] bei LehrerInnen und
       ErzieherInnen? 
       
       Ich persönlich würde das gut finden. Das muss aber auf Bundesebene
       entschieden werden. Zudem ist bei den Berliner Lehrerinnen und Lehrern die
       Impfquote ohnehin sehr hoch, über 95 Prozent sind geimpft.
       
       Wie sieht es bei den ErzieherInnen aus? 
       
       Da sind es etwas weniger. Aber seit die 3G-Regel am Arbeitsplatz gilt, ist
       auch dort die Impfquote gestiegen. Das tägliche Sich-Testen-Müssen hat die
       Motivation spürbar erhöht.
       
       Wann wissen die Eltern, wie es nach dem 28. Februar mit der Präsenzpflicht
       weitergeht? 
       
       Vor dem 28. Februar.
       
       Der 28. ist ein Montag, also bekommen die Schulen die Nachricht am Freitag
       davor? 
       
       Ich weiß, dass viele Schulleitungen in der Vergangenheit kritisiert haben,
       dass neue Maßgaben sehr kurzfristig vor dem Wochenende angekündigt wurden.
       Ich habe das als Schulleiterin selbst kritisiert. Jetzt weiß ich, warum es
       manchmal nicht anders möglich ist. Da gibt es so viele Abteilungen und
       Gremien, die mit beteiligt werden müssen. Aber es bleibt mein Wunsch, dass
       wir in Zukunft nicht erst freitags informieren.
       
       Sie waren, neben Ihrem Job als Schulleiterin in Neukölln, außerdem einige
       Jahre lang Vorsitzende eines SchulleiterInnenverbands. Was genau
       unterscheidet eine Politikerin von einer Lobbyistin? 
       
       Als Lobbyistin bin ich völlig frei. Da kann ich wünschen, da kann ich
       fordern. Jetzt bin ich in meinem dritten Beruf – nach Lehrerin und
       Schulleiterin – plötzlich Politikerin. Das muss ich von der Pike auf neu
       lernen. Auch wenn ich eine große Schule mit mehreren Hundert
       Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin geleitet habe – eine Verwaltung mit
       2.000 Menschen ist nochmal etwas völlig anderes. Die Tage sind sehr dicht
       getaktet, aber immer, wenn ich mal eine Pause habe, gehe ich raus und öffne
       hier ein paar Türen und sage: Hallo, ich bin Frau Busse, und was machen Sie
       hier, was ist Ihre Aufgabe?
       
       Haben Sie unterschätzt, was Verwaltung bedeutet? 
       
       Was man nicht kennt, kann man nicht unterschätzen. Aber es ist noch immer
       ein spezielles Gefühl, nun plötzlich auf der anderen Seite zu stehen. Wobei
       sich die sechs Wochen, die ich gerade erst im Amt bin, sich bereits
       anfühlen wie ein Jahr. Die Tage sind, wie gesagt, sehr dicht getaktet. Wir
       wollen hier ja anpacken.
       
       Was war Ihre Motivation zu sagen: Die Herausforderung nehme ich jetzt
       nochmal an? 
       
       Ich habe mich ja nicht beworben. Ich wurde gefragt. Und da habe ich gesagt:
       So ein Angebot, das ist auch Schicksal, das kann ich nicht ablehnen. Ich
       soll ganz offensichtlich noch mal etwas bewegen. Was ich allerdings nicht
       in Gänze gewusst habe, ist der Umfang der Aufgaben, der auf mich zukommen
       würde. Das hat man mir wohlweislich auch nicht erzählt. (lacht)
       
       Wenn wir auf die nächsten fast fünf Jahre Ihrer Amtszeit blicken: Was
       wollen Sie bewegen? 
       
       Mein ganzes Leben habe ich mich mit ganzem Herzen für Kinder und
       Jugendliche eingesetzt. Das war für mich immer das Tollste. Das will ich
       nun auf einer anderen Ebene tun. Etwa, was den Personalmangel an den
       Schulen angeht.
       
       Da setzt Rot-Grün-Rot darauf, [6][LehrerInnen wieder zu verbeamten]. Warum
       wird das das Problem lösen? 
       
       Das hat niemand gesagt. Ich stehe trotzdem dahinter.
       
       Aber warum dann dieses teure Projekt? 
       
       Wir sind das einzige Bundesland, das nicht verbeamtet. Und ich habe als
       Schulleiterin oft erlebt, dass Kolleginnen und Kollegen an meiner Schule
       gesagt haben: „Ist schön hier, ich würde auch bleiben. Aber ich gehe jetzt
       mal über die Landesgrenze, werde verbeamtet – und irgendwann komme ich dann
       zurück.“ Die Verbeamtung ist ein Baustein, um neues Personal zu gewinnen.
       
       Sie haben bei Ihrem Amtsantritt angekündigt, Sie würden mit der Verbeamtung
       gerne schon in diesem Jahr beginnen. Klappt das? 
       
       Ich bin ziemlich sicher, dass wir den ersten wichtigen Schritt bald machen
       können. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen.
       
       Was sind Ihre anderen Bausteine gegen den LehrerInnenmangel? 
       
       Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher haben leider nicht die Lobby, die
       sie verdienen – was sie leisten, haben viele Eltern erst während des
       Homeschoolings erkannt. Wir müssen vor allem die jungen Menschen – etwa an
       der Universität – motivieren und zeigen, dass das einer der tollsten Berufe
       der Welt ist.
       
       Und wie schaffen Sie das? 
       
       Indem auch ich als Person dafür werbe.
       
       Halten Sie mal eine Vorlesung? 
       
       Warum nicht? Darüber hinaus bin ich auch präsent in den Medien und kann
       über den Beruf aus tiefster Überzeugung sprechen. Sie können mich gleich
       losschicken, ich mach auch noch eine Klassenfahrt mit zwei
       Grundschulklassen und schaffe es, mit denen im Berufsverkehr drei Mal
       umzusteigen – das ist gar nicht so einfach.
       
       Was ist mit der Ausbildung der LehrerInnen – viele ExpertInnen sehen auch
       hier eine große Stellschraube, um mehr junge Menschen für diesen Beruf zu
       gewinnen. 
       
       Da müssen wir auch ran. Klar. Das Schlimme ist ja: Durch die Pandemie haben
       jene, die derzeit auf Lehramt studieren, die Uni nie von innen gesehen; sie
       konnten keine normalen Praktika machen. Und jene, die vor der Uni mit dem
       Gedanken spielten, konnten nicht einfach mal eine Woche an einer Schule
       hospitieren. Da müssen wir wieder ganz vorne anfangen und die jungen
       Menschen abholen.
       
       Viele neue Lehrkräfte sind gar keine ausgebildeten LehrerInnen, sondern
       QuereinsteigerInnen. 
       
       Ich habe mit ihnen ganz tolle Erfahrungen gemacht. Sie kommen aus den
       unterschiedlichsten Berufsfeldern – ich hatte sogar mal einen Bierbrauer –
       und sie waren wirklich ein Gewinn für die Schule. Man muss sich aber die
       Zeit nehmen, sie wirklich zu unterstützen. Und leider gibt es auch diese
       Gruppe nicht mehr in ausreichender Zahl.
       
       Dafür gibt es jetzt die SeiteneinsteigerInnen, die weder ein
       Lehramtsstudium haben noch ein Fach der Berliner Schule studiert haben. 
       
       Da sind viele Rohdiamanten darunter, die man schleifen muss. Auch dafür
       braucht es Zeit.
       
       Wer soll sie denn schleifen? 
       
       Die Schulen. Sie müssen ein gutes Mentorensystem aufstellen und ein
       langsames Reinwachsen möglich machen. Man muss klein anfangen, mit ein paar
       Wochenstunden und dann langsam steigern – dann bleiben die meisten auch
       dabei. Wer noch nie vor einer Klasse gestanden hat, weiß nicht, dass das
       schwierig ist.
       
       Dummerweise ist Zeit von LehrerInnen ja Mangelware. Viele Schulen haben
       einfach keine Kapazitäten für MentorInnenstunden. 
       
       Schulen in Berlin haben eigene Budgets – das gibt es sonst nur noch in
       Hamburg. Und das ist großartig. Aus diesem Geld können die Schulen auch mal
       jemanden einkaufen, der Quer- und Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger
       betreut – unabhängig von der Schulleitung. Die Schulen haben in Berlin
       viele Freiheiten.
       
       Ein anderes bekanntes Schulproblem beginnt für Kinder und Eltern am 15.
       Februar: Die Anmeldung für die Oberschulen nach der sechsten Klasse. Wer in
       beliebten Kiezen wohnt und gerne weiter in Wohnortnähe zur Schule gehen
       will, braucht absurd gute Notendurchschnitte, selbst für Sekundarschulen.
       Allen anderen bleibt nur die Hoffnung auf das Glück bei der Platzvergabe.
       Wie erklären Sie diesen sehr frühen Leistungsanspruch den Kindern und
       Eltern? 
       
       Die Oberschulen haben keinen festen Einschulungsbereich wie die
       Grundschulen. Und die Herausforderung ist die stetig gestiegene Anzahl von
       Schülerinnen und Schülern, gerade in Bezirken wie Pankow und
       Friedrichshain-Kreuzberg, aber auch in fast allen anderen Bezirken. Der
       Schulneubau geht zwar sehr rasant voran – ich bin immer wieder bei
       Eröffnungsfeiern – aber es reicht eben noch nicht. Das Problem ist nicht
       heute entstanden und auch nicht gestern, sondern schon ein bisschen älter,
       und ich bin nicht glücklich darüber.
       
       Warum wird der Vergabeschlüssel nicht verändert und den Schulen zum
       Beispiel ein fester räumlicher Einzugsbereich vorgegeben? 
       
       Das haut nicht hin. Als seinerzeit die Wohnortnähe nach BVG-Fahrplan als
       Kriterium galt, gab es eine noch viel größere Kritik von Eltern daran. Nun
       können Schüler und Eltern sich am Schulprofil orientieren. Aber klar, die
       steigenden Schülerzahlen erschweren die Auswahl.
       
       Ein steter Streit in der Koalition aus SPD, Grünen und Linken ist das
       [7][Neutralitätsgesetz]. Einerseits gibt es das Urteil des
       Bundesarbeitsgerichts, das im August 2020 das pauschale Kopftuchverbot
       aufgehoben hat und auf Einzelfallprüfungen drängt – anderseits klagt Berlin
       vor dem Bundesverfassungsgericht dagegen. Es ist gerade ein Schwebezustand.
       Wie sollen Schulleitungen damit umgehen? 
       
       Derzeit gilt das Neutralitätsgesetz noch. Erst wenn das
       Bundesverfassungsgericht entscheidet, müssen wir gegebenenfalls handeln. Es
       kann nicht sein, dass jede Schule einzeln entscheiden muss. Das würde sie
       in große Konflikte bringen.
       
       Viele Initiativen fordern, sich an der Rechtsprechung des Arbeitsgerichts
       zu orientieren. 
       
       Wir müssen jetzt das Urteil des höchsten deutschen Gerichts abwarten und
       dann auch annehmen.
       
       Wann rechnen Sie denn mit dem Urteil? 
       
       Das dauert noch.
       
       Sind Sie für das Neutralitätsgesetz? 
       
       Ja. Eine staatliche Schule ist ein neutraler Raum. Aber ich bin nicht die
       Entscheidende.
       
       Lassen Sie uns zu den Kitas kommen. Dort ist die Coronalage aktuell noch
       schwieriger als an Schulen, ab Montag gilt – wie auch in den Schulen – das
       „Test-to-stay“-Prinzip: Kontaktpersonen sollen nicht mehr in Quarantäne,
       sich aber 5 Tage lang täglich testen. Wer hat das erfunden? 
       
       Na, die Amtsärzte.
       
       Also jene, die Sie an den Schulen im Stich gelassen haben wegen der
       Aussetzung der Nachverfolgung, retten Sie jetzt, weil Sie so Kitas offen
       halten können. 
       
       Kita ist ein anderer Bereich als Schule, es gibt ja keine Kitapflicht. Wir
       haben die wunderbaren Lolli-Tests eingeführt, und klar wollen wir so weit
       wie möglich das Betreuungsangebot aufrechterhalten. Das ist nicht leicht.
       Wir mussten die Öffnungszeiten einschränken und rund 375 vor allem kleine
       Einrichtungen sind gerade geschlossen.
       
       Können Sie den Vorwurf von Beschäftigten nachvollziehen, dass man sich als
       „Versuchslabor“ fühlt und Infektionen billigend in Kauf nimmt? 
       
       Das ist der Situation geschuldet. Vorwürfe gibt es immer, aus jeder Ecke –
       das habe ich jetzt nach sechs Wochen schon gelernt. Aber es geht uns darum,
       die Kitas offen zu halten. Mir schreiben berufstätige Eltern, die
       verzweifelt sind, weil sie nicht wissen, wie sie sonst ihre Kinder betreut
       bekommen. Im Moment gibt es keine anderen Lösungen.
       
       Ist es eigentlich fahrlässig, sich darauf zu verlassen, dass die Eltern
       ihre Kita-Kinder schon ordentlich und ehrlich zu Hause testen werden? 
       
       Da müssen wir drauf vertrauen, wie auf vieles andere auch. Was wäre denn
       die Alternative?
       
       Vor Ort testen. 
       
       Das kann die Kita, wenn sie Zweifel hat, sogar machen.
       
       Sie haben zu Anfang den März als zeitliche Perspektive ins Spiel gebracht,
       wenn es wieder besser sein könnte. Worauf stützen Sie sich da? 
       
       Ich kann mich nur auf die Fachleute verlassen. Die sagen, Mitte Februar
       soll der Höchststand bei den Inzidenzen erreicht werden; danach geht es
       runter. In anderen Bundesländern geht es schon runter, das haben mir
       Kolleginnen und Kollegen bei der Kultusministerkonferenz berichtet.
       
       Im Bildungsausschuss haben Sie jüngst noch von „meiner Schule“ gesprochen
       und damit Ihre ehemalige Grundschule in Neukölln gemeint. Sind Sie im
       Herzen noch dort? 
       
       Ich kriege ja immer noch Post von den Kindern. Es ist halt noch so frisch.
       
       7 Feb 2022
       
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 (DIR) Verbeamtung von Lehrkräften: Berlin geht ersten Schritt
       
       Lehrkräfte, die aus anderen Bundesländern nach Berlin wechseln, werden nun
       ohne Wartezeit verbeamtet. So soll dem Fachkräftemangel begegnet werden.
       
 (DIR) Coronapandemie in Berlin: Kinder müssen wieder in die Schule
       
       Der Senat führt die Präsenzpflicht ab März wieder ein. Die Masken werden
       aber noch eine Weile im Unterricht vorgeschrieben sein.
       
 (DIR) Protest gegen Neutralitätsgesetz: „Muss nicht um Religion streiten“
       
       Eine Grundschulklasse aus Kreuzberg protestiert gegen das
       Neutralitätsgesetz. Denn das habe ihnen ihre „wundervolle Lehrerin“
       genommen.
       
 (DIR) Coronamaßnahmen an Schulen: Schluss mit der Präsenzpflicht
       
       Schüler:innen fordern mehr politische Aufmerksamkeit in Zeiten der
       Pandemie. #Wirwerdenlaut protestiert gegen eine in Kauf genommene
       Durchseuchung.
       
 (DIR) Digitalisierung in Schulen: Eine lernende Organisation
       
       Das Leibniz-Gymnasium in Berlin-Kreuzberg ist Teil eines Modellprojekts zum
       digitalen Lernen. Der Weg ist steinig – und birgt Überraschungen.
       
 (DIR) Nachrichten in der Coronakrise: Inzidenz erreicht neuen Höchstwert
       
       Laut RKI steigt die Sieben-Tage-Inzidenz auf 1400,8. Die politisch
       motivierte Kriminalität gegen Politiker:innen hat einem Bericht
       zufolge drastisch zugenommen.
       
 (DIR) Coronapolitik bei Omikron: Angst vorm Lockerlassen
       
       „Leben schützen“ sollten wir immer in zwei Richtungen denken: Tote und
       Langzeitkranke verhindern. Aber auch möglichst viel Leben für alle
       zulassen.