# taz.de -- Treffen zum Ukrainekonflikt: Mehr als Beschwörungen, bitte
       
       > Die EU ist derzeit kein ernstzunehmender Gesprächspartner. Es braucht
       > mehr als gute Absichten und die Lieferung von Militärhelmen.
       
 (IMG) Bild: Paletten mit US-Munition für die Ukraine
       
       Die Hoffnung stirbt zuletzt, lautet ein russisches Sprichwort. Zumindest
       ein Fünkchen davon war bei der Pariser Zusammenkunft [1][im
       Normandieformat] am Mittwoch zu sehen. Fragt sich, wie lange. Zwar sitzen
       Vertreter Frankreichs, Deutschlands, Russlands und der Ukraine nach über
       zwei Jahren Pause erstmals wieder an einem Tisch, um über eine Lösung des
       Konfliktes in der Ostukraine zu verhandeln. Doch hohe Erwartungen, es könne
       konkrete Ergebnisse geben, hegt niemand. Zu Recht. Im besten Fall werden
       Termine für Folgetreffen vereinbart, doch das ist keineswegs sicher.
       
       Dennoch spricht der Chef des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak,
       der selbst an den Gesprächen beteiligt ist, von einem „starken Signal“ –
       wohl nicht zuletzt eine Art Placebo für eine zusehends verunsicherte
       Bevölkerung. Und er redet von einem konstruktiven Dialog im Sinne der
       Ukraine. Genau da liegt das Problem. Das Wort konstruktiv führt auch Moskau
       oft im Munde.
       
       Damit ist immer das gemeint, was die jeweilige Seite darunter versteht und
       was ihren Interessen dient. Immer noch beschuldigen sich Russland und die
       Ukraine gegenseitig, die Umsetzung des Minsker Friedensabkommens von 2015
       zu hintertreiben. Solange das so bleibt, kann weder von einem Dialog die
       Rede sein, noch können die Normandiegespräche über den Status einer
       Alibiveranstaltung hinauskommen.
       
       Trotzdem setzt auch die grüne Außenministerin Annalena Baerbock auf diese
       Karte – so bei ihrem Treffen mit Russlands Außenminister Sergei Lawrow. Der
       wird jetzt mit der Äußerung zitiert, in den diplomatischen Bemühungen zur
       Lösung der Ukrainekrise sei derzeit kein Platz für EU und OSZE. Klarer kann
       man nicht ausdrücken, was seit Monaten zu beobachten ist: dass Moskau für
       Europa einen Platz am Katzentisch reserviert hat und die Musik auch im
       Weißen Haus spielt.
       
       Will Europa daran etwas ändern und zu einem ernstzunehmenden
       Gesprächspartner avancieren, braucht es mehr als Beschwörungsformeln. Und
       mehr als die Lieferung [2][von 5.000 Militärhelmen aus dem Hause der
       deutschen Verteidigungsministerin] Christine Lambrecht.
       
       26 Jan 2022
       
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 (DIR) [1] /Treffen-Baerbock-und-Lawrow/!5826151
 (DIR) [2] https://www.zeit.de/politik/2022-01/christine-lambrecht-ukraine-militaerhelme-deutschland
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Oertel
       
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