# taz.de -- Olympia endlich in Afrika?: Ringen um die Ringe
       
       > Ägyptens Staatsführung kokettiert mit der Ausrichtung der Olympischen
       > Spiele 2036. Der Olympia-Zirkus würde zum ersten Mal Station in Afrika
       > machen.
       
 (IMG) Bild: Plackerei vor Pyramiden: Teilnehmer des Gizeh-Halbmarathons im Dezember 2021
       
       Ägypten hat seinen Willen bekundet, die Olympischen Sommerspiele 2036
       auszurichten. Das wäre ein Novum in der olympischen Geschichte, denn noch
       nie fanden Spiele auf diesem Kontinent statt. Ägyptens Sportminister Ashraf
       Sobhy stellte seine Olympiapläne am Montag im TV-Sender Sky News Arabia
       vor. Neben Ägypten gibt es auch in Deutschland, Russland, Spanien, der
       Türkei und der Ukraine Interesse an diesen Spielen. Die Sommerspiele 2024
       finden in Paris statt, danach geht es nach Los Angeles und Brisbane.
       
       Ägypten arbeite derzeit an ersten „Unterlagen, die bald beim
       Internationalen Olympischen Komitee eingereicht werden sollen“, sagte
       Sobhy. IOC-Präsident Thomas Bach hatte zuletzt immer wieder Bewerber aus
       Afrika ermuntert: „Zu Beginn meiner Präsidentschaft (im Jahr 2013; d. Red.)
       hatte ich den Traum, dass die Olympischen Spiele in meiner Amtszeit in
       Afrika stattfinden würden, aber das wird leider nicht möglich sein. Ich
       hoffe, dass bis 2036 oder 2040 – also wenn ich nicht mehr im Amt wäre – ein
       afrikanisches Land mit dem IOC in den Dialog tritt, um die Olympischen
       Spiele zu organisieren“, sagte Bach im Herbst des vergangenen Jahres. „Es
       ist wirklich wichtig, die Spiele in Afrika zu sehen, aber der Ball liegt
       derzeit bei den afrikanischen Ländern.“
       
       Bisher hat es [1][fünf Bewerbungen aus Afrika um die Spiele] gegeben:
       Alexandria versuchte es 1916, 1936 und 1940. Kapstadt als Kandidat für die
       Spiele 2004 erhielt zwar zwanzig Stimmen der über 100 IOC-Mitglieder,
       unterlag am Ende aber Athen. Im Jahr 2008 schaffte es Kairo nicht auf die
       Shortlist der aussichtsreichsten Prätendenten; damals erhielt Peking den
       Zuschlag. Warum es noch immer nichts geworden ist mit einer Ausrichterstadt
       aus Afrika, versuchte vor einigen Jahren der Vorsitzende aller
       afrikanischen NOKs, also der Nationalen Olympischen Komitees, zu ergründen.
       
       ## Kritische Stimme aus der Elfenbeinküste
       
       Der Ivorer Lassana Palenfo, bis 2018 in dieser Funktion, sagte: „Für eine
       afrikanische Stadt ist es praktisch unmöglich, 30 verschiedene Sportarten,
       zehntausende Athleten, Medienvertreter und Zuschauer zu beherbergen,
       persönlich würde ich Olympische Spiele in einem afrikanischen Land
       begrüßen. Das wäre fantastisch. Aber was passiert im Anschluss? Was wird
       aus den Wettkampfstätten? Wäre es Verschwendung? Ich sage: ja.“
       
       Palenfos Nachfolger ist der Algerier Mustafa Berraf. Der 67-Jährige ist
       anderer Ansicht als sein skeptischer Vorgänger, denn er hat sich kürzlich
       mit Ägyptens Sportminister Sobhy getroffen und ihm versichert, die
       ambitionierten Olympiapläne „entschlossen“ zu unterstützen. Sobhy, der
       letztlich nur den Willen von Staatschef Abdel Fatah El-Sisi, im Jahr 2014
       durch einen Militärputsch an die Macht gekommen, exekutiert, möchte Ägypten
       als Leuchtturm auf die Landkarte des internationalen Sports bringen.
       
       Das Land hat zwar schon Weltmeisterschaften ausgerichtet, zum Beispiel die
       im Handball oder Schießen, aber es hat weit Größeres vor: „Wir sind sehr
       gut in der Organisation von Sportereignissen“, [2][sagte Sobhy der Zeitung
       Daily News Egypt], „und wir verfügen über Infrastruktur und Sportanlagen
       auf höchstem Niveau, die mit denen in den großen Ländern vergleichbar oder
       sogar überlegen sind.“ Seit einiger Zeit gibt es ein sogenanntes
       Olympiasieger-Projekt zur Förderung von Talenten, doch das ist nur eine
       Marginalie im Vergleich zu dem, was 50 Kilometer östlich von Kairo
       vonstatten geht.
       
       Dort wird eine komplett neue Stadt erbaut, sie soll das neue
       Verwaltungszentrum Ägyptens werden – samt modernem Sportkomplex. In der
       neuen Hauptstadt, an der man seit 2015 baut, wird derzeit auch ein
       Multi-Millionen-Dollar-Projekt mit Namen [3][„International Olympic City“]
       verwirklicht. Geplant sind dort unter anderem ein Stadion für 90.000
       Zuschauer, eine olympische Schwimmhalle, Tennisplätze und weitere
       Sportstätten. „Wir sind in der Lage, jedes globale Sportereignis
       auszurichten“, glaubt Sportminister Ashraf Sobhy.
       
       3 Jan 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bewerbungen_f%C3%BCr_Olympische_Sommerspiele#%C3%9Cbersicht_der_Bewerbungen_um_Olympische_Sommerspiele
 (DIR) [2] https://dailynewsegypt.com/2021/08/17/after-historic-record-in-tokyo-2020-egypt-prepares-for-next-olympic-games-in-2024-sports-minister/
 (DIR) [3] https://www.concord-ec.com/projects-posts/22635/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Markus Völker
       
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