# taz.de -- Sex mit vertrauten Partner:innen: Von wegen Lustkiller
       
       > Sex in Langzeitbeziehungen hat einen schlechten Ruf. Dabei ist er doch so
       > viel vertrauter und intimer als ein One-Night-Stand.
       
 (IMG) Bild: Ehepaar (hier noch angezogen): Routine ist, wenn die Abläufe verlässlich zum Orgasmus führen
       
       Sex in Langzeitbeziehungen hat einen schlechten Ruf. Das Internet ist voll
       von Service-Artikeln darüber, was man gegen die Langeweile im Bett tun
       kann, die sich angeblich automatisch einstellt, wenn man sich lange kennt.
       Ich finde: [1][Sex mit vertrauten Partner:innen] – egal ob Freundschaft
       plus, längerfristige Affäre oder Liebesbeziehung – ist großartig und wir
       sollten ihn mehr zu schätzen wissen. Ich erinnere mich an genau einen
       One-Night-Stand, bei dem der Sex überwältigend gut war.
       
       Ansonsten mag ich erste Male meist wegen der Geschichte: „Und dann fielen
       wir im strömenden Regen auf dem Dach übereinander her.“ Der Sex selbst war
       aber meistens eher mittelmäßig. Spannung trägt sicher ihren Teil zu gutem
       Sex bei, ist aber eben nur eine Zutat von vielen. Und wenn sie in
       Unsicherheit und Performance-Druck umschlägt, ist das sogar
       kontraproduktiv.
       
       Studien zeigen, dass Frauen in längerfristigen Beziehungen häufiger zum
       Orgasmus kommen als bei One-Night-Stands. [2][Eine Studie unter
       heterosexuellen Studentinnen] in den USA zeigt, dass nur 11 Prozent der
       Befragten beim ersten Mal mit einem neuen Sexpartner zum Orgasmus kamen.
       Nach mindestens dreimal Sex mit dem selben Partner kamen 34 Prozent, in
       Beziehungen, die länger als 6 Monate gingen, waren es 67 Prozent. Die
       Teilnehmerinnen betonten, wie wichtig es für guten Sex sei, den Körper und
       die Vorlieben der anderen Person kennenzulernen. Auch Liebe und Zuneigung
       spielte für viele eine Rolle.
       
       Das Forschungsteam fand außerdem heraus, dass bei unverbindlichen
       Hetero-Hookups immer noch die Lust des männlichen Partners im Vordergrund
       stand – und zwar für beide Geschlechter. Das heißt: Männer gaben sich
       weniger Mühe, ihre Sexpartnerin zu befriedigen, wenn es sich um eine
       einmalige Sache handelte. Frauen fühlten sich gleichzeitig weniger
       berechtigt, ihre Bedürfnisse zu äußern und ihre Befriedigung einzufordern,
       als in einer Beziehung.
       
       Patriarchale Einstellungen tragen also ihren Teil dazu bei, dass casual
       Hetero-Sex für Frauen oft wenig befriedigend ist. Mein einer
       überwältigender One-Night-Stand war übrigens mit einer Frau.
       Nichtsdestotrotz bringt gegenseitiges Vertrauen beim Sex für alle
       Geschlechter einiges an Vorteilen mit sich: Es wird leichter,
       auszusprechen, was uns gefällt und was nicht. Wir fühlen uns sicherer, neue
       Dinge auszuprobieren. Wir haben weniger Angst, uns zu blamieren, verspüren
       weniger Leistungsdruck und können uns mehr entspannen. Vertrauen kann
       ziemlich sexy sein – braucht aber eben seine Zeit, manchmal mehr, manchmal
       weniger.
       
       Und die Routine, von der alle sprechen, die sich angeblich unausweichlich
       mit der Zeit einschleicht und die Lust killt? Ganz ehrlich: Routine
       bedeutet einfach, dass sich bestimmte Abläufe in unserem Alltag
       wiederholen. Wenn diese Abläufe mich verlässlich zum Orgasmus bringen, habe
       ich, glaube ich, wenig gegen Routine.
       
       29 Nov 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Regeln-der-Intimitaet-beim-Dating/!5812237
 (DIR) [2] https://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/0003122412445802
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lou Zucker
       
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