# taz.de -- Neue Staffel „Dexter“ auf Sky: Lieblingsmörder zurück
       
       > Nach einem missglückten Finale im Jahr 2013 schafft es die Neuauflage
       > „Dexter: New Blood“ zu überzeugen. Selbst Debra ist wieder dabei.
       
 (IMG) Bild: Dexters neues Leben findet in Flanellhemd und in einer Blockhütte statt
       
       „Bin ich ein guter Kerl, der Böses tut – oder ein böser Kerl, der Gutes
       tut?“, fragte sich der ausschließlich Mörder mordende Mörder Dexter
       (Michael C. Hall) an einer Stelle des einstigen Prestigeprojekts von
       „Showtime“.
       
       Die ethischen Fragen, die die ursprünglich acht Staffeln umfassende Serie
       „Dexter“ aufwarf, waren weder sehr nuanciert noch wirklichkeitsnah. Dennoch
       haben sie dem Publikum vergegenwärtigt, wie schnell sich moralische Urteile
       preisgeben lassen: Hat man sich doch regelmäßig beim Mitfiebern mit einem –
       zugegebenermaßen sehr sympathischen – [1][Serienkiller ertappt].
       
       Rechtfertigende Zuflucht bot der strenge Code, nach dem der titelgebende
       Antiheld seine Opfer auserkor: Nur solche, die der Rechtsprechung
       entgingen, durften, zur einfacheren Spurenbeseitigung feinsäuberlich in
       Frischhaltefolie verpackt, auf seinem Tisch respektive unter seinem Messer
       landen.
       
       Der Reiz, den die zwischen Drama, Krimi und dunklem Humor changierenden
       Folgen entwickelten, bestand ursprünglich im Neuigkeitswert des
       Protagonisten, der die nicht minder originelle Mischung zusammenhielt. Bei
       der Erstausstrahlung im Jahr 2006 hatte die TV-Landschaft mit [2][„Die
       Sopranos“] und „The Wire“ den Typus der „Difficult Men“, wie ihn Brett
       Martin in seinem gleichnamigen Buch beschrieb, bereits kennengelernt. Mit
       Walter White („Breaking Bad“) und [3][Don Draper („Mad Men“)] standen ihr
       die besonders herrlich-streitbaren Exemplare allerdings noch bevor.
       
       ## Neues Leben in der Blockhütte
       
       Ihren ganz eigenen Tonfall hat die nun auf Sky erscheinende Neuauflage
       „Dexter: New Blood“ übernommen. Sie ist ein Versöhnungsversuch, nachdem die
       Serie nach fast 100 Episoden in einem erzählerischen Fiasko mündete.
       Anstatt Dexter selbst nach bereits mehreren unerhörten Wendungen konsequent
       zur Rechenschaft zu ziehen, sei es durch Tod oder Jurisdiktion, opferte man
       überraschend seine Schwester Debra (Jennifer Carpenter), deren Ableben
       unverhältnismäßig lieblos inszeniert wurde. Gebrochen durch die Erkenntnis,
       dass all seine Lieben an seinem Doppelleben zugrunde gehen müssen,
       entschied sich Dexter wiederum für ein anonymes Eremitendasein als
       Holzfäller in Oregon.
       
       Unter der Leitung von Clyde Phillips, der mit den ersten vier Staffeln zur
       Hochzeit der Serie als Showrunner fungierte, setzt „New Blood“ zehn Jahre
       später an. Nicht mehr als Holzfäller, dafür in einem Laden für Jagdzubehör
       tätig, hat sich Dexter – der sich nun Jimmy Lindsay nennt – in einer
       Blockhütte im verschneiten Wald bei dem fiktiven Städtchen Iron Lake, New
       York, eingerichtet. Obwohl das sonnige Miami und damit auch sein Job als
       Forensiker hinter ihm liegen, strahlen die neuen Folgen keine Aura von
       Fremdartigkeit aus, trotz neuem Setting fühlt sich alles erstaunlich
       vertraut an.
       
       Das liegt vermutlich daran, dass man sich ansonsten sehr um Kontinuität
       bemüht: Über seine Partnerin Angela (Julia Jones) ist Dexter weiterhin mit
       dem Polizeikosmos verbunden und schließlich ist auch sein „dunkler
       Begleiter“, der die Mordlust in ihm entfacht, nicht von seiner Seite
       gewichen. Sein inneres Zwiegespräch führt er jetzt statt mit seinem Vater
       mit der dauerfluchenden Debra, wodurch der Serie eine besonders markige
       Frauenfigur erhalten bleibt.
       
       ## Der gleiche Gestus
       
       Doch auch ihre Mahnungen können ihn nicht von seinen Taten abhalten, sodass
       es schnell mit der fast zehnjährigen Mordenthaltsamkeit vorbei ist. Die
       Verbindung zur Vergangenheit ist in „New Blood“ also keinesfalls gekappt,
       im Gegenteil: Mit dem Auftauchen seines nun jugendlichen Sohns Harrison
       (Jack Alcott) muss sich Dexter erst recht seinen alten Dämonen stellen.
       
       Den Neuigkeitswert von damals lassen die vorab zur Sichtung zur Verfügung
       gestellten Episoden vermissen. Auch wenn man sich durch einige Verweise –
       mal protestiert Fridays for Future, mal erlaubt man sich einen schnellen
       Blick auf die Diskriminierung der indigenen US-Bevölkerung – in der
       Gegenwart verankern möchte, fühlt es sich doch so an, als wäre der Gestus
       der Serie der Gleiche geblieben.
       
       Ironischerweise sticht „Dexter: New Blood“ damit acht Jahre nach dem
       ursprünglichen Finale wieder hervor. Im diverseren Streaming-Zeitalter sind
       die „Difficult Men“ weitgehend aus dem Rampenlicht verschwunden. Dass Raum
       für Neues geschaffen wurde, ist begrüßenswert. Für so gute Unterhaltung und
       den sympathischen Dexter macht man gerne eine Ausnahme.
       
       22 Nov 2021
       
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