# taz.de -- Hype um UGG-Boots: So hot wie unattraktiv
       
       > UGG-Boots, die plüschig gefütterten Wildlederschuhe, sind vor allem
       > eines: hässlich. Oder liegt das eher am sonstigen Styling der Annikas?
       
 (IMG) Bild: Wirken wie Hausschuhe, werden aber vornehmlich draußen getragen: UGG-Boots, hier in New York
       
       Regelmäßige taz-Leser_innen wissen: Bei mir wird niemand verschont. Keine
       Gruppe, kein Sternzeichen, keine Subkultur, kein Schuh. Niemaus wird
       vergessen. Und so komme ich nicht drum herum, [1][mich nach den Crocs] und
       den [2][Barfußschuhen] nun endlich einem der kontroversesten Schuhe meiner
       Generation zu widmen: den UGG-Boots.
       
       Wer die letzten zwanzig Jahre nicht unter einem Stein verbracht hat, wird
       schon mal UGG-Boots gesehen haben. Der plüschig gefütterte Wildlederschuh
       erinnert mit seinen runden Formen, seiner Schaumgummisohle und seiner
       fleckenempfänglichen Oberfläche an Stiefel für zu Hause, wird jedoch
       herkömmlicherweise draußen getragen. Klassisch ist er braun-beige, doch es
       gibt mittlerweile alle möglichen Farben, Schafthöhen und Gimmicks wie zum
       Beispiel Pailletten, Plateau oder Schleifen. Obwohl es sie seit den 1970ern
       gibt, war der Peak ihres Trends in den 2000er Jahren.
       
       Durch das Y2K-Revival geriet der Schuh bereits letzten Winter näher an mein
       Toleranzlevel, als mir lieb ist. Jetzt, wo selbst das Modelabel der Stunde,
       Telfar, eine UGG-Kollektion herausbringt, sind sämtliche
       Fashion-Koordinaten verschoben. Denn obwohl beim Design an Hässlichkeit
       nicht gespart wurde, waren es vornehmlich Basic Bitches (zu Deutsch:
       Annikas), die den Schuh zu dem machen, was er heute ist: der Pumpkin Spiced
       Latte des Schuhwerks.
       
       Nun würden einige einwenden, dass die Annika-Aversion oder das
       Basic-Bitch-Bashing etwas Sexistisches in sich birgt. Das mag zutreffen,
       wenn Comedy-Timo sich Mario-Barth-mäßig über seine Freundin lustig macht.
       Doch wer selbst unter der Tyrannei der Annikas gelitten hat, fühlt ihnen
       gegenüber eine Abneigung, die schnell in Arroganz schwanken kann. Aus gutem
       Grund.
       
       ## Halten warm, aber nicht trocken
       
       Was spricht dafür, dass der australische Winterstiefel in die Fußstapfen
       der eins verhassten, nun gehypeten Crocs treten könnte? Nun: UGGs sind wie
       Hausschuhe. Das macht sie so hot wie unattraktiv. Weil sie die Füße zwar
       warm, aber nicht trocken halten. Außerdem ballern sie an den wenigsten
       Leuten. Wahrscheinlich gelten sie deshalb als so furchtbar: Das schlechte
       Styling der Annikas hat sich ins kollektive Gedächtnis der Gesellschaft
       fest eingebrannt.
       
       Andererseits ist es so: ich liebe hausschuhartige Straßenschuhe.
       Pantoffeln, Loafer, Crocs, Plüschslipper, die ganze Palette. Und
       spätestens, [3][seit Franziska Giffey gesagt hat, Berlin sollte sich
       weniger „schludrig“ kleiden], wissen wir, dass schludrig the new sexy ist.
       Gleichzeitig frage ich mich, ob Annika Giffey nicht selbst in den 00ern in
       UGGs unterwegs war. Vielleicht nicht in Kombi mit einem
       Juicy-Couture-Anzug, sondern mit Longchamp-Tasche und
       Starbucks-Becher-Selfie im Publikum einer Rede von ihrer Ikone Heinz
       Buschkowksy, um sich ein paar rassistische Politics abzugucken?
       
       Wahrscheinlich macht es eben die Kombi und das Mindset. Annika ist nicht,
       was du trägst, sondern wie du es trägst – und wie du tickst.
       
       17 Nov 2021
       
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