# taz.de -- Schwimmkurse für Kinder: Noch längere Wartezeiten
       
       > Aufgrund der Pandemie fielen Schwimmkurse flächendeckend aus. Nun wollen
       > viele den Unterricht schnell nachholen und es entsteht ein Rückstau.
       
 (IMG) Bild: Endlich wieder: Kinder in einem Anfänger-Schwimmkurs im Juli 2021
       
       Bremen taz | „Die Zahl der Nichtschwimmer*innen ist dramatisch
       gestiegen“, so Achim Wiese. Aufgrund der Coronapandemie mussten [1][zwei
       Jahrgänge auf das Schwimmenlernen verzichten], meint der Pressesprecher der
       DLRG. Laut Statistik sank die Zahl absolvierter Schwimmprüfungen um 75%.
       Während im Jahr 2019 noch 92.913 Menschen das Schwimmen erlernten, seien im
       vergangenen Jahr nur noch 23.485 Schwimmer*innen ausgebildet worden, so
       die Deutsche Presseagentur.
       
       Eineinhalb Jahre mussten die Bäder in den Lockdown gehen. Manche Schulen
       hätten zwar in Bäder gehen können, doch viele Badbetreiber hätten gesagt:
       „Nö, wir machen doch nicht für 100 Schüler*innen das Bad jetzt auf“,
       kritisiert Wiese.
       
       Martina Baden kann vom Gegenteil berichten. Die Geschäftsführerin der
       Bremer Bäder weist auf die Priorität der Schwimmschüler*innen hin:
       „Hier in Bremen nutzen wir die kleinen Stadtteilbäder vorrangig für
       Schwimmunterricht, Schulen und Vereine. Nur die großen Bäder stellen wir
       auch für die Öffentlichkeit zur Verfügung“, berichtet sie über die
       Wiedereröffnung der Bäder unter Vorschriften der 3G-Regel. Doch auch in
       Bremen habe sich die Wartezeit deutlich erhöht. „Sonst haben wir immer so
       eine Wartezeit von drei bis vier Monaten maximal gehabt. Jetzt kann es
       durchaus eine Wartezeit bis Ostern nächstes Jahr geben“, so Baden.
       
       Bereits vor der Pandemie seien lange Wartelisten für Schwimmkurse [2][ein
       deutschlandweites Problem] gewesen, meint Wiese. Bis zu zwei Jahre müssten
       manche Kinder auf einen Platz warten. Schuld daran sei vor allem ein Mangel
       an Bädern. Rund 25 Prozent der Grundschulen hätten keinen Zugang zum
       Schwimmunterricht, weil es kein Bad in Reichweite gebe. „Die Forderung ist,
       dass die Schulen überwindbare Entfernungen zum nächsten Bad bekommen, damit
       der Auftrag, den Schwimmunterricht durchzuführen, überhaupt durchgeführt
       werden kann“, sagt Wiese.
       
       Ihm zufolge sollte der Schwimmunterricht spätestens ab der ersten oder
       zweiten Klasse erfolgen. Bereits ab fünf Jahren seien Kinder fähig, das
       Schwimmen zu erlernen und die drei Methoden Arm- und Beinbewegungen sowie
       Atemtechnik miteinander zu kombinieren.
       
       Das Erlernen vom Schwimmen gehört für ihn zum Recht der Kinder dazu. „Ein
       Schwimmbad ist nicht nur ein Schwimmbad. Ein Schwimmbad ist auch
       Sozialstätte, Bildungsstätte, Kulturstätte und auch Sport- und
       Freizeitstätte“, so Wiese.
       
       Dem stimmt auch Martina Baden zu: „Wir haben ein großes Interesse, dass
       Kinder eigentlich in einem frühen Alter schon an das Wasser gewöhnt werden
       und dann auch die Schwimmkurse machen und entsprechende Abzeichen erlangen.
       Für die Eltern, die sich den Schwimmkurs nicht leisten können, gibt es das
       Programm ‚Kids in die Bäder‘, das wir unterstützen und fördern“, so die
       Vorsitzende der Bremer Bäder GmbH.
       
       Ein Aufholen der Lücke an verpassten Schwimmkursen sehen beide als
       dringlich, wenn nicht gar lebenswichtig an. „Schwimmen können ist die beste
       und sicherste Lebensversicherung für alle Freizeit-Aktivitäten im, am und
       auf dem Wasser. Selbst wenn ich mein Kind mitnehme auf dem Motorboot, kann
       es immer passieren, dass jemand über Bord geht. Und wer dann nicht
       schwimmen kann, ist natürlich einer sehr viel größeren Gefahr ausgeliefert
       als derjenige, der schwimmen und sich zumindest über Wasser halten kann“,
       meint Wiese.
       
       Die Gefahr einer erhöhten Zahl an Kindern, die nicht schwimmen können, sei
       vor allem durch vermehrte Einsätze der Rettungskräfte aufgefallen. Typische
       Beispiele an Badeunfällen seien Kinder, die von Wellen und einer
       Unterströmung an der Küste erfasst werden und sich nicht mehr selbst helfen
       können. Auch Baggerseen seien gefährlich, weil sie zunächst relativ flach
       sind und dann schlagartig abfallen.
       
       Umso wichtiger sei es, dass Eltern ihre Kinder unterstützen. Dazu reiche
       bereits eine erste Gewöhnung an Wasser in der Badewanne. „Mal so ein
       bisschen Wasser ins Gesicht spritzen, damit die Kinder merken, da passiert
       ja nichts“, so Wieses Tipp. Auch das Untertauchen mit dem Gesicht und das
       Öffnen der Augen seien Übungen, mit denen die Kinder ihre Angst vor dem
       Wasser verlieren könnten, sagt der Lebensretter.
       
       Besonders wichtig sei die Gewöhnung an den Kälteschock: „Wenn das Kind ins
       Wasser fällt, hält es schlagartig die Luft an. Das ist ein Instinkt, damit
       kein Wasser in die Lunge kommt, kann jedoch dazu führen, dass es zu
       sogenannten ‚Stimmritzenkrämpfen‘ kommt. Die Kinder können dann nicht mehr
       atmen und kriegen bewusst mit, wie sie ertrinken“, beschreibt Wiese die
       Gefahr. Indem Eltern das Wasser in der Dusche ruckartig kalt stellen,
       könnten sie mit den Kindern trainieren, die Luft nicht anzuhalten sondern
       auszuatmen.
       
       Neben den Eltern wollen auch DLRG und Bremer Bäder die Kinder unterstützen.
       Angebote wie Ferienkompaktkurse der DLRG, das Erhöhen der Bremer Bäder auf
       7.500 Kursplätze und Extratage, um Schwimmabzeichen zu absolvieren, sollen
       helfen, die verpassten Schwimmkurse aufzuholen.
       
       ## Schwimmen als Bildungsauftrag
       
       Besonders Baden zeigt sich optimistisch: „Ich kann auch nur für Bremen
       sprechen, aber ich glaube, dass wir im nächsten Jahr den gleichen Stand
       haben wie vor der Pandemie.“ Statt Corona sieht sie das Problem eher an
       anderer Stelle: „Ursache für diese nicht vorhandene Fähigkeit ist, dass wir
       in den letzten Jahren häufig beobachten, dass Schwimmen nicht mehr so im
       Fokus steht, und vielleicht auch tatsächlich gedacht wird, dass man das ja
       irgendwann mal in der Schule lernt“, kritisiert sie die mangelnde
       Unterstützung von Schule und Angehörigen.
       
       Wiese stellt vor allem Forderungen an den Staat. Bei den ehrenamtlichen
       DLRG-Kursen komme es noch immer vor, dass Miete zur Nutzung der Becken an
       die Bäder oder Gemeinde bezahlt werden müsse. Dies sehe er als Widerspruch
       zum Bildungsauftrag, den Kindern das Schwimmen beizubringen. Auch stellt er
       eine klare Forderung an die Politik: „Der Staat muss für mehr Bäder sorgen
       und die Länder unterstützen, damit auch alle Schulen Zugang haben!“
       
       29 Oct 2021
       
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