# taz.de -- Direktorin über weibliche Tour de France: „Vergleichen, was vergleichbar ist“
       
       > Die Tour de France gibt es nun auch für Frauen. Die frühere Radsportlerin
       > Marion Rousse plant die Rundfahrt 2022 – und sagt, worauf es dabei
       > ankommt.
       
 (IMG) Bild: Das war noch ein anderes Format: La Course by Le Tour de France
       
       taz: Marion Rousse, wie hat sich Ihr Leben geändert, seitdem Sie zur
       Direktorin der Tour ernannt wurden? 
       
       Marion Rousse: Oh, ich habe jede Menge zu tun. Es ist natürlich eine Ehre
       für mich, Direktorin der Tour de France der Frauen geworden zu sein. Ich
       kenne das Peloton seit vielen Jahren, ich habe es in den letzten Jahren
       wachsen und sich entwickeln sehen. Ich bin sehr glücklich, zur weiteren
       Entwicklung beitragen zu können. Die Tour de France der Frauen wurde seit
       vielen Jahren erwünscht und erhofft. Jetzt die Direktorin zu sein ist
       etwas, was ich niemals erwartet hätte.
       
       Sie bereiten jetzt die Premierenausgabe vor … 
       
       Ja, natürlich …
       
       Oder denken Sie schon an die nächsten 100 Jahre? Christian Prudhomme,
       Direktor der Tour de France der Männer, und Sie selbst haben angekündigt,
       [1][mit der Frauen-Tour] möge ein Event geschaffen werden, der auch für die
       nächsten 100 Jahre und mehr Bestand haben soll. Also, denken Sie eher an
       2022 oder schon an 2122? 
       
       Es stimmt, es geht darum, ein Rennen zu schaffen, das lange Bestand hat. Es
       geht darum, es ökonomisch so aufzustellen, dass es, wie es bei der Tour de
       France der Männer schon geglückt ist, eine lange Dauer hat. Das hat die
       oberste Priorität.
       
       Was waren [2][die größten Herausforderungen] für diese Tour der Frauen?
       Etappenstädte zu überzeugen? Eine Strecke zu finden, die nicht zu schwer,
       aber auch nicht zu leicht ist? Das Geld aufzutreiben? 
       
       Die Städte waren sehr aufgeschlossen. Bei der Organisation des Parcours war
       es natürlich sehr hilfreich, dass die ASO auch schon die Tour der Männer
       ausrichtet. Wir haben auch die gleichen Medienpartner. In den kommenden
       Jahren werden wir sicher noch mehr Partner haben, so dass auch das Budget
       wachsen kann.
       
       Wie hoch ist das Budget momentan? 
       
       Das kann man nicht so genau sagen, es ist auch nicht komplett aufgestellt.
       
       Man weiß von der Tour der Männer, dass die Etappenstädte dort beträchtliche
       Summen an die Organisatoren zahlen. Ist dies auch bei der Tour der Frauen
       so? 
       
       Ja, natürlich. Sie müssen eine bestimmte Gebühr bezahlen, um Etappenort zu
       werden. Ich denke, es wird auch eine ganz besondere Aufmerksamkeit
       generieren für die Städte, die uns empfangen. Es ist eine enorme
       Möglichkeit.
       
       Sind die Prämienzahlungen für die Fahrerinnen die gleichen wie für die
       Sieger und Platzierten bei den Männern? 
       
       Man sollte das vergleichen, was vergleichbar ist. Die Männertour geht über
       drei Wochen, die Frauentour über acht Tage. Man kann das mit der
       Dauphine-Rundfahrt oder Paris– Nizza vergleichen. Das ist die gleiche
       Anzahl der Renntage. Und wir zahlen da die dreifache Summe gegenüber den
       kleinen Rundfahrten der Männer aus.
       
       Beim Parcours musste eine gute Balance gefunden werden. Er sollte nicht zu
       schwer sein, damit am letzten Tag bei der Bergetappe zur Planche des Belles
       Filles noch ein großes Peloton beisammen ist. Zu leicht sollte es aber auch
       nicht werden. Sind Sie zufrieden mit der jetzigen Strecke? 
       
       Ja, klar, wir wollten etwas schaffen, das kohärent ist. Wir haben die Berge
       am Ende, das sorgt für Spannung. Insgesamt ist es ein ausgewogener
       Parcours. Es gibt Etappen für Sprinterinnen, Gelegenheiten für
       Ausreißergruppen, und am Ende kommen die Berge. Die Frauen, mit denen ich
       bei der Präsentation der Strecke gesprochen habe, waren superzufrieden
       damit.
       
       Sind Sie traurig, dass Sie selbst nicht in Rennkleidung am Start stehen?
       Sie waren ja selbst Profiradsportlerin, wurden französische Meisterin und
       sind mit 30 Jahren eigentlich im besten Rundfahrerinnenalter. Reizt Sie da
       nicht ein Comeback? 
       
       Nein, ich werde nicht zurückkommen, ich habe einmal diese Entscheidung
       getroffen. Ich bin glücklich, jetzt eine andere Rolle im Radsport zu
       übernehmen. Als ich noch aktiv war, hätte ich natürlich gern an einer Tour
       de France teilgenommen. Aber jetzt fahre ich sie im Auto.
       
       Sie haben mit 24 Jahren aufgehört, warum so früh? 
       
       Ganz einfach, damals war ich bei Lotto Soudal, ich habe aber auch schon für
       das Fernsehen gearbeitet, um meine Rechnungen bezahlen zu können. Morgens
       habe ich trainiert, und danach kam der Job. Das war schon ermüdend. Und am
       Ende merkte ich, dass man, wenn man zwei Dinge parallel macht, man beides
       nicht gut macht. Ich musste eine klare Entscheidung treffen.
       
       Wann werden die Frauen [3][eine dreiwöchige Tour de France] haben? Die
       Forderung danach gibt es ja seit Längerem. 
       
       Ehrlich gesagt, denken wir jetzt noch nicht über drei Wochen nach. Schon
       mit acht Renntagen wird es nicht einfach. Ich denke, es ist gut, so zu
       beginnen. Da geht es nicht nur darum, was die Fahrerinnen selbst leisten
       müssen. Es geht auch um die ganze Logistik, den Transport, die
       Übernachtungen, die Sicherheit an der Rennstrecke. Und dann werden wir in
       den nächsten Jahren sehen, wie sich das entwickelt, wie auch die Sponsoren
       kommen. Und wenn wir dann ein größeres Budget haben, kann man wachsen. Aber
       im Moment planen wir mit acht Renntagen.
       
       18 Oct 2021
       
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