# taz.de -- Über uns die Milchstraße: Auf zu den Sternen
       
       > Sterne im Havelland und Sterne über der Krim: Sie leuchten gleich hell
       > und sind doch nicht gleich. Über eine Nachtwanderung im Sternenpark.
       
 (IMG) Bild: Die Galaxie M82 im Sternbild Großer Bär, aufgenommen 2006 vom Weltraumteleskop Hubble
       
       Meine Bekannte Jekaterina nahm einmal an einer „Sternfahrt“ mit Pkws zu
       Deutschlands erstem Sternenpark teil. Als einen solchen bestimmt und
       benannt hatte ihn eine [1][„International Dark Sky Association“] in
       Arizona, die sich dem Kampf gegen „Lichtverschmutzung“ widmet. Das „Dark
       Sky Reserve“ ist ein über 1.000 Quadratkilometer großes
       [2][„Nachtschutzgebiet“ bei Gülpe] im Havelland. Darin gibt es zehn
       Beobachtungsplätze, von denen aus man des Nachts in die Sterne guckt, wobei
       der Norden des Reservats besonders dunkel, also für Himmelsbetrachtungen
       sehr geeignet ist, weil es dort kaum menschliche Ansiedlungen gibt.
       
       Die Teilnehmer der „Sternfahrt“ bestanden aus neun von verschiedenen Orten
       angereisten Russen, darunter astronomisch und ornithologisch Interessierte.
       Sie hatten sich Karten mit den fünf „Highlights“ des Sternenparks
       ausgedruckt: den WestHavelländer Astrotreff (WHAT), den Sternenblick Parey
       (SBP), das Optikmuseum (OPM), den Optikpark (OPP) und das Naturparkzentrum
       (NPZ), wo sie ein Buch über den Park – „Zurück zur Nacht“ – erwarben.
       
       Das Westhavelland ist ein bedeutender [3][Rastplatz für Zugvögel,] vor
       allem für Kraniche und Wildgänse. Um diese zu beobachten, hätten die
       Sternfahrer jedoch schon tagsüber dort sein müssen, denn dann kreisen diese
       Vögel in Massen am Himmel. Die Hobbyornithologen verdross es jedoch nicht,
       dass sie zu spät losgefahren waren, denn dafür ziehen dort nach
       Sonnenuntergang unzählige Sterne, Kometen und die internationale
       Weltraumstation ISS ihre Bahnen, wie es in einem Interneteintrag über die
       vier deutschen Sternenparks heißt.
       
       Ein Teilnehmer erzählte, dass allein die Milchstraße aus etwa 200
       Milliarden Sternen bestehe, von denen man nur einen winzigen Bruchteil
       sehe, denn sie habe einen Durchmesser von rund 100.000 Lichtjahren. Selbst
       mit den besten Teleskopen ließen sich nur 50 Milliarden Galaxien
       beobachten. Eine Galaxie ist eine durch Gravitation zusammengehaltene
       Ansammlung von Sternen, Planetensystemen, Gasnebeln, Staubwolken und
       dunkler Materie.
       
       Jekaterina, die bis dahin mit mäßigem Erfolg Nachtwanderungen durch Mitte
       für Berlintouristen angeboten hatte, interessierte sich vor allem für die
       Beobachtung einiger Sterne wie Orion und Sirius und das Sternbild des
       Großen Bären. Mit diesen hat es eine besondere Bewandtnis. Es sind an den
       Himmel versetzte Ermordete: Artemis, die große olympische Göttin der Jagd,
       des Waldes, der Geburt und des Mondes, Hüterin der Frauen und Kinder, hatte
       den Himmelsjäger Orion quasi aus Versehen, weil ihr Bruder Apollo sie
       vorsätzlich irregeführt hatte, mit Pfeil und Bogen getötet. Daraufhin blieb
       ihr nichts anderes übrig, als ihn, den sie eigentlich heiraten wollte,
       zusammen mit seinem Hund Sirius zu verstirnen.
       
       Dieser griechische Mythos hat sein Pendant bei den kanadischen
       Schwarzfußindianern: Eine ihrer Urmütter heiratete einen Grizzlybären und
       wurde dadurch selbst zu einem Grizzly. Ihre Familie wollte die zur Bärin
       gewordene Tochter daraufhin töten, aber sie kam ihnen zuvor, tötete ihre
       Familie mit Pfeil und Bogen, starb dabei jedoch selbst. Alle zusammen
       bilden seither das Sternbild des Großen Bären.
       
       Von einem der Amateurastronomen ließ Jekaterina sich diese Himmelskörper
       zeigen, fand sie aber enttäuschend. Die gelernte Starkstromingenieurin
       bekam wenig später eine Stelle im Weddinger Kulturamt. Dort musste sie
       jedoch die Toiletten putzen, was sie so deprimierte, dass sie kündigte und
       zurück nach Moskau zog.
       
       2018 fuhr sie zu einer Verwandten auf die inzwischen von Russland
       annektierte Krim, wo sie erst einmal blieb. Mir mailte sie, dass der
       nächtliche Himmel über der Krim noch viel weniger lichtverschmutzt sei als
       der über dem Westhavelland und man deswegen viel mehr Sterne und Sputniks
       sähe. Die gemeinen Amis hätten die russische Halbinsel oder Teile davon
       jedoch nicht als „Dark Sky Reserve“ anerkennen wollen.
       
       19 Oct 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.darksky.org/our-work/conservation/idsp/reserves/
 (DIR) [2] https://www.sternenpark-westhavelland.de/
 (DIR) [3] https://www.westhavelland-naturpark.de/naturpark-westhavelland/natur-landschaft/tiere/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helmut Höge
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Sterne
 (DIR) Havelland
 (DIR) Krim
 (DIR) Kolumne Wirtschaftsweisen
 (DIR) Zukunft
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Tag der Arbeit / 1. Mai
 (DIR) Sternenpark
 (DIR) Nationalpark Eifel
 (DIR) Licht
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Initiative für Sternenpark: Ganz schön dunkel hier
       
       In der Altmark und im Wendland soll ein Sternenpark entstehen und Tourismus
       fördern. Wofür braucht es überhaupt Dunkelheit?
       
 (DIR) Aktuelle Lage in der Ukraine: Schwarzer Rauch über der Krim
       
       Auf der von Russland annektieren Halbinsel kommt es zu mehreren
       Explosionen. Russische Truppen ziehen militärisches Gerät in Belarus
       zusammen.
       
 (DIR) Der 8. März ist gesetzlicher Feiertag: Immer mehr Gedenktage
       
       Den Internationalen Frauentag – in Berlin offizieller Feiertag – nimmt
       unser Autor zum Anlass, auf die große Zahl der Feier- und Gedenktage zu
       blicken.
       
 (DIR) Pellworm will Sterneninsel werden: Auf der Suche nach der Dunkelheit
       
       Die nordfriesische Insel Pellworm liegt mitten im Wattenmeer – fernab von
       großen Lichtquellen. Jetzt will sie offiziell Sternenpark werden.
       
 (DIR) Dunkle Nächte im Nationalpark: Sternstunden in der Eifel
       
       Im Sternenpark Nordeifel lässt sich der Nachthimmel bestaunen. Inmitten des
       Nationalparks befindet sich auch die einstige Nazi-Ordensburg Vogelsang.
       
 (DIR) Astrophysiker über Lichtverschmutzung: „Ich bin nicht generell gegen Licht“
       
       Jeder kennt sie, doch nur wenige wissen, was Lichtverschmutzung eigentlich
       bedeutet. Andreas Hänel, Leiter des Planetariums Osnabrück, gibt Nachhilfe.