# taz.de -- Neonazi-Größe Borchardt gestorben: „SS-Siggi“ ist tot
       
       > Die rechtsextreme Ikone Siegfried Borchardt ist laut seiner Partei
       > verstorben. Bis zuletzt hetzte er, die Beerdigung könnte ein Szeneevent
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Stets Gast bei Neonazi-Aufmärschen: Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt, hier 2017 in Falkensee
       
       BERLIN/DORTMUND taz | Er war ein fanatischer Rechtsextremist bis zum
       Schluss, eine Ikone der Szene: [1][Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt]. Laut
       seiner Partei „Die Rechte“ ist der 67-jährige Dortmunder nun in der Nacht
       zum Sonntag nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt gestorben. Die Partei
       schrieb am Sonntagabend von einer „schlimmen Nachricht“ und einem „Schock“.
       Man verliere einen „jahrzehntelangen Kämpfer der nationalen Bewegung“.
       
       Bis zuletzt hatte Borchardt über seinen Telegramkanal rechtsextreme
       Botschaften verbreitet, wetterte dort etwa gegen „das Joch des Schuldkults“
       oder eine „fremdbestimmte deutsche Justiz“. Auch giftete er gegen die
       Coronapolitik, schmähte Schutzmasken als „Sklavenlappen“. Am Samstag
       schrieb Borchardt dann von Schmerzen im Bein und einem Thrombose-Verdacht,
       die nun im Krankenhaus überprüft würden.
       
       Borchardt war seit Jahrzehnten in der rechtsextremen Szene aktiv. Anfang
       der Achtziger Jahre gründete er die [2][Borussenfront], eine rechtsextreme
       Hooligantruppe bei Borussia Dortmund. Später gehörte Borchardt zur
       Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) und diversen Kameradschaften,
       [3][mischte auch bei Hogesa mit]. Immer wieder verübte er dabei Straftaten
       und musste auch ins Gefängnis. Noch im Spätsommer 2020 musste er eine
       mehrmonatige Haftstrafe absitzen.
       
       Auch zur NSU-Terrorbande könnte Borchardt Kontakt gehabt haben. Als in
       Dortmund der Kioskbetreiber Mehmet Kubasik erschossen wurde, wohnte er in
       der gleichen Straße, in der der Mord geschah. Zudem fanden Ermittler im
       letzten NSU-Unterschlupf eine [4][Patronenpackung mit der Aufschrift:
       „Siggi“].
       
       ## Seine Unterstützer stürmten Wahlparty
       
       Seinen Spitznamen erhielt Borchardt nach eigener Auskunft von einem
       Journalisten. Ihm wäre „SA-Siggi“ lieber gewesen, sagte der überzeugte
       Nationalsozialist. Zuletzt war der 67-Jährige für die rechtsextreme
       Kleinstpartei „Die Rechte“ aktiv, fungierte dort als Kreisvorsitzender.
       2014 errang er für die Partei auch einen [5][Sitz im Stadtrat von
       Dortmund], Neonazis stürmten damals die städtische Wahlparty. Das Mandat
       gab Borchardt aber nach nur zwei Monaten wieder ab, [6][angeblich aus
       gesundheitlichen Gründen].
       
       Die Rechtsextremen um Borchardt versuchten über Jahre einen Stadtteil
       Dortmunds [7][zu einer Szenehochburg aufzubauen]. Auch durch die
       Inhaftierung von Borchardt und anderen Parteikadern befand sich das Projekt
       zuletzt aber im Niedergang.
       
       Nach dem Tod von Borchardt ist nun mit einer Beerdigung mit größerer
       Szenebeteiligung zu rechnen. „Die Rechte“ kündigte bereits ein Gedenken an.
       „Es sollte Pflichtsache sein, Siggi würdevoll die letzte Ehre zu erweisen“,
       heißt es dazu. Eine Sprecherin der Polizei Dortmund sagte am Montag der
       taz, man werde entsprechende Mobilisierung im Blick haben.
       
       4 Oct 2021
       
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