# taz.de -- Sondierungen in Berlin: Die SPD muss Mut beweisen
       
       > Am Freitag will die SPD sagen, mit wem sie Dreiergespräche führen möchte.
       > Eine Ampel liegt nahe – ist aber die schlechteste aller Optionen.
       
 (IMG) Bild: Wohin wird ihr Weg führen und mit wem? Franziska Giffey auf dem Weg in die SPD-Zentrale
       
       Am Freitag will die SPD bekannt geben, mit welchen Parteien sie
       Dreiergespräche führen will in Vorbereitung von Koalitionsverhandlungen.
       Diese Entscheidung ist keine so eindeutige Festlegung wie im Bund, wo
       [1][alle Signale auf eine Ampel hindeuten]: Denn es ist möglich, dass
       Berlins Sozialdemokraten mehrere Dreierrunden anberaumen. Aber natürlich
       ist klar: Wenn mit Grünen und FDP zuerst verhandelt wird, wäre das ein
       Zeichen.
       
       Viel deutet darauf hin, dass der Bund für Berlin Vorbild sein wird.
       Inhaltlich wäre Franziska Giffey in vielen Punkten sicher noch besser bei
       CDU und FDP aufgehoben; aber ein Bündnis mit der Union ist [2][der Basis
       kaum vermittelbar.] Da die Spitzenkandidatin bekanntlich wenig für die
       Linkspartei übrig hat, bliebe als klassischer formaler wie [3][inhaltlicher
       Kompromiss] die Ampel. Dieser Entscheidung könnten sich – auch wenn die
       Jusos und viele Kreisverbände gerade noch mal deutlich für Rot-Grün-Rot
       trommeln – weder die Sozialdemokraten verschließen noch die Grünen.
       
       Doch anders als im Bund ist die Ampel nicht die naheliegendste Option,
       sondern die schlechteste, schlicht weil deren Kompromisscharakter auf allen
       Ebenen deutlich wird. Die FDP hat in den vergangenen 20 Jahren nicht einen
       einzigen Grund geliefert, warum sie Politik in Berlin mitgestalten sollte:
       Inhaltlich fehlt ihr jenseits von Parolen jedes Profil, personell sieht es
       noch schlimmer aus. Man nimmt sie nur ins Boot, weil sie noch da ist.
       
       ## Mutige Vergangenheit
       
       Die SPD sollte bei ihrer Entscheidung zudem eine bisher wenig beachtete
       Dimension bedenken: die historische. Berlin ist in den vergangenen 20
       Jahren zu dieser offenen, globalen, weltweit beliebten Metropole geworden,
       weil die Sozialdemokraten unter Klaus Wowereit und später Michael Müller
       mit ihren Koalitionen etwas gewagt haben.
       
       Es waren linke Bündnisse, die sich der drastischen Probleme der Stadt
       annahmen; die weitreichende, teils harte Entscheidungen treffen mussten.
       Diese Probleme nahmen wieder zu, als die SPD sich 2011 nicht traute, ein
       solches mutiges Bündnis einzugehen und mit der CDU die Stadt fünf Jahre
       lang lediglich verwaltete – viele Schwierigkeiten heute sind auf jene Zeit
       zurückzuführen.
       
       Durch eine Kompromisstruppe aus SPD, Grünen und FDP, in der sich die
       Parteien nur gegenseitig tolerieren statt gemeinsam zu gestalten, droht
       Berlin grauer Stillstand. Denn auch jetzt stehen weitreichende, teils harte
       Entscheidungen an – etwa beim Klimaschutz und beim Verkehr. Anders als im
       Bund bietet sich in Berlin die Möglichkeit für eine klare Zukunftsaussage:
       Entweder hin zur konservativen Deutschland-Revuenummer oder weiter mit
       Rot-Grün-Rot. Die SPD muss jetzt mutig sein!
       
       7 Oct 2021
       
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 (DIR) Bert Schulz
       
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