# taz.de -- Umweltkatastrophe im Mittelmeer: Ölteppich treibt auf Zypern zu
       
       > Seit Tagen bewegt sich ein riesiger Ölteppich von Syrien aus auf Zypern
       > zu. Bedroht sind weitgehend unberührte Strände an der Karpasia-Halbinsel.
       
 (IMG) Bild: Das Satellitenbild zeigt den Ölteppich vor der syrischen Küste
       
       Berlin taz | Ein großer Ölteppich treibt auf Zypern zu und könnte die
       Nordostküste der Mittelmeerinsel noch am Mittwoch erreichen. Besonders
       bedroht sind die weitgehend unberührten Strände an der nur dünn besiedelten
       Karpasia-Halbinsel. Die Region, in der auch seltene Meeresschildkröten ihre
       Eier ablegen, befindet sich auf dem Gebiet der international nicht
       anerkannten „[1][Türkischen Republik Nordzypern]“.
       
       Dort bereiteten sich die Behörden aktuell mit einer sogenannten Ölsperre
       400 Meter vor der Küste vor. Zudem sind mehrere Spezialschiffe zum
       Auffangen des Öls aus der Türkei unterwegs.
       
       Ein Desaster können diese Maßnahmen wohl kaum verhindern: Aktuell hat der
       Ölteppich laut Satellitenbildern eine Länge von etwa 36 Kilometern. Ursache
       der Katastrophe ist ein Leck in einem syrischen Kraftwerk in der syrischen
       Hafenstadt Baniyas. Der Unfall soll sich schon in der vergangenen Woche
       ereignet haben und sei laut syrischer Regierung mittlerweile unter
       Kontrolle.
       
       Angaben eines Sprechers zufolge seien nur zwei bis vier Tonnen Heizöl ins
       Meer gelaufen. Vom US-Nachrichtensender CNN befragte Anwohner berichten
       dagegen von weitreichenden Verschmutzungen entlang der syrischen Küste.
       Umweltexperten aus Nordzypern zufolge soll es sich um etwa 20.000 Tonnen
       handeln.
       
       ## „Ein völliges Desaster für das Ökosystem“
       
       Das bedrohte zyprische Kap Andreas (türkisch Dipkarpaz) befindet sich nur
       rund 80 Kilometer entfernt. „Das ist eine völliges Desaster für das
       Ökosystem des Meeres“, sagte der Leiter von Nordzyperns Kammer von
       Umwelttechnikern, Cemaliye Özverel Ekinci, gegenüber der Agentur TAK. „Ein
       Problem nicht nur für Nordzypern. Wir sollten mit dem Süden kooperieren.“
       
       Nach Angaben des Fischereiministeriums der südlichen Republik Zypern
       handelt es sich um eine vergleichsweise dünne Ölschicht, nicht um einen
       dicken Ölteppich. Im Süden Zyperns wurden bisher keine Anzeichen für eine
       Verschmutzung der Küste wahrgenommen.
       
       Die griechisch geprägte Republik Zypern hat den [2][türkischen Zyprern]
       Hilfe bei der Bekämpfung der Ölpest angeboten, aber bisher keine Antwort
       erhalten. Die Beziehung zwischen dem Norden der Insel, der 1974 nach einem
       griechischen Putsch von türkischen Truppen besetzt wurde, und der südlichen
       Landeshälfte gilt als vereist. Zuletzt hatte die zyperntürkische Seite
       damit gedroht, die abgesperrte und früher griechische Stadt Varosha zu
       besiedeln.
       
       1 Sep 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Praesidentschaftswahl-in-Nordzypern/!5721810
 (DIR) [2] /UN-Sicherheitsrat-zum-tuerkisch-griechischen-Konflikt/!5789012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Hillenbrand
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) Öl
 (DIR) Zypern
 (DIR) Umweltkatastrophe
 (DIR) Leck
 (DIR) Umweltverschmutzung
 (DIR) Zypern
 (DIR) Schwerpunkt Türkei
 (DIR) Sri Lanka
 (DIR) Mauritius
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Höchste Migrantenquote in der EU: Auf Zypern demonstrieren Migranten
       
       In der Küstenstadt Paphos und an einem Flüchtlingslager bei Nikosia gibt es
       Auseinandersetzungen. Die Regierung Zyperns macht der Türkei Vorwürfe.
       
 (DIR) UN-Sicherheitsrat zum türkisch-griechischen Konflikt: Zypern-Politik Erdoğans verurteilt
       
       Der Türkei liegt nichts mehr an einer Wiedervereinigung. Der Sicherheitsrat
       kritisiert nun die geplante Öffnung der Geisterstadt Varosha.
       
 (DIR) Gesunkenes Schiff vor Sri Lanka: Mikroplastik und tote Meerestiere
       
       Ende Mai brach Feuer auf dem Containerschiff MV X-Press aus. Die Fracht aus
       Chemikalien, Kunststoff und Treibstoff bedroht nun Sri Lankas Küste.
       
 (DIR) Havarierter Frachter vor Mauritius: Öl fast komplett abgepumpt
       
       Der Frachter „Wakashio“ konnte leergepumpt werden, bevor er
       auseinanderbricht. Trotzdem ist der Umweltschaden für den Inselstaat
       immens.