# taz.de -- Laschets Wahlspot mit einem Querdenker: Blinzeln nach rechts außen
       
       > Der Flirt mit einem Querdenker für einen Wahlspot wirft einen Schatten
       > auf Unionskandidat Laschet. Er brüskiert damit auch die Opfer rechter
       > Gewalt.
       
 (IMG) Bild: Armin Laschet ist nicht auf dem rechten Auge blind, sondern blinzelt verschmitzt
       
       Erst [1][schmunzelt] er, während Frank-Walter Steinmeier angemessene Worte
       für Flutopfer sucht. Dann trotzt er, wenn ihn
       [2][Kinderreporter:innen] mit der politischen Haltung Hans-Georg
       Maaßens konfrontieren. Nun betont ein Wahlwerbespot seiner Partei, wie
       wichtig es sei, [3][mit Querdenker:innen zu sprechen] – während
       Gedanken und Nachrichten um den Tankstellenmord in Idar-Oberstein kreisen.
       
       Der Bundestagswahlkampf hat die Gemüter inzwischen so aufgerieben, dass sie
       glühen. Jeder Fehltritt auf den letzten Metern läuft Gefahr, ein großes
       Feuer zu entfachen. Tut man Armin Laschet unrecht? Zu den Fakten: Am
       vergangenen Samstagabend, dem 18. September 2021, erschießt ein Mann einen
       jungen [4][Tankstellenmitarbeiter], nachdem dieser ihn mehrfach
       aufgefordert hatte, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
       
       Zwei Tage später, am Montag, den 20. September, veröffentlicht die
       Polizeidirektion Trier das Tatmotiv. Am selben Tag – der Zeitpunkt könnte
       kaum schlechter gewählt sein – wird auf Laschets Facebookseite der
       Wahlwerbespot veröffentlicht, in dem ein Querdenker auf den
       Kanzlerkandidaten zuläuft. Anstatt ihn von der Bühne entfernen zu lassen,
       reagiert Laschet mit einem Gesprächsangebot.
       
       Was im Sog der Flammen untergeht, ist die richtige Reihenfolge: Erst kommt
       Laschets Wahlspot, 16.30 Uhr, eine halbe Stunde später die Pressekonferenz
       der Polizei. Ist der ganze Wirbel also einfach schlechtem Timing
       geschuldet? Bisher gibt es von Laschets Social-Media-Team keine Reaktionen
       auf die empörten Kommentare zu dieser Koinzidenz.
       
       ## Im Zweifel geht die Stimme ans blaue Original
       
       Ist es Naivität? Der Mann mit der vermeintlich kritischen Haltung ist
       Thomas Brauner, und spätestens seit den Berichten nach dem Zusammentreffen
       in Erfurt dürfte Laschets Wahlkampfteam wissen, mit wem man es hier zu tun
       hat. Trotzdem wirbt Laschet mit ihm um Stimmen. Inzwischen ist bekannt,
       dass der Täter von Idar-Oberstein sich im selben rechtsextremen
       Desinformationsmilieu bewegte, in dem sich auch Brauner zu Hause fühlen
       dürfte.
       
       Armin Laschet vergreift sich nicht im Ton, er trifft ihn. Er ist nicht auf
       dem rechten Auge blind, sondern blinzelt verschmitzt. Die CDU wirbt mit
       einer „Richtungsentscheidung für Deutschland“. Armin Laschet macht die
       Richtung der CDU auf den letzten Metern deutlich. Damit dreht er nicht nur
       linkeren Parteien, sondern auch Opfern rechter Gewalt unmissverständlich
       den Rücken zu.
       
       Ob diese Entscheidung der CDU zu mehr Stimmen verhilft, ist jedoch
       fraglich. Gute Berater würden Laschet und der CDU eine Erkenntnis
       nahelegen, die zahlreiche Politikwissenschaftler:innen längst
       teilen: Im Zweifel geht die Stimme der Wähler:innen eher ans blaue
       Original.
       
       22 Sep 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pia Stendera
       
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