# taz.de -- Grünen-Kandidat Lukas Mosler in Bautzen: Kein einfacher Job
       
       > Lukas Mosler will für die Grünen in den Bundestag. Sein Wahlkreis:
       > Bautzen in Sachsen. AfD-Land. Über einen, der es trotzdem versucht.
       
 (IMG) Bild: Industriekaufmann, Fleischesser, Autofahrer und Direktkandidat der Grünen in Bautzen: Lukas Mosler
       
       Bautzen taz | Wie stellt man sich Direktkandidat*innen der Grünen
       vor? Vielleicht so wie die Parteimitglieder: Großstädter:in, mit
       akademischen Abschluss und einem Lebensstil, den manche als „öko“
       bezeichnen. Lukas Mosler erfüllt keines dieser Kriterien. Der 24-Jährige
       aus Hoyerswerda in Ost-Sachsen ist ausgebildeter Industriekaufmann,
       Fleischesser, Autofahrer und Direktkandidat der Grünen für den Wahlkreis
       Bautzen bei [1][der Bundestagswahl 2021].
       
       An einem Abend im vergangenen Oktober fährt Mosler mit seinem Auto von
       [2][Hoyerswerda] ins etwa 25 km entfernte Kamenz zur Wahlversammlung des
       Grünen-Kreisverbandes Bautzen. Dort, im Saal eines italienischen
       Restaurants, wird er zum Bundestagsdirektkandidaten gewählt.
       
       Ein Dutzend Kreisverbandsmitglieder sowie zwei Landtagsmitglieder sind
       gekommen, es wird Pizza bestellt. Mosler trägt ein Jeanshemd und eine
       dunkle Hose, sein blonder Bürstenschnitt ist ordentlich gekämmt. Er hat
       eine Bewerbungsrede vorbereitet, die er vor Aufregung eher abliest. Moslers
       Rede dreht sich um seine Herzensthemen: Regionalentwicklung,
       Arbeitsmarktpolitik, Unternehmensansiedlung und die Verbesserung der
       Verkehrs- und Infrastruktur.
       
       Ein weiteres für ihn wichtiges Thema nennt er einige Monate später im
       Videogespräch von der Couch in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung: Mehr
       Jugendbeteiligung in der Politik. Mosler selbst ist seit Ende 2018
       Parteimitglied bei den Grünen. Mit dem Engagement in einer Partei könne er
       mehr bewirken. „Ich kann auf eine Demo gehen oder mich auf ein Punk-Konzert
       stellen und ‚Nazis raus‘ brüllen – aber das hat keinen Effekt.“ Bei den
       Grünen habe ihm gefallen, wie man an Projekte rangehe, und dass man offen
       sei für vieles.
       
       ## „Die Region ist doch nicht nur braun“
       
       Mosler zögerte nicht lange, Verantwortung zu übernehmen. Er ist
       Schatzmeister und das jüngste der fünf Vorstandsmitglieder im Kreisverband.
       „Er, in seinem Alter, ist schon sehr inspirierend für uns“, lobt die
       Kreisvorsitzende Susann Kolba. Für die Grünen ist Bautzen „unter anderem
       einer der herausforderndsten Wahlkreise in Deutschland“, gibt sie zu.
       
       Bei einem Besuch des Bundesvorsitzenden Robert Habeck klopfte dieser Mosler
       auf die Schulter und sagte, dass es bestimmt einfachere Dinge gebe, als in
       dem Landkreis eine Gründe Jugend aufzubauen. Bei den Bundestagswahlen 2017
       bekamen die Grünen rund 2 Prozent der Erst- und Zweitstimmen im Wahlkreis
       Bautzen. Karsten Hilse von der AfD zog als Direktkandidat in den Bundestag
       ein.
       
       Bei den Landtagswahlen zwei Jahre später erreichten die Grünen immerhin
       schon 3,2 Prozent. Der AfD-Direktkandidat gewann den Wahlkreis. Nur in den
       Großstädten Leipzig und Dresden sind die Grünen stärkste Kraft geworden.
       
       „Da braucht man sich nichts vormachen: Hier werde ich nicht viele Prozente
       holen“, stellt Mosler fest. Was erhofft er sich dann von der Kandidatur in
       diesem Jahr? „Gemeinsam Leute zusammenführen, zeigen, dass Wahlkampf Spaß
       machen kann, mal sagen: Die Region ist doch nicht nur braun, sondern
       vielfältig und bunt und hat progressive Ideen. Wenn dann am Ende ein oder
       zwei Prozentpunkte mehr rausspringen, haben wir denke ich Einiges richtig
       gemacht.“
       
       ## Hauptziel: Der AfD das Direktmandat nehmen
       
       Trotzdem ist er sich bewusst, dass der Wahlkampf nicht einfach für ihn
       wird. „Ich weiß ja, auf was ich mich einlasse. Dann werde ich halt
       Hauptfeind Nummer eins bei den Podien. Aber ich habe mir bisher keine
       Sorgen darüber gemacht. Ich kann hier auch noch im Supermarkt einkaufen
       gehen, ohne blöd angesprochen zu werden.“
       
       Moslers Alltag wird von seinem Beruf als strategischer Einkäufer für einen
       Industriebetrieb bestimmt. Vom Homeoffice aus, das er sich mit einem
       höhenverstellbaren Tisch im Schlafzimmer eingerichtet hat, wählt er
       Rohmaterialien wie Bleche und Thermometer aus, überprüft Beschaffungswege,
       plant Lieferungen.
       
       Die Arbeit für die Grünen und seinen Wahlkampf organisiert Mosler in den
       Abendstunden. Er stimmt sich mit dem Wahlkampfkoordinator Jens Bitzka ab,
       nimmt an digitalen Diskussionsrunden der Partei teil und tauscht sich mit
       seinem Mentor aus, dem sächsischen Landtagsabgeordneten Gerhard Liebscher.
       
       Ein guter Politiker ist für Mosler jemand, der tatsächlich etwas für einen
       Wahlkreis macht und sich mit Unternehmen und sozialen Einrichtungen
       zusammensetzt. „Das klingt ja vielleicht alles so ein bisschen
       kleindimensional bei mir“, fügt er am Ende hinzu, aber schließlich sei das
       nicht die letzte größere Kandidatur für ihn, sondern die erste. Sein
       größter Wunsch für dieses Jahr? „Dass Hilse nicht als Direktkandidat in den
       Bundestag einzieht.“
       
       22 Sep 2021
       
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