# taz.de -- Geberkonferenz für Afghanistan: Mit den Taliban reden muss sein
       
       > Humanitäre Hilfe ist nur möglich, wenn man mit den Taliban verhandelt.
       > Ein moralisches Dilemma – aber Menschenleben rettet man bedingungslos.
       
 (IMG) Bild: Außenminister Heiko Maas bei der Hilfskonferenz für Afghanistan der Vereinten Nationen
       
       Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte hat die Taliban harsch
       verurteilt: Verfolgung von Kritikern, Verschleppung und Mord wirft Michelle
       Bachelet den Islamisten vor, unter anderem. Und nichts spricht dafür, dass
       die Lage sich bessert, schon gar nicht die Lippenbekenntnisse der Taliban.
       Dass sich nur kurz darauf [1][Vertreter aus der ganzen Welt bei der UNO in
       Genf treffen], um darüber zu beraten, wie Millionen für die humanitäre
       Hilfe im Land mobilisiert werden können, klingt paradox.
       
       Denn mehr Hilfe für die Leidenden wird nur möglich sein, wenn humanitäre
       Helfer mit den Taliban verhandeln. Doch darf man mit Vertretern einer
       terroristischen Junta sprechen, die gerade dabei ist, die Hälfte der
       afghanischen Bevölkerung – [2][nämlich Frauen und Mädchen – ihrer Rechte zu
       berauben]?
       
       Man darf – und man muss. Denn die afghanische Bevölkerung kann nichts
       dafür, dass schwer bewaffnete Islamisten ihr Land erbeutet haben – und auch
       nichts dafür, dass der Westen Hals über Kopf geflohen ist und jetzt vor
       allem fürchtet, dass Afghaninnen und Afghanen es ihm gleichtun. Das
       Mindeste, das dieser Westen jetzt tun kann, ist, die Menschen vor dem
       unmittelbaren Tod zu retten. Von drei Afghaninnen und Afghanen weiß einer
       heute nicht, woher er seine nächste Mahlzeit nehmen soll.
       
       Da kann, da darf man nicht darüber diskutieren, ob es nicht eigentlich die
       Aufgabe der Taliban wäre, für die Versorgung des von ihnen eroberten Landes
       zu sorgen. Und da darf man auch noch so selbstverständliche Menschenrechte
       nicht zur Bedingung von Hilfe machen. Menschenleben rettet man
       bedingungslos.
       
       Organisationen wie die UN oder das Internationale Rote Kreuz haben
       jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit Terroristen wie den Taliban. Ihre
       Neutralität in humanitären Fragen hat es ihnen meistens ermöglicht, auch
       unter schwersten Bedingungen Leben zu retten. Genauso wichtig ist es, dass
       die Vereinten Nationen die Menschenrechtsverletzungen der Taliban weiterhin
       scharf kritisieren. Auch hier müssen sie neutral bleiben, den Menschen in
       Afghanistan verpflichtet.
       
       14 Sep 2021
       
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 (DIR) [1] https://www.dw.com/de/un-geberkonferenz-maas-sagt-100-millionen-euro-f%C3%BCr-afghanistan-zu/a-59163607
 (DIR) [2] /Neue-Regierung-in-Afghanistan/!5795710
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marc Engelhardt
       
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