# taz.de -- CDU-Mann nur krankgemeldet: Landrat doch noch im Amt
       
       > Nach der Flutkatastrophe in Ahrweiler geht die CDU auf Distanz zu Jürgen
       > Pföhler. Die Ermittlungen gegen mögliche Schuldige laufen weiter.
       
 (IMG) Bild: Landrat Jürgen Pföhler ist erstmal krankgeschrieben
       
       Frankfurt am Main taz | Die bemerkenswerte Eilmeldung der
       Nachrichtenagentur AFP geht am Dienstagmorgen raus: „Landrat von Ahrweiler
       legt Amt nach Flutkatastrophe nieder“. Als Quelle nennt die Agentur den
       CDU-Kreisverband. Doch die Meldung, die auch die Regionalzeitung und der
       Landessender SWR verbreiteten, aber [1][auch die taz], führt in die Irre.
       Denn der Landrat Jürgen Pföhler ist nach wie vor im Amt, seit dem 11.
       August ist er lediglich krankgeschrieben.
       
       Ursache für das Missverständnis ist eine Erklärung der
       CDU-Kreistagsfraktion vom Montag: „Landrat Dr. Pföhler kann
       krankheitsbedingt sein Amt absehbar nicht mehr ausüben. Der Schritt, sein
       Amt nicht mehr wahrzunehmen, war daher notwendig und unausweichlich. Das
       Vertrauen der Menschen im Kreis Ahrweiler ist nicht mehr gegeben“, so hart
       formulierten seine Parteifreunde.
       
       Das klang nach Rücktritt, ist in Wahrheit aber eine Krankmeldung. Mit ihrer
       Erklärung habe die Kreistagsfraktion einen Rücktritt des Landrats weder
       angekündigt noch gefordert, versicherte am Dienstag
       CDU-Kreisgeschäftsführer Michael Schneider der taz; seine Partei habe
       lediglich den politischen Wunsch nach einem Neuanfang formuliert, so
       Schneider.
       
       Nach SPD und Grünen legt damit nun auch die CDU dem angezählten Landrat
       einen Rückzug nahe. Der 63-Jährige könnte unter Wahrung seiner
       Pensionsansprüche krankheitsbedingt seinen vorzeitigen Ruhestand
       beantragen.
       
       ## Landrat löste Alarm aus, als erste Häuser schon weg waren
       
       Nach der Flutkatastrophe vom 14. Juli, bei der allein im Kreis Ahrweiler
       mehr als 100 Menschen ihr Leben und Hunderte ihre Häuser verloren haben,
       war der [2][Landrat als Chef der zuständigen Katastrophenbehörde in die
       Kritik geraten]. Spät in der Nacht, als die Flutwelle bereits die ersten
       Häuser weggerissen hatte, löste der Landrat Katastrophenalarm aus.
       
       Bis zuletzt hatte der Krisenstab den Menschen am Fluss geraten, in die
       oberen Stockwerke zu fliehen. Viele konnten sich nicht mehr retten, als die
       Häuser weggerissen wurden. Seit dem 6. August [3][ermittelt die
       Staatsanwaltschaft] unter anderem wegen fahrlässiger Tötung durch
       Unterlassen.
       
       „Das gilt es in dem üblichen rechtsstaatlichen Verfahren aufzuarbeiten“,
       schreibt die CDU jetzt und fügt an: „Aus unserem Verständnis kann man ein
       Amt jedoch nicht ausüben, wenn staatsanwaltliche Ermittlungen laufen.“
       Anlass für die späte Distanzierung dürfte die Kreistagssitzung am Mittwoch
       sein. Die Grünen hatten einen Abwahlantrag eingebracht, die SPD einen
       Entschließungsantrag, der dem Landrat den Rückzug nahelegen sollte. Die CDU
       werde am Mittwoch wahrscheinlich dem SPD-Antrag zustimmen, so
       CDU-Geschäftsführer Schneider zur taz; welche Konsequenzen der Landrat
       daraus ziehen werde, wisse er nicht.
       
       Am späten Dienstagnachmittag teilte der Landkreis auf taz-Anfrage mit, der
       Landrat werde nicht zurücktreten.
       
       17 Aug 2021
       
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