# taz.de -- Ermittlungen gegen Bundeswehr: Feuerwerk der Justiz
       
       > Drei Jahre nachdem die Bundeswehr Raketen ins emsländische Moor schoss,
       > hat die Staatsanwaltschaft einen ungefähren Verdacht, warum es brannte.
       
 (IMG) Bild: Eigentlich kein Rätsel: verbrannte Erde im Emsland
       
       Osnabrück taz | Christian Meyer, Vize-Fraktionschef der Grünen im Landtag
       Niedersachsen, ist hartnäckig, wenn ihn etwas ärgert. Der Moorbrand bei
       Meppen zum Beispiel, im Herbst 2018. Und die Reaktion auf ihn, von der
       Landesregierung bis zur Staatsanwaltschaft.
       
       Noch während das Moor brennt, auf dem Gelände der Wehrtechnischen
       Dienststelle 91 (WTD 91), in Flammen geschossen durch Luft-Boden-Raketen
       eines Bundeswehr-Kampfhubschraubers, stellt er Strafanzeige wegen
       fahrlässiger Brandstiftung. „Es herrschte ja sehr hohe Waldbrandgefahr“,
       sagt Meyer, „und die Bundeswehr wusste, dass ihr Löschequipment teils
       defekt war.“ Doch trotz der Anzeige tat sich nichts. Jahrelang. Polizei und
       Staatsanwaltschaft hatten die Dienststelle zwar 2018 durchsucht, aber
       danach: Schweigen überm Nebelmeer.
       
       Meyer, Grünen-Sprecher für Brand- und Naturschutz, versteht das nicht.
       Zwölf Quadratkilometer Natur hatte der Brand vernichtet, 637.000 Tonnen
       Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Und das ohne Konsequenzen?
       
       Jetzt erst, nach drei Jahren, kommt Bewegung in die Sache. Der
       Staatsanwaltschaft Osnabrück liege ein Sachverständigengutachten vor,
       bestätigt das Niedersächsische Ministerium für Umwelt gegenüber Meyer, der
       in einer Kleinen Landtags-Anfrage nachgebohrt hat. „Hieraus ergibt sich ein
       Anfangsverdacht wegen fahrlässiger Brandstiftung.“ Es gebe sogar konkrete
       Beschuldigte, die derzeit über ihre Anwälte Akteneinsicht haben, heißt es
       von der Staatsanwaltschaft.
       
       ## Verjährung steht kurz bevor
       
       „Endlich“, sagt Meyer und erwartet, „dass nun auch zügig Anklage erhoben
       wird“. Die Bundeswehr dürfe nicht „straflos davonkommen“. Und schnell gehen
       muss es jetzt wirklich, denn der Tatbestand verjährt nach fünf Jahren.
       
       Meyer hatte in seiner Kleinen Anfrage noch mehr wissen wollen. Etwa: Hat
       die Landesregierung Einfluss auf die Staatsanwaltschaft genommen, nicht
       gegen die Bundeswehr zu ermitteln? Oder: Hat das
       Bundesverteidigungsministerium Einfluss auf die Landesregierung genommen,
       damit die Staatsanwaltschaft nicht intensiv gegen die Bundeswehr ermittelt
       oder das Verfahren einstellt? Antwort des Umweltministeriums, auf beides:
       „Nein.“
       
       Auch mit Kompensationszahlungen für die entstandenen Umweltschäden tut sich
       die Bundeswehr schwer. Sie wolle für ihre „fahrlässigen Waffenversuche“
       keine Verantwortung übernehmen, vermutet Meyer
       
       Hinzu kommt: Das Löschequipment der WTD 91 ist bis heute lückenhaft. Filiz
       Polat, für das Emsland zuständige Bundestagsabgeordnete der Grünen, sagt:
       „Schwerwiegende Versäumnisse in der materiellen Ausstattung“ seien noch
       nicht behoben, „obwohl Waffentests schon wieder regelmäßig durchgeführt
       werden“. Auch sie bewertet die Brandverursachung von 2018 als „grob
       fahrlässig“. Bald ist das Sache eines Gerichts.
       
       17 Jul 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Harff-Peter Schönherr
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bundeswehr
 (DIR) Moor
 (DIR) Emsland
 (DIR) Niedersachsen
 (DIR) Moor
 (DIR) Moor
 (DIR) Moor
 (DIR) Bundeswehr
 (DIR) Moor
 (DIR) Bundeswehr
 (DIR) Meppen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kein Plan für die Moor-Renaturierung: Bundeswehr kann's nicht schneller
       
       Sechs Jahre nach dem Moorbrand in Meppen wachsen die ökologischen Schäden
       im Moor immer weiter. Die Bundeswehr plant die Wiedervernässung behäbig.
       
 (DIR) Nach dem Desaster auf Bundeswehr-Gelände: Feuer frei im Meppener Moor
       
       Sechs Jahre nach dem Moorbrand bei Meppen darf die Bundeswehr wieder
       uneingeschränkt Munition testen. Man habe gelernt, versichert das Heer.
       
 (DIR) Die Bundeswehr feuert auch aufs Trockene: Heide und Moor unter Beschuss
       
       In diesem Jahr hat es über 500 Brände in der Lüneburger Heide gegeben.
       Viele davon gehen auf das Konto der Bundeswehr. Die könnte vorsichtiger
       sein.
       
 (DIR) Fehlende Konsequenzen aus Moorbrand: Heer steht auf dem Schlauch
       
       2018 schoss die Bundeswehr das Moor bei Meppen in Brand. Um das zukünftig
       zu vermeiden, hätte die Bundeswehr tätig werden müssen – ist sie aber
       nicht.
       
 (DIR) Schadensausgleich nach Moorbrand: Bundeswehr lässt sich Zeit
       
       Der durch die Bundeswehr 2018 verursachte Moorbrand bei Meppen ist ein
       ökologisches Desaster. Eine Resolution des Nabu dringt auf Konsequenzen.
       
 (DIR) Bericht des Verteidigungsministeriums: Bundeswehr verursachte 32 Brände
       
       Ein Bericht des Verteidigungsministeriums enthüllt: Schießübungen der
       Bundeswehr waren in diesem Sommer für mindestens 32 Brände verantwortlich.
       
 (DIR) Parallelwelt Bundeswehr: Schuss nach hinten
       
       Weil die Bundeswehr trotz Dürre Raketen testete, brannte ein Moor über
       einen Monat lang. Was treibt die Truppe auf ihren Übungsplätzen?