# taz.de -- Hansi Flick wird Fußball-Bundestrainer: Olli und ich
       
       > Hansi Flick wird Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw. Mit dieser
       > Entscheidung wird der Kurs von DFB-Direktor Oliver Bierhoff gestützt.
       
 (IMG) Bild: Zwei Trainer, eine Richtung: Hansi Flick (l.) wird nichts grundlegend anders als Joachim Löw machen
       
       Die alten WG-Bewohner [1][aus dem Campo Bahia in Brasilien], wo 2014
       angeblich die guten Schwingungen für den WM-Titel des Nationalteams
       entstanden, arbeiten wieder unter einem Dach. Elf Jahre lang haben Oliver
       Bierhoff und Hansi Flick sich bis 2017 gemeinsam für die deutsche
       Nationalmannschaft engagiert. Am Montag wurde Flick dann um 8.20 Uhr im
       gläsernen Treppenhaus der DFB-Zentrale von Fotografen erwischt. Schnell
       verbreitete sich die Kunde, dass die seit Wochen erwartete
       Vertragsunterzeichnung als Nationaltrainer bevorstünde. Gut drei Stunden
       später kam dann die Bestätigung vom Deutschen Fußball-Bund. Flick habe
       einen Kontrakt bis 2024 unterschrieben, der auch die Heim-EM
       miteinschließe.
       
       Bei der WM 2014 war Hansi noch der nette Assistent, der die Presse mit eher
       nicht so fachspezifischen Informationen aus der Teambetreuer-WG bei Laune
       hielt. Bundestrainer Joachim Löw höre gern Udo Jürgens und Bierhoff stehe
       „auf amerikanische Country-Musik“, erzählte er etwa. Für seine Lieblinghits
       interessierte sich damals allerdings noch keiner.
       
       Sieben Jahre später ist der 56 Jahre alte Hansi Flick so etwas wie ein
       Rettungsanker, der fast aus dem Nichts auftgetaucht ist und an den sich
       etliche im Verband, die gegen einen Abwärtssog zu strampeln haben, nun
       klammern. Vor wenigen Monaten schienen [2][Flick und der FC Bayern noch die
       perfekte Erfolgssymbiose] zu sein, für den DFB wiederum schien der
       Ex-Angestellte in unerreichbarer Ferne.
       
       Zu den Profiteuren im Deutschen Fußball-Bund zählt zuvorderst DFB-Direktor
       Oliver Bierhoff. Wie die Bild-Zeitung mitteilte, hätte sich der
       Vertragsabschluss mit Flick auch deshalb so lange hingezogen, weil dieser
       in einigen Detailfragen hart verhandelt habe. Wichtig sei ihm etwa gewesen,
       dass der stark in die Kritik geratene Bierhoff sein Ansprechpartner bleibt.
       
       ## Ganz oben auf der Wunschliste
       
       Bierhoff hatte vor Kurzem bekanntgegeben, er habe ein „unheimlich gutes und
       enges Verhältnis“ zu Flick. Mit seiner Verpflichtung werden die
       strategischen Zukunftsentscheidungen, die Bierhoff für die
       Nationalmannschaft vorgibt, gewiss nicht in grundlegend anders ausgerichtet
       werden. So verwundert es nicht, dass der DFB-Direktor am Montag betonte:
       „Er stand von Anfang an ganz oben auf meiner Wunschliste.“
       
       Neben Bierhoff wird aber auch die Funktionärsriege beim DFB große
       Erleichterung spüren. Für sie ist Flick ebenfalls ein Glücksfall. Unter den
       mittlerweile reichlich renommierten deutschen Trainern gab es nicht gerade
       ein Gedränge um den höchsten Job beim DFB. Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel
       oder Jürgen Klopp winkten frühzeitig ab. Nun kommt der mit sieben Titeln in
       den vergangenen anderthalb Jahren weltweit erfolgreichste Trainer an Bord
       des DFB-Tankers, [3][der aufgrund etlicher Skandale und Machtkämpfe] in der
       Führungscrew einen sehr angeschlagenen Eindruck macht. Das gibt etwa Rainer
       Koch, der mit Peter Peters den Verband kommisarisch leitet, die
       Gelegenheit, sich mit mehr Ruhe den vielen anderen Baustellen zuzuwenden.
       Unter anderem ist Koch ja Beschuldigter in einem Steuerstrafverfahren gegen
       den DFB.
       
       All das dürfte die Verhandlungsbasis für Hansi Flick trotz einiger
       Sonderwünsche recht einfach gemacht haben – obgleich offenbar Real Madrid
       und der FC Barcelona in den letzten Tagen großes Interesse an ihm bekundet
       haben. In der DFB-Pressemitteilung erklärte Flick am Montag: “Es ging jetzt
       doch alles auch für mich überraschend schnell mit der Unterschrift, aber
       ich bin sehr glücklich, ab dem Herbst als Bundestrainer tätig sein zu
       dürfen.“ Mit Optimismus blicker er auf seine nächste Arbeit in den nächsten
       drei Jahren und hob in diesem Zusammenhang namentlich den „starken,
       vertrauensvollen Partner“ Oliver Bierhoff hervor. Jener sagte: „Wir haben
       ein großes gemeinsames Ziel: Zurück an die Weltspitze.“ Flick werde sich
       neben seiner Arbeit für das Nationalteam auch mit Ideen für die
       Nachwuchsarbeit in der DFB-Akademie und der Trainerausbildung einbringen.“
       
       Mit wem der künftige Bundestrainer im Betreuerteam zusammenarbeiten wird,
       ist noch unklar. Flick sagte, im August werde er sich „detailliert“ zu
       seinen Vorstellungen äußern. Derzeit sei nur die anstehende
       Europameisterschaft wichtig.
       
       25 May 2021
       
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