# taz.de -- Die SPD im Bundestagswahlkampf 2021: Das Dilemma der Sozialdemokraten
       
       > Die SPD setzt alles auf Olaf Scholz. Und muss auf die Schwächen von
       > Annalena Baerbock und Armin Laschet hoffen.
       
 (IMG) Bild: Kalt und technokratisch: Der Kanzlerkandidat der SPD
       
       Die SPD hat vor drei Jahren ihren letzten großen Fehler gemacht. [1][Sie
       ist in die Große Koalition eingetreten.] In der Rolle als Juniorpartner der
       Union machte sie ordentliche Gesetze, die auf freundliches Desinteresse
       stießen. Oder anderen nutzten. 2019 bekam Angela Merkel die
       Ehrendoktorwürde in Harvard – unter anderem für den Mindestlohn, den sie
       sich von der SPD hatte aufnötigen lassen.
       
       Danach hat die SPD nicht viel falsch gemacht. [2][Sie hat eine milde linke
       Parteispitze gewählt,] vor allem aus Verdruss über die Große Koalition. Das
       war nicht die Rettung, aber besser als Olaf Scholz mit zu viel Macht
       auszustatten. Sie hat früh den Kanzlerkandidaten bestimmt und das Programm
       entworfen. Die SPD hat aus den Abstürzen gelernt, die sie mit Peer
       Steinbrück und Martin Schulz erlebte.
       
       Ja, viel gelernt und viel richtig gemacht. Genau das ist eine deprimierende
       Erkenntnis. Fehler kann man korrigieren, den Kandidaten auswechseln, die
       politische Linie neu justieren, wenn es nicht läuft. Kein Fehler heißt: Es
       gibt nichts, was man tun kann.
       
       Die SPD-Führung hat sich in der misslichen Rolle als Juniorpartner lange
       damit getröstet, dass ihr Moment noch kommen wird – wenn Merkel geht und
       die Union von Machtkämpfen zerfetzt wird. Jetzt ist das Morgen, auf das man
       lange wartete. Und die Situation ist trister als zuvor. Eigentlich ist auch
       die Pandemiekrise ein Moment, in dem der Staat Konjunktur hat und der die
       SPD wiederbeleben müsste. Aber so ist es nicht.
       
       Die SPD ist eine professionelle, eher unkreative Organisation, die
       verwalten und regieren kann. Sie besteht, wie die Grünen, fast zur Hälfte
       aus Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst. Ihr kultureller Humus,
       die Arbeiterbewegung, ist ausgetrocknet.
       
       ## Ein kalter Technokrat
       
       [3][Der Parteitag und die Kür von Olaf Scholz haben gezeigt, was die SPD
       kann – und was nicht.] Die Rhetorik von Neuem und Innovation ist reine
       Wahlkampfpflicht. Scholz ist ein Technokrat, kalt und leidenschaftslos. Das
       ändert auch kein noch so talentierter Redenschreiber.
       
       Die SPD ist eine funktionale Regierungspartei – und Scholz das Gesicht, das
       zu ihr passt. Nach den Erfahrungen mit dem Quartals-Volkstribun Sigmar
       Gabriel wissen die GenossInnen dieses Frostige sogar zu schätzen.
       
       Die Scholz-SPD steht für moderate Veränderungen, einen Mindestlohn von 12
       Euro, Vermögenssteuer, etwas mehr Mieterschutz. Anders als früher scheint
       das keine Wahlkampf-Poesie zu sein, sondern ein ernst gemeinter Versuch,
       die soziale Schieflage etwas auszutarieren. Mit Schwarz-Grün wird es beides
       nicht geben, mit einem Mitte-Links-Bündnis schon.
       
       ## Scholz leuchtet nur als Kontrastmittel
       
       Was der Sozialdemokratie gänzlich fehlt, ist schwungvolle Unbedingtheit
       oder zumindest der Anschein, etwas zu wagen. [4][Die Scholz-SPD steht für
       Weiter-so, vorsichtige Reform und solide Risikominimierung.] Schlimm kann
       es für die SPD werden, wenn sich der Eindruck verfestigt, dass es bei Wahl
       nur darum geht, ob Union oder Grüne vorne liegen. Dann kann sie aus der
       öffentlichen Wahrnehmung fallen – ins Bodenlose.
       
       Die vielleicht einzige, profunde Hoffnung, die sie bis zum 26. September
       noch hat, sind ihre Gegner. Dass manche Baerbock doch zu unerfahren finden
       und Laschet zu nervös. Die SPD ist abhängig von der erwarteten Schwäche
       ihrer Gegner. Mal wieder. Einen Plan B hat sie nicht. Scholz, der stoische
       Macher, leuchtet nur als Kontrastmittel.
       
       10 May 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=groko+2018+wikipedia
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Wahl_zum_SPD-Vorsitz_2019
 (DIR) [3] /Olaf-Scholz-auf-dem-SPD-Parteitag/!5766098
 (DIR) [4] /Die-Zukunft-der-SPD/!5770554
       
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