# taz.de -- Entspannung bei Corona in Hamburg: Alle Kinder dürfen zur Schule
       
       > Der Hamburger Senat beschließt Unterricht für alle Jahrgänge nach den
       > Maiferien – und ein Ende der nächtlichen Ausgangssperre.
       
 (IMG) Bild: Mitte Mai dürfen alle Schüler wieder hin, wenn auch erstmal nur im Wechsel in kleinen Gruppen
       
       Hamburg taz | Hamburgs Schüler der 5. bis 9. Klassen dürfen endlich wieder
       zur Schule. Denn nachdem der Corona-Inzidenzwert in Hamburg an mehreren
       Tagen unter 100 lag, kündigte der rot-grüne Senat Lockerungen an. So
       entfällt voraussichtlich ab dem 12. Mai die nächtliche Ausgangssperre. Und
       nach Ende der Maiferien am 17. Mai dürfen endlich wieder alle Jahrgänge in
       die Schule. Zudem haben die Kitas wieder für alle Kinder offen, ebenso
       öffnen Museen und Gedenkstätten.
       
       Die Entscheidung für die Schulen war [1][mit Ungeduld erwartet worden].
       Denn die mittleren Jahrgänge sind seit fünf Monaten zu Hause, nur für die
       Klassen 5 und 6 hatte Schulsenator Ties Rabe (SPD) für den 17. Mai die
       Rückkehr in Aussicht gestellt. Nun gilt für alle Jahrgänge, dass sie für
       den „Wechselunterricht“ in die Schule können. Der ist so organisiert, dass
       die Hälfte aller Stunden in der Schule, die andere zu Hause stattfindet.
       Gleichzeitig bleibt die „Präsenzpflicht“ aufgehoben, das heißt, Eltern
       können ihr Kind zu Hause behalten.
       
       Weitere Öffnungen, etwa für den Einzelhandel, soll es nach zehn bis 14
       Tagen bei weiter positiver Entwicklung geben. Die Außengastronomie und die
       Hochschulen könnten Anfang Juni nach weiteren 14 Tagen auf Öffnung hoffen.
       
       Dass nun auch die mittleren Jahrgänge zur Schule dürfen, nennt Vater
       Christian Martens „super“. Er hatte kürzlich eine [2][Online-Petition „back
       to school“] gestartet, die bislang 4.705 Personen unterschrieben,
       [3][meistens verzweifelte Eltern von 13-, 14-Jährigen], die an fehlenden
       Kontakten leiden. Die Entscheidung sei überfällig, sagt auch Mutter Annika
       Jacobsen. Sie hatte mit Freunden die Aktion „#vergesseneschulkinder“ ins
       Leben gerufen und wollte immer dienstags demonstrieren.
       
       ## Elternkammer fordert zusätzliches Schuljahr
       
       Unmittelbar vor der Senatssitzung hatte auch die [4][Hamburger
       Elternkammer] „Schulen öffnen für alle Kinder!“ gefordert. „Es geht uns
       darum, dass die Kinder sich einfach mal wieder sehen“, sagt die Vorsitzende
       Alexandra Fragopoulos. Weil die Kinder nach insgesamt 13 Monaten Pandemie
       auf so vieles verzichten mussten, fordert die Elternkammer zudem, ihnen ein
       Jahr mehr Zeit für die Schule zu geben. Motto: „Gebt den Kindern das
       Schuljahr zurück!“
       
       Um über die Details zu sprechen, brauche man einen runden Tisch, sagte
       Fragpoulos. Den Kindern fehlte sehr viel, zum Beispiel habe ein Jahrgang in
       der Grundschule kein Schwimmen gelernt. Die Schule müsse als „sozialer
       Begegnungs- und Lernort“ wiedergefunden werden. „Dafür braucht es Zeit“, so
       die Vorsitzende. Nachhilfe und Lernferien könnten das nicht auffangen.
       
       Die Schulbehörde wollte den Vorschlag am Freitag vor der Senatssitzung
       nicht kommentieren.
       
       Die Linksfraktion begrüßte die Beschlüsse. „Aus der Sicht der jungen
       Menschen, die seit Monaten im Homeschooling sitzen, ist das ganz gewiss
       eine frohe Botschaft“, sagte deren Schulpolitikerin Sabine Boeddingshaus.
       Sie befürwortete zudem den Vorschlag der Elternkammer auf Verlängerung des
       Schuljahres. Hilfreich wäre die Einberufung eines „Kindergipfels“. Zudem
       begrüßte die Linke die Aufhebung der Ausgangssperre. Diese sei ein „Irrweg“
       gewesen, sagte der Abgeordenete Deniz Celik, da Menschen in beengten
       Wohnverhältnissen oder bei der Arbeit ein höheres Infektionsrisiko hätten
       als im Freien.
       
       Enttäuscht reagierte Hjalmar Stemmann, der Präsident der Handwerkskammer,
       der zuvor gefordert hatte, Öffnungsschritte in der Wirtschaft zu
       ermöglichen, sofern dies mit dem Infektionsschutz vereinbar sei. Denn
       Lockerungen in Hotellerie oder Messebranche schlügen auch positiv zu den
       Handwerksbetrieben durch. Der nun von Rot-Grün beschlossene Stufenplan sei
       den Unternehmern der Stadt kaum zu vermitteln, sagte Stemmann und warnte:
       „Wer resigniert, der investiert nicht mehr.“
       
       8 May 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schul-Lockdown-in-Hamburg/!5768424
 (DIR) [2] /Hamburger-Eltern-starten-Petition/!5762449
 (DIR) [3] /Protokoll-einer-Mutter-zum-Homeschooling/!5758495
 (DIR) [4] https://elternkammer-hamburg.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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