# taz.de -- Nach Corona-Ausbruch auf Spargelhof: DGB fordert Schutz für Erntehelfer
       
       > Arbeitsquarantäne unterbreche nicht die Infektionsketten und sei illegal,
       > sagt Vorstandsmitglied Anja Piel. Landkreis und Ministerium
       > widersprechen.
       
 (IMG) Bild: Wer in Quarantäne ist, soll nicht arbeiten, fordert der DGB – auch nicht auf dem Spargelfeld
       
       Berlin taz | [1][Nach dem massiven Corona-Ausbruch auf einem
       niedersächsischen Spargelhof] fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)
       mehr Schutz für Erntehelfer. „Die politisch Verantwortlichen in Bund und
       Ländern müssen nach der Infektionswelle in Niedersachsen Lösungen
       entwickeln, um die Beschäftigten noch in dieser Saison besser zu schützen“,
       sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der taz. Arbeitgeber und Behörden
       dürften das Problem nicht durch die sogenannte „Arbeitsquarantäne“ lösen.
       Auf dem großen Spargel- und Beerenbetrieb Thiermann in Kirchdorf durften
       nach einem Corona-Ausbruch Anfang Mai etwa 1.000 Beschäftigte
       beispielsweise aus Polen ihre Unterkünfte nur verlassen, um zu arbeiten.
       
       „Wer unter Quarantäne gestellt wird, muss die Chance haben, sich zu
       isolieren, und darf nicht zur Arbeit verpflichtet werden“, verlangte Piel.
       „Es ist ein Unding, wenn Menschen unter behördlicher Quarantäne nicht nach
       dem Infektionsschutzgesetz entschädigt werden, stattdessen arbeiten müssen
       und dabei keine Möglichkeit haben, sich selbst zu versorgen.“
       
       [2][Arbeitsquarantäne] sei auch keine akzeptable Maßnahme für den
       Infektionsschutz „und muss ein Ende haben“. Sie könne „angesichts der
       Zustände von Sammelunterkünften, der Enge bei Gemeinschaftstransporten und
       den fehlenden Abständen bei der Arbeit“ Infektionsketten kaum unterbrechen,
       ergänzte die Gewerkschafterin. „Die Behörden nehmen mit dieser Praxis zudem
       tiefe Eingriffe in die Grundrechte der Betroffenen vor, ohne dass es dafür
       eine Rechtsgrundlage gibt.“
       
       Der zuständige Landkreis Diepholz verteidigte die Maßnahme, die am 18. Mai
       ausgelaufen sei. Die Arbeiter seien in getrennte Gruppen unterteilt
       gewesen, sagte eine Sprecherin des Kreises. „Auch hatten die
       Saisonarbeitskräfte, die zum Großteil ausschließlich aufgrund der Arbeit
       nach Deutschland reisen, so zumindest die Möglichkeit, ihrer Beschäftigung
       freiwillig weiterhin nachzugehen.“ Sonst hätten sie leistungsbezogene
       Zulagen des Arbeitgebers nicht erhalten. Zudem dürften nur Kontaktpersonen
       in Arbeitsquarantäne sein. „Für positiv getestete Personen gelten die
       normalen Quarantäneregelungen.“ Die Zahl der Neuinfektionen sinke, also
       wirkten die Maßnahmen.
       
       Das Bundesagrarministerium rechtfertigte es, dass alle neu ankommenden
       Erntehelfer aus Risiko- oder Hochinzidenzgebieten zunächst in
       Arbeitsquarantäne gehen müssen. Andernfalls könnten sie nicht ihre
       Tätigkeit aufnehmen, so ein Sprecher von Ministerin Julia Klöckner (CDU).
       Die Arbeitsquarantäne dürfe nach einem negativen Testergebnis entweder
       sofort oder fünf Tage nach der Einreise vorzeitig beendet werden.
       
       25 May 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Erster-grosser-Ausbruch-der-Saison/!5769450
 (DIR) [2] /Nach-Corona-Ausbruch-auf-Spargelhof/!5766037
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Erntehelfer
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Erntehelfer
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Spargel
 (DIR) Erntehelfer
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Aktuelle Nachrichten in der Coronakrise: EU gegen AstraZeneca vor Gericht
       
       Die EU-Komission streitet mit dem Impfstoffhersteller wegen
       Lieferverzögerungen. Belgien verimpft das Johnson & Johnson-Vakzin nach
       einem Todesfall nur noch an Ältere.
       
 (DIR) Georgischer Erntehelfer flieht: Pflücken wie die Weltmeister
       
       Zum ersten Mal arbeiten Saisonarbeiter*innen aus Georgien auf
       deutschen Feldern. Doch es gibt Protest gegen die Arbeitsbedingungen.
       
 (DIR) Nach Corona-Ausbruch auf Spargelhof: Raus nur noch zum Arbeiten
       
       Auf einem Hof des Spargelbauern Thiermann sind 130 Beschäftigte infiziert.
       Nun sind alle 1.000 Mitarbeiter*innen in Arbeitsquarantäne.
       
 (DIR) „Arbeitsquarantäne“ auf Spargelhof: Wie Vieh gehalten
       
       Auf einem Spargelhof werden Erntehelfer:innen nach einem
       Corona-Ausbruch in ihren Unterkünften eingesperrt. Nur zum Arbeiten dürfen
       sie raus.
       
 (DIR) PR der Agrarministerin zu Erntehelfern: Klöckner führt Medien in die Irre
       
       Die CDU-Politikerin suggeriert, dass in der Coronawelle eine
       Krankenversicherung für die Arbeiter garantiert sei. Mehrere Medien fallen
       darauf herein.