# taz.de -- Iran will Uran auf 60 Prozent anreichern: Dicke Luft bei Atomgesprächen
       
       > Die Atomgespräche in Wien sollen am Donnerstag fortgesetzt werden. Doch
       > der iranische Präsident sieht sich bereits über den Tisch gezogen.
       
 (IMG) Bild: Der iranische Präsident Hassan Ruhani bei einer Pressekonferenz am Dienstag
       
       Dubai ap/dpa | Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die Entscheidung
       seines Landes zur Urananreicherung auf 60 Prozent als Reaktion auf die
       Boshaftigkeit des Westens bezeichnet. Ruhani sagte am Mittwoch während
       einer Kabinettssitzung, die Unterhändler bei den Atomgesprächen in Wien
       hätten versucht, den Iran über den Tisch zu ziehen.
       
       „Die Anreicherung von 60 Prozent ist die Antwort auf eure Boshaftigkeit“,
       sagte Ruhani. „Wir haben eure Hände abgeschnitten, eine mit den
       IR-6-Zentrifugen und die andere mit den 60 Prozent.“ IR-6-Zentrifugen
       können Uran deutlicher schneller anreichern als die Zentrifugen der ersten
       Generation IR-1.
       
       Der Iran hat am Dienstag einen Anreicherungsgrad von 60 Prozent
       angekündigt, nachdem am Wochenende [1][ein mutmaßlicher Sabotageangriff auf
       die iranische Atomanlage in Natans] verübt worden war. Ein
       Anreicherungsgrad von 60 Prozent wäre der höchste, den das iranische
       Atomprogramm je angestrebt hat. Bislang wird das Uran auf bis zu 20 Prozent
       angereichert.
       
       Das 2015 geschlossene Atomabkommen gestattet dem Land lediglich eine
       Urananreicherung von 3,67 Prozent für eine zivile Nutzung von Atomenergie.
       Bereits im Januar hatte der Iran aber mit der Erhöhung der Urananreicherung
       auf 20 Prozent begonnen. Der Schwellenwert der Urananreicherung für eine
       militärische Nutzung von Atomkraft liegt bei 90 Prozent.
       
       ## Atomgespräche auf Donnerstag vertagt
       
       Unterdessen wurde die ursprünglich für Mittwoch geplante Fortsetzung der
       Wiener Gespräche über eine Wiederbelebung des Atomabkommens mit dem Iran
       nach Angaben Russlands um einen Tag verschoben. Die Verhandlungen würden
       „am 15. April in physischem Format“ fortgesetzt, schrieb der russische
       UN-Botschafter Michail Uljanow am Dienstag auf Twitter. Es bestehe „kein
       Zweifel“ daran, dass dann auch über „die jüngsten Maßnahmen des Iran im
       Nuklearbereich“ beraten werde.
       
       Die neue US-Regierung von Präsident Joe Biden hat sich grundsätzlich zu
       neuen Verhandlungen mit dem Iran bereit gezeigt. Zum Start der Gespräche in
       der vergangenen Woche über das Atomabkommen waren US-Diplomaten in
       separaten Gesprächen in die Beratungen eingebunden, saßen aber nicht mit
       den Vertretern aus Teheran an einem Tisch.
       
       14 Apr 2021
       
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