# taz.de -- Ausbeutung von Feldarbeiter*innen: Wettbewerbsvorteil durch Fairness
       
       > Die deutsche Landwirtschaft hat ein Ausbeutungsproblem. Gute
       > Arbeitsbedingungen würden die Produkte nur centweise verteuern.
       
 (IMG) Bild: Erntehelfer*innen schuften unter problematischen Bedingungen (Archivbild)
       
       Immer wieder beuten [1][deutsche Landwirt*innen osteuropäische
       Arbeiter*innen aus]. Manche Erntehelfer bekommen nur auf dem Papier den
       vorgeschriebenen Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde, sie werden
       beschimpft und herumgeschubst. Solche Vorwürfe erheben aktuell in der taz
       Rumänen gegen eine Baumschule. Gewerkschafter dokumentieren jedes Jahr eine
       ganze Reihe ähnlicher Fälle etwa auf Spargelhöfen.
       
       Zwar lassen sich Verstöße zum Beispiel wegen fehlender Stundenzettel oft
       schwer nachweisen. Häufig wissen Arbeiter auch nicht, wie viel sie gemäß
       deutschen Gesetzen bekommen müssten. Aber die Regelmäßigkeit, mit der die
       immer gleichen Vorwürfe erhoben werden, zeigt: [2][Die deutsche
       Landwirtschaft hat ein Ausbeutungsproblem].
       
       Deshalb sollte der Staat den Betrieben vorschreiben, jedem Beschäftigten
       einen Arbeitsvertrag auszuhändigen. Und zwar in einer Sprache, die der
       Arbeiter auch versteht. Nötig ist auch eine transparente Zeiterfassung.
       Während der Coronapandemie müssen alle Alleinreisenden in Einzelzimmern
       untergebracht werden.
       
       ## Saisonkräfte sozialversichern
       
       Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) kämpft aber lieber dafür, dass
       Landwirte ihre Saisonkräfte in diesem Jahr 115 und nicht nur wie sonst 70
       Tage ohne reguläre Sozialversicherung beschäftigen dürfen. Klöckner
       begründet das mit dem Schutz vor Corona, denn dann würden Arbeiter wohl
       länger auf einem Hof bleiben, und es gäbe weniger Reisen.
       
       Da ist Misstrauen angebracht: Wenn es Klöckner wirklich um den
       Infektionsschutz ginge, würde sie beispielsweise erst einmal eine
       Einzelzimmerpflicht durchsetzen. Wichtiger wird ihr sein, dass sich die
       Branche Beiträge etwa zur Krankenversicherung spart. Das schadet dem
       Gemeinwesen und auch manchen Arbeitern, deren Betriebe keine ausreichende
       private Krankenversicherung abschließen.
       
       Die Mehrkosten für eine reguläre Sozialversicherung halten sich in Grenzen.
       Das Kilogramm Spargel etwa wäre Gewerkschaftern zufolge nur wenige Cent
       teurer. Statt weiter für Ausbeuter in ihren Reihen zu lobbyieren, sollten
       die deutschen Bauern alle Saisonkräfte sozialversichern, fair bezahlen und
       damit werben. Faire Arbeitsbedingungen, regionale Ware – das wären echte
       Wettbewerbsvorteile etwa gegenüber Konkurrenten aus Spanien.
       
       22 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Jost Maurin
       
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