# taz.de -- Widerstand gegen Militärputsch in Myanmar: Weitere Tote bei Protesten
       
       > Seit Beginn des Putsches sollen insgesamt mehr als 230 Menschen ums Leben
       > gekommen sein. Die Einwohner Yangons fliehen vor der Gewalt aus der
       > Metropole.
       
 (IMG) Bild: Die Demokratiebewegung in Myanmar braucht Hilfe, sonst geht sie unter: Protestaktion am Freitag, den 19. März in Nyaung-U
       
       Yangon dpa/rtr/afp | [1][Bei Protesten gegen den Militärputsch in Myanmar]
       sind nach Berichten von örtlichen Medien und Augenzeugen erneut mehrere
       Menschen ums Leben gekommen. Sicherheitskräfte hätten am späten
       Freitagabend in der einstigen Hauptstadt Yangon (früher: Rangun) Schüsse
       abgefeuert und mindestens einen Menschen getötet, berichtete eine
       Anwohnerin am Samstag. Drei weitere Personen seien schwer verletzt worden.
       „Das sind keine Soldaten oder Polizisten mehr, das sind Terroristen“,
       kommentierte ein Demonstrant die jüngsten Ereignisse in Yangon.
       
       Am Samstag wurden zudem zwei Menschen in dem für seine Rubinminen bekannten
       Ort Mogok getötet, als Soldaten dort das Feuer eröffneten, wie das
       Nachrichtenportal Myanmar Now meldete. In der zweitgrößten Stadt Mandalay
       wurden nach Angaben eines lokalen Nachrichtenportals mehrere Demonstranten
       verletzt, als ein Fahrzeug aus ungeklärten Gründen in die Menge fuhr und
       die Polizei Gummigeschosse einsetzte. Auch aus mehreren anderen Orten
       wurden meist kleinere Proteste gemeldet, etwa aus Kyaukme, Hsipaw, Hpa-an,
       Myawaddy, Labutta, Myeik und Yay Oo.
       
       In der südlichen Küstenstadt Dawei fuhren Menschen mit Plakaten der
       abgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi durch die Straßen.
       Zu sehen waren in der Stadt auch Banner mit der Aufschrift: „Beendet die
       Diktatur“. Einige Demonstranten trugen provisorische Schilde, auf denen die
       Aufschrift „Schützt bewaffnete Zivilisten“ zu sehen war.
       
       Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation AAPP wurden seit dem Putsch
       Anfang Februar bereits 235 Menschen getötet und mehr als 2300 zumindest
       vorübergehend festgenommen.
       
       Wegen der zunehmenden Gewalt der Sicherheitskräfte haben die Demonstranten
       ihre Taktik angepasst. Manchmal versammeln sie sich nachts mit Kerzen und
       Plakaten, fotografieren die Aktion und ziehen dann wieder ab. Oder sie
       inszenieren „unbemannte Proteste“, bei denen sie reihenweise Plakate
       aufhängen, auf denen Botschaften zu lesen sind wie: „Wir werden niemals
       aufhören, solange wir keine Demokratie bekommen“.
       
       „Wir protestieren, wenn keine Polizei oder Militärs da sind. Und wenn wir
       sie kommen hören, verschwinden wir schnell“, sagte Aktivist Kyaw Min Htike
       der Nachrichtenagentur reuters. „Ich will keinen einzigen meiner Kameraden
       verlieren. Aber wir werden auf jede uns mögliche Art protestieren, bis
       unsere Revolution die Oberhand gewinnt.“
       
       Das brutale Vorgehen der Junta in Myanmar treibt aber auch immer mehr
       Einwohner der Handelsmetropole Yangon in die Flucht. Örtliche Medien
       veröffentlichten am Freitag Bilder eines Mega-Staus auf einer
       Haupt-Ausfallstraße nördlich von Yangon.
       
       Mehrere Einwohner berichteten der Nachrichtenagentur afp, sie hätten Yangon
       aus Angst vor der Gewalt verlassen. Andere bereiteten ihre Flucht in
       ländliche Regionen vor. „Ich fühle mich nicht mehr sicher, in manchen
       Nächten kann ich nicht einmal schlafen“, sagte eine Bewohnerin von Yangon.
       „Ich habe Angst, dass als Nächstes das Schlimmste passiert.“
       
       Ein 29-jähriger Goldschmied berichtete afp per Telefon, er habe die Stadt
       bereits verlassen. „Es war zu qualvoll zu bleiben“, sagte er mit Blick auf
       das brutale Vorgehen der Junta.
       
       In der an Myanmar angrenzenden thailändischen Provinz Tak bereiteten die
       Behörden unterdessen Notunterkünfte für Flüchtlinge vor. Seine Provinz sei
       in der Lage, zwischen 30.000 und 50.000 Menschen aufzunehmen, sagte
       Gouverneur Pongrat Piromat. Etwa 90.000 Flüchtlinge aus Myanmar leben
       bereits in der durchlässigen Grenzregion, sie waren vor [2][dem seit
       Jahrzehnten anhaltenden Bürgerkrieg zwischen dem Militär und bewaffneten
       Gruppen ethnischer Minderheiten] geflohen.
       
       ## Reporter der BBC von „Unbekannten“ verschleppt
       
       Die Militärführung [3][schränkt auch die Pressefreiheit massiv ein]. Die
       britische BBC teilte am Freitag mit, ihr Reporter Aung Thura sei bei einer
       Reportage vor einem Gerichtsgebäude in der Hauptstadt Naypyidaw von
       „unbekannten Männern“ verschleppt worden. Der myanmarische Journalist
       arbeitet für das lokale Programm des Senders.
       
       Die BBC rief die Behörden in Myanmar auf, dabei zu helfen, den Kontakt zu
       ihrem vermissten Reporter herzustellen und zu bestätigen, „dass er in
       Sicherheit ist“. Nach Angaben der myanmarischen Nachrichtenwebsite
       „Mizzima“ wurde einer ihrer Reporter, Than Htike Aung, zusammen mit Aung
       Thura in Naypyidaw festgenommen.
       
       Das Militär hatte nach dem Putsch die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi in
       Gewahrsam genommen und einen einjährigen Ausnahmezustand verhängt. Die
       Demonstranten fordern die Rückkehr zu demokratischen Reformen, die
       Freilassung der unter Hausarrest gestellten Suu Kyi und die
       Wiedereinsetzung ihrer zivilen Regierung. Die 75-Jährige hatte die
       Parlamentswahl im November klar gewonnen.
       
       Der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Myanmar, Tom
       Andrews, warnte die Junta am Samstag, sie könne eine Bevölkerung nicht
       besiegen, die „in friedlichem Widerstand vereint ist“. Die Junta sei
       „verzweifelt“ und versuche durch „rücksichtslose Angriffe eine gewaltsame
       Antwort“ der Bevölkerung provozieren, um „noch mehr Gewalt zu
       rechtfertigen“, twitterte Andrews. „Es funktioniert nicht. Die Welt muss
       reagieren, indem sie ihren Zugang zu Geld und Waffen unterbricht. Jetzt“,
       forderte er.
       
       [4][Wegen des Militärputsches will die EU unterdessen erstmals Sanktionen
       verhängen]. Wie afp von Diplomaten erfuhr, sollen elf Militär- und
       Polizeivertreter auf die Sanktionsliste gesetzt werden. Diese soll beim
       Treffen der EU-Außenminister am Montag endgültig beschlossen werden. Die
       Betroffenen werden mit Einreiseverboten belegt und mögliche Vermögen in der
       EU eingefroren. Gleichfalls geplante Sanktionen gegen vom Militär
       kontrollierte Firmen wird es wegen rechtlicher Probleme dagegen erst im
       April geben.
       
       20 Mar 2021
       
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