# taz.de -- Schrumpfen der Wälder: Krankheiten durch Abholzung
       
       > Die Urwaldzerstörung geht weiter und ebnet neuen Infektionskrankheiten
       > den Weg. Dabei könnte echter Waldschutz künftige Pandemien verhindern.
       
 (IMG) Bild: Ursprung von Pandemien: Weltweit wurden 2020 4,2 Millionen Hektar Urwald zerstört
       
       Es ist eine Nachricht, bei der eher das Gegenteil eine Überraschung gewesen
       wäre: [1][Weltweit sind im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Hektar Urwald
       zerstört worden], vor allem in [2][Brasilien], der Demokratischen Republik
       Kongo und Bolivien. Die Waldzerstörung wird leider nicht durch eine
       Pandemie gestoppt, könnte das Fazit sein – schlecht fürs Klima.
       
       Doch diesmal reicht dieses bittere Fazit nicht. Die Zerstörung dieser
       Wälder ist ein Warnzeichen und ein Signal, aktiv zu werden und diese
       Zerstörung zu stoppen. Dringend. Denn hier, in den Wäldern, nehmen Zoonosen
       – Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragbar sind – häufig ihren
       Anfang. Darunter sind Krankheiten, die sich durch die Globalisierung
       weltweit verbreiten und weltweit Lebensgefahr für die Menschheit bedeuten
       können. Das Coronavrus könnte hier nur die Vorhut gewesen sein.
       
       Dabei ist es nicht so, dass Zoonosen nur im Urwald entstehen; die
       Lungenkrankheit Mers überträgt sich durch Dromedare. Oder dass die
       Interaktion Mensch – Wald automatisch zu neuen Zoonosen führt. Wäre es so,
       wären alle indigenen Völker und Waldnutzer*innen in den Urwäldern eine
       Bedrohung als potenzielle Überträger*innen neuer Zoonosen. Sie sind es
       offenbar nicht. Der Unterschied: Sie leben nicht primär von, sondern mit
       dem Wald.
       
       Klar ist aber, dass die Zerstörung von Urwäldern neuen
       Infektionskrankheiten den Weg ebnet. Wer abholzt, abbrennt, Straßen in
       diese Wälder schlägt, heizt nicht nur das Klima auf, der setzt auch
       komplexe Ökosysteme unter Druck. Wildtiere, vom Insekt bis zum Säugetier,
       verlieren Territorien, Fressfeinde und Wirte. Sie und ihre Viren,
       Bakterien, Pilze finden neue – durch den Kontakt mit Menschen, der sie
       isst, nutzt oder einfach nur trifft.
       
       Diese neuen Krankheiten werden sich verbreiten und wohl nicht mehr
       verschwinden. Längst wird angesichts ihrer wachsenden Zahl nicht mehr von
       einer Pandemie gesprochen, sondern von einer Ära der Pandemien. Man kann
       sie bekämpfen, mit Medikamenten oder Impfungen. Oder in ihrem Ursprung: mit
       einer Ära des Waldschutzes.
       
       1 Apr 2021
       
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