# taz.de -- Flensburg-Handewitt besiegt THW Kiel: Handballer in der Gefahrenzone
       
       > Die SG Flensburg-Handewitt übernimmt mit einem Sieg im Derby gegen Kiel
       > die Tabellenführung. Kiels Coach Jicha warnt vor Überlastung der Spieler.
       
 (IMG) Bild: Hohes Niveau: Magnus Rod (links) und Kiels Magnus Landin kämpfen um den Ball
       
       Flensburg taz | In der 21. Minute betraten zwei Spieler das Feld der
       Flensburger Halle, deren Namen hier Geschichte geschrieben haben. Auf
       Flensburger Seite sollte der neunzehnjährige Magnus Holpert,
       Rückraumnachwuchs und Sohn von Torwart-Legende Jan Holpert, seine arg
       strapazierten Kollegen für ein paar Minuten entlasten. Der THW wechselte
       zeitgleich den 23 Jahre älteren Mattias Anderson ein, der weit über 300
       Spiele als Torwart für die SG bestritten hat, jetzt eigentlich als
       Torwarttrainer der Kieler arbeitet, aber aufgrund der Quarantäne von
       Stammtorwart Niklas Ladin reaktiviert wurde.
       
       Das Wort „Quarantäne“ prägte die Vorberichte mehr als ruhmreiche
       Spielernamen. Die komplette SG-Mannschaft durfte nach einem positiven Test
       erst seit Montag wieder trainieren. Die dänischen Nationalspieler Simon
       Hald und Mads Mensah Larsen standen wie ihr Kieler Kollege Landin aufgrund
       der Quarantäne der dänischen Nationalmannschaft immer noch nicht zur
       Verfügung. Da drei weitere Spieler verletzt ausfielen, konnte die SG nur
       zwölf der 16 möglichen Kaderplätze besetzen.
       
       In der 104. Auflage fand das Landesderby erstmals vor fast leeren Rängen
       statt. Dass es in dieser Kultstätte des Zuschauersports trotzdem alles
       andere als still war, lag vor allem an dem Dutzend Aufbauhelfer:innen, das
       während des Spiels zur Trommelbrigade umfunktioniert wurde.
       
       Trotz Quarantäneärger, Verletzungspech und Fanabstinenz zeigten beide
       Mannschaften von der ersten Minute ein packendes und faires Spitzenspiel.
       Dabei verkrafteten die Flensburger den Ausfall ihrer fünf Stammkräfte
       besser als die Kieler den einen von Niklas Landin. Der Welthandballer hatte
       die Flensburger bei der Niederlage im Hinspiel zur Verzweiflung gebracht.
       Am Samstag erzielten sie bis zur Einwechslung von Andersson nach einem
       Drittel der Spielzeit schon dreizehn Treffer, an die Ersatztorwart Dario
       Quenstedt keinen Finger brachte.
       
       Beide Mannschaften verfügen über überragende Rückraumspieler, die den
       Welthandball prägen. Doch während die Last bei den Kielern zu stark auf den
       Schultern des Norwegers Sander Sagosen lag, der allein neun Tore warf,
       erzielte auf der anderen Seite der schwedische Spielmacher Jim Gottfridsson
       nicht nur sieben eigene Treffer, sondern spielte auch immer wieder
       Linksaußen Hampus Wanne (zehn Tore) und Kreisläufer Johannes Golla (fünf
       Tore) erfolgreich an. Die kampfstarke Flensburger 6:0-Deckung hielt trotzt
       fehlender Verschnaufpausen den Kieler Kreis in Schach, während die
       offensiver ausgerichtete Kieler Abwehr dadurch geschwächt wurde, dass sich
       Nationalspieler Hendrik Pekeler den Fuß vertrat und kaum noch eingesetzt
       werden konnte.
       
       Nach dem Spiel sprach der Kieler Coach Filip Jicha von „schlauen“
       Flensburgern, die verhindert hätten, dass sein Team zum gewohnten Spiel
       kam. Jicha hatte sich unter der Woche wie andere Experten Sorgen um die
       Gesundheit der Spitzenspieler gemacht, da der Terminplan in der Liga nach
       zahlreichen Corona-bedingten Spielausfällen immer enger wird.
       
       Obwohl am Samstag offiziell der 23. Spieltag anstand, haben beide Teams
       erst 19 Spiele absolviert. Bis Ende Juni müssen neben weiteren 19
       Ligaspielen noch die Champions League und zwei Länderspiele absolviert
       werden. Die Terminhatz werde „definitiv Spuren hinterlassen und
       hintenheraus manche Profikarrieren sicherlich etwas abkürzen“, hatte Jicha
       gesagt und war dafür von den Liga-Bossen Frank Bohmann und Uwe Schwenker
       kritisiert worden.
       
       Angesichts der nervlich, zeitlich und gesundheitlich angespannten Lage
       bedeutet der Sieg der Flensburger, die jetzt mit einem Punkt Vorsprung die
       Tabelle anführen, keine Vorentscheidung für den Meisterschaftskampf. Der
       Terminplan verkraftet keine weiteren Ausfälle mehr, die durchaus möglich
       sind.
       
       Schon Mitte dieser Woche müssen die Kieler und Flensburger im Achtelfinale
       der Champions League bei Pick Szeged in Ungarn und beim HC Zagreb in
       Kroatien antreten.
       
       29 Mar 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Lorenzen
       
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