# taz.de -- Corona-Demos in Berlin: Querdenkende machen 'ne Welle
       
       > Coronaleugner*innen und Rechtsextreme werden am Wochenende in
       > Berlin demonstrieren. Linke Gegenproteste sind schon angekündigt.
       
 (IMG) Bild: Autocorso von CoronaleugnerInnen am vergangenen Samstag in Berlin
       
       Berlin taz | Während die dritte Coronawelle durchs Land rollt, ist für die
       Verschwörungsgläubigen spätestens seit vergangenem Wochenende die zweite
       Welle angebrochen. Nach dem Abflauen der Proteste zum Ende des vergangenen
       Jahres und einem eher ruhigen Winter ist die Bewegung wieder mit mehr
       Menschen – und womöglich [1][noch mehr Radikalität zurück auf den Straßen].
       
       In fünf Städten mobilisierte die Szene am vergangenen Samstag eine
       vierstellige Anzahl an Teilnehmer*innen, darunter etwa 1.000 zum
       Bundesgesundheitsministerium in der Friedrichstraße. Der Versuch eines
       Spontanaufzugs wurde – anders als in Dresden, wo es auch zu massiven
       Angriffen auf Polizist*innen kam –gestoppt. Bei einer weiteren
       Kundgebung am Alexanderplatz mussten Journalist*innen nach Angriffen
       durch Reichsbürger ihre Arbeit einstellen.
       
       Laut „Querdenken“-Markenbesitzer Michael Ballweg will die Bewegung einen
       „heißen Frühling“ einleiten und sich auch über etwaige Demoverbote
       hinwegsetzen. Für Berlin plant die überregionale Struktur aus Stuttgart
       bislang zwei Großdemos: zu den Jahrestagen der größten Aufmärsche des
       vergangenen Jahres, am 1. und 29. August. Am Samstag will „Querdenken“ in
       Kassel auflaufen, zu einer Beteiligung ruft auch der Berliner Ableger auf.
       
       Weniger reisefreudigen Kadern rät die Organisation dazu, nach Potsdam
       auszuweichen. An einer dortigen Kundgebung wollen auch weitere Berliner
       Gruppen teilnehmen, etwa „Christen im Widerstand“, „Corona Rebellen“,
       „Freedom Parade“ oder „Schweigemarsch“. Was nach großer Einigkeit aussieht,
       ist aber das Gegenteil. Die Flucht aus Berlin ist eine Reaktion auf einen
       Aufruf von Rechtsextremen, Hooligans und Reichsbürger-Gruppen zu einer
       Demonstration, die ab Samstag früh in Mitte unter dem bei „Querdenken“
       eigentlich anschlussfähigen Titel „Frieden, Freiheit, Souveränität“
       stattfinden soll.
       
       ## Kein großes Bündnis
       
       Für die Rechten, etwa von der „Patriotic Opposition Europe“, die in der
       Vergangenheit als gern gesehene Verbündete und auch schon mit eigenem Wagen
       an „Querdenken“-Demos teilnahmen, ist die Absage der anderen Fraktionen
       eine Niederlage – eine, die auch sichtbar werden dürfte. So schreibt das
       Fachportal Belltower News: „Was zunächst wie ein großes Bündnis aussieht,
       entwickelt sich aber bei näherem Hinschauen zu einem Scheinriesen.“
       
       Viele der 20 aufrufenden Gruppen sind wie Bärgida kaum aktiv oder reine
       Internetphänomene. Berlins Verfassungsschutzpräsident Michael Fischer fühlt
       sich dennoch an die Mobilisierung zum 3. Oktober 2019 erinnert, als 1.700
       Rechte demonstrierten.
       
       Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus erwartet einen „kleineren
       Aufmarsch“ – vermutlich im niedrigen bis mittleren dreistelligen
       Teilnehmerbereich –, der in einer langen Abschlusskundgebung auf dem Platz
       der Republik enden wird. Zusätzlich soll es noch einen Autokorso geben, der
       sich morgens in Zeuthen sammeln und dann in die Innenstadt fahren will.
       Über den Winter hinweg waren Autokarawanen das Mittel der Wahl von Berlins
       Verschwörerspektrum. Stundenlange Fahrten mit Lautsprecherdurchsagen gab es
       zuletzt wöchentlich im Westen, Osten und Süden der Stadt.
       
       Linke Gegendemonstrant*innen versuchten wiederholt, sich mit
       Fahrraddemos dagegenzustellen. Auch am Samstag soll ein mittags startender
       Fahrradkorso den Protest ins Regierungsviertel bringen. Bereits 10.30 Uhr
       wollen sich linke Jugendverbände und antifaschistische Initiativen an der
       Ecke Friedrichstraße/Unter den Linden zu einer Gegendemo treffen.
       
       18 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Erik Peter
       
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