# taz.de -- Sind die Linken regierungswillig?: Gemeinsam Brötchen backen
       
       > Es gibt nach dem Parteitag Indizien, dass Rot-Rot-Grün gelingen kann. Das
       > bei Linken ausgeprägte Freund-Feind-Denken rückt in den Hintergrund.
       
 (IMG) Bild: Wollen sie regieren oder recht haben?
       
       Bäckereien sind beliebt in der Linken. „Wir wollen nicht nur ein paar
       Brötchen, wir wollen die ganze Bäckerei“, heißt es oft. Das soll den
       radikalen Gestaltungsanspruch der Partei untermauern. In einigen
       Bundesländern betreibt sie bereits einen Backshop – jeweils im Verbund mit
       SPD und Grünen. Was man dort backt, kommt gut an – der Mietendeckel etwa
       oder kostenlose Kitas.
       
       Aber [1][kann so ein gemeinsamer Backshop auch im Bund funktionieren], wenn
       in der Auslage nicht nur eine Erhöhung von Hartz IV und ein kostenloser
       Nahverkehr, sondern der Abzug aller deutschen Soldaten von
       Auslandseinsätzen liegt?
       
       Ja, er kann funktionieren. Es kommt darauf an, wie hoch der Preis ist. Im
       Moment treibt ein Teil der Linken den ziemlich hoch. [2][Keine
       Blauhelmeinsätze mit deutscher Beteiligung, sofortige Auflösung der Nato],
       sonst geht gar nichts mit uns, so die Botschaft. Für Grüne und SPD kein
       ernst zu nehmendes Angebot.
       
       Für die Linke wird es darauf ankommen, Einstiege zu formulieren, die
       geeignet sind, ihre außenpolitischen Grundsätze langfristig zu
       verwirklichen. Deren Grundrichtung ist ja vollkommen richtig, nämlich
       Konflikte gewaltfrei zu lösen. Erste Schritte, über die man sich auch mit
       Grünen und SPD verständigen kann, wären etwa, mehr Geld in die
       Entwicklungshilfe zu stecken und Abrüstung zu fördern.
       
       Es gibt nach diesem Parteitag ein paar ermutigende Indizien, dass das
       gelingen kann. Zum einen haben sich jene Kräfte im Vorstand durchgesetzt,
       die Themen nicht gegeneinander stellen, sondern sie vor allem miteinander
       diskutieren wollen. Das gerade bei Linken ausgeprägte Freund-Feind-Denken
       rückt in den Hintergrund, stattdessen suchen sie das Verbindende.
       
       Zum anderen tauchte die für die Linken wichtige Friedensfrage in vielen
       Bewerbungsreden nur am Rande auf. Wichtiger sind der neuen Generation der
       Kampf gegen den Klimawandel und für soziale Gerechtigkeit.
       
       Bei beiden Themen gibt es mit SPD und Grünen viel größere Überschneidungen.
       Ob man hier ins Geschäft kommt, wird weniger von der Linken abhängen als
       von Grünen und SPD. Beide strahlen derzeit wenig Lust aus, gemeinsam mit
       der Linken Teig zu kneten. Die Grünen zieht es sogar offensichtlich
       Richtung Union. Als Entschuldigung für die enttäuschte Basis kann man ja
       dann immer noch auf die bornierte Linke verweisen. Das wäre sehr bequem. So
       einfach sollte es die Linke den Grünen dann nicht machen.
       
       28 Feb 2021
       
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