# taz.de -- Festnahme in den USA: Frau von „El Chapo“ in Haft
       
       > Die Ehefrau des mexikanischen Drogenkartellbosses Joaquín „El Chapo“
       > Guzmán wird festgenommen. Emma Coronel war auch im Drogengeschäft aktiv.
       
 (IMG) Bild: Emma Coronel, hier während des Prozesses gegen ihren Ehemann in New York 2019
       
       Washington ap | Die Frau des mexikanischen Drogenbarons Joaquín „El Chapo“
       Guzmán ist in den USA verhaftet worden. Emma Coronel Aispuro sei am Montag
       am Flughafen Washington Dulles im Staat Virgina wegen Vorwürfen des
       internationalen Rauschgifthandels festgesetzt worden, gab das
       US-Justizministerium bekannt.
       
       Die 31-Jährige hat sowohl die mexikanische als auch die US-amerikanische
       Staatsbürgerschaft. Am Dienstag soll sie virtuell vor einem Bundesgericht
       in Washington erscheinen. Coronel wird vorgeworfen, ihrem inzwischen
       inhaftierten Ehemann bei der Führung seines milliardenschweren
       Drogenkartells geholfen zu haben. Sie soll sich an einem Komplott zum
       Schmuggel von Kokain, Meth, Heroin und Marihuana in die USA beteiligt
       haben, hieß es.
       
       Zudem habe Coronel 2015 Guzmáns spektakuläre Flucht aus einem mexikanischen
       Gefängnis mit ausgeheckt. Der Ablauf des Ausbruchs genießt einen
       zweifelhaften Legendenstatus: Guzmán türmte durch eine Öffnung unter seiner
       Dusche in der Zelle und gelangte dann über einen 1,6 Kilometer langen
       Tunnel, der eigens für ihn mit einem Motorrad auf Schienen ausgestattet
       war, aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano in die Freiheit.
       
       Die Vorbereitungen seiner Flucht seien nicht nur akribisch, sondern auch
       teuer gewesen, erklärten Staatsanwälte. Und seine Frau habe bei alledem
       eine Schlüsselrolle gespielt. So soll sie mit Guzmáns Söhnen und einem
       Zeugen zusammengearbeitet haben, der mittlerweile mit den US-Behörden
       kooperiert. Es sei darum gegangen, den Tunnelbau einzufädeln. Teil des
       Plans war auch der Kauf eines Grundstücks nahe der Haftanstalt sowie Waffen
       und eines gepanzerten Lastwagens. Guzmáns Handlanger hätten ihm zudem eine
       Navigationsuhr zugespielt, „um seinen genauen Standort zu bestimmen und so
       den Tunnel mit einem Einstiegspunkt zu konstruieren, der für ihn
       zugänglich“ gewesen sei, hieß es in den Akten.
       
       Nachdem er der Polizei später wieder ins Netz ging, soll seine Frau an
       „Planungen eines weiteren Gefängnisausbruchs beteiligt“ gewesen sein, wie
       das Justizministerium weiter mitteilte. Zugleich soll sie die mexikanische
       Regierung gedrängt haben, die Haftbedingungen für ihren Mann zu verbessern.
       
       Guzmán wurde im Januar 2017 an die USA ausgeliefert, wo er 2019 [1][zu
       lebenslanger Haft verurteilt] wurde. Eine Jury befand den heute 63-Jährigen
       in [2][einem der größten Drogenprozesse] der US-Geschichte in allen zehn
       Anklagepunkten für schuldig – darunter Beteiligung an einer
       Verbrecherorganisation, Herstellung und internationale Verbreitung von
       Kokain und Heroin sowie Geldwäsche und Schusswaffengebrauch. Er sitzt in
       einem Hochsicherheitsgefängnis in der Bergwüste des US-Bundesstaats
       Colorado ein. Regelmäßig hatte Coronel seinen Prozess besucht.
       
       Nach seiner Verurteilung startete Coronel eine Bekleidungslinie in seinem
       Namen. In ihrer Jugend war sie als Schönheitskönigin aktiv. Mit dem mehr
       als 30 Jahre älteren Guzmán soll sie seit mindestens 2007 zusammen sein,
       die beiden haben 2011 geborene Zwillingstöchter. Coronels Vater Inés
       Coronel Barreras ist ebenfalls in den Drogenhandel verstrickt. 2013 wurden
       er, einer seiner Söhne und andere Männer in einem Lager mit großen Mengen
       Marihuana verhaftet. Monate zuvor hatte das US-Finanzministerium wegen
       seiner Drogengeschäfte Sanktionen gegen Coronels Vater verhängt.
       
       [3][Guzmáns Sinaloa-Kartell] war während seiner 25 Jahre langen Herrschaft
       für den Schmuggel von Bergen von Kokain und anderen Drogen in die USA
       verantwortlich, wie aus jüngsten Gerichtsakten von Staatsanwälten
       hervorgeht. Demnach hatte seine „Armee der Killer“ auch den Befehl, jede
       Person zu entführen, zu foltern und zu ermorden, die ihm und seiner Bande
       in die Quere kam.
       
       Am Drogenhandel sei Guzmáns Frau beteiligt, „seit sie ein kleines Mädchen
       ist“, sagte Mike Vigil, früherer Chef für internationale Operationen bei
       der US-Anti-Drogen-Strafverfolgungsbehörde. „Sie kennt die inneren Abläufe
       des Sinaloa-Kartells.“ Es könnte sein, dass Coronel sich zur Kooperation
       mit den Behörden bereit erkläre, ergänzt Vigil. Eine große Motivation dafür
       seien ihre Zwillinge.
       
       23 Feb 2021
       
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