# taz.de -- Münchner Sicherheitskonferenz 2021: Im Westen nichts Neues
       
       > Klimakrise und Corona: Auch bei der Sicherheitskonferenz waren sie Thema.
       > Doch was bringt's, wenn Geld, das für die Bewältigung notwendig wäre,
       > weiter ans Militär geht.
       
 (IMG) Bild: Joe Bidens Treueschwüre hört man in Europa gerne – für Corona und globale Erhitzung sind ganz andere Dinge vonnöten
       
       Neben den Treueschwüren des neuen US-Präsidenten Joe Biden zur NATO
       beherrschten die globale Erhitzung und die Coronapandemie die gestrige
       „Münchner Sicherheitskonferenz“ (MSK). Themen, für die andere, sehr viel
       geeignetere Institutionen, Verhandlungsforen und internationale Verträge
       existieren, wie die UNO, die Weltgesundheitsorganisation oder das Pariser
       Klimaabkommen.
       
       Dennoch sei die globale Erhitzung ein Thema für die MSK, behauptete
       NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Denn sie bedrohe die militärische
       Sicherheit und sei daher eine Herausforderung für die NATO. Zum Einen, weil
       die steigenden Meeresspiegel die von Kriegsschiffen der NATO-Staaten
       benutzten Seehäfen und Militärbasen gefährden und diese daher umgerüstet
       werden müssen. Zum anderen sei wegen der versiegenden Flüsse Euphrat und
       Tigris, sowie anderer Binnengewässer im Irak, die Trinkwasserversorgung der
       NATO-Truppen gefährdet, die dort den vor drei Jahren angeblich schon einmal
       besiegten Islamischen Staat bekämpfen.
       
       Durch die am Donnerstag von den 28 Militärministern beschlossene
       Aufstockung dieser NATO-Mission von 500 auf bis zu 4.000 Soldaten –
       darunter auch der Bundeswehr – ist die Herausforderung der
       Trinkwasserversorgung noch größer geworden.
       
       Zur Absicherung seiner Expertise schob der NATO-Generalsekretär dann noch
       die Behauptung nach, er sei einmal Sonderbeauftrager der UNO für
       Klimafragen gewesen. Leider bot das rein virtuelle Format dieser MRK keine
       Möglichkeit zu kritischen Nachfragen an den führenden Klimaexperten der
       NATO.
       
       Die zweite Erkenntnis dieser MRK: Eine erfolgreiche Eindämmung oder gar
       Überwindung der Coronapandemie wird es in absehbarer Zeit nicht geben.
       
       Zwar machten der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros
       Ghebreyesus, und UNO-Generalsekretär Antonio Guterres mit wenigen Zahlen
       und Fakten klar, dass die Produktion und die Verteilung von
       Corona-Impfstoffen weiterhin meilenweit hinter dem globalen Bedarf
       zurückfallen. Doch Biden, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs
       Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson
       begnügten sich mit Selbstlob [1][für ihre bereits zuvor beim G-7-Gipfel
       gemachten Zusagen von ein paar Milliarden Dollar] und Euro mehr für die
       völlig unzureichende COVAC-Initiative.
       
       ## Einziger Hoffnungsschimmer: John Kerrys Rede
       
       Doch die inzwischen von über 120 Ländern geforderte Aussetzung der Patente
       westlicher Pharmakonzerne, die unerlässlich ist für eine schnelle, global
       ausreichende Produktion und gerechte Verteilung von Corona-Impfstoffen
       werden diese Regierungen auch bei der nächsten Verhandlungsrunde in der
       Welthandelsorganisation am 16.März erneut blockieren. Die
       Impfstofflieferungen Russlands und Chinas an Länder von Iran, über Serbien,
       Ungarn bis nach Venezuela bewerteten die westlichen Regierungschefinnen
       hingegen lediglich negativ als Teil einer „geopolitischen Herausforderung“
       durch Moskau und Peking.
       
       Einzigen Anlass für zumindest etwas Hoffnung bot die Rede des
       Klimabeauftragten der Biden-Administration, John Kerry. Schonungslos
       kritisierte er [2][das bisherige Versagen des eigenen Landes] insbesondere
       in den vier Jahren der Trump-Administration und machte zugleich deutlich,
       das mit Ausnahme von zwei Ländern bislang keiner der 195 Vertragsstaaten
       des Pariser Abkommen im Zeitplan zur Erreichung der in Paris vereinbarten
       Ziele bis zum Jahr 2050 liegt.
       
       Die erforderlichen Maßnahmen zur Umsetzung dieser Zeile werden „Billionen“
       kosten, betonte Kerry. Und hier bleiben die Zweifel: Wenn die USA, die
       EU-Staaten, China, Russland und andere Länder bei ihren derzeitig noch
       gültigen militärischen Aufrüstungsprogrammen und Ausgabenplanungen bleiben,
       wird es die zur Erreichung der Pariser Klimaziele erforderlichen
       finanziellen Ressourcen nicht geben.
       
       20 Feb 2021
       
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 (DIR) Andreas Zumach
       
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