# taz.de -- Wilde Tiergeschichten aus Berlin-Pankow: Einfach einfangen? Ist nicht
       
       > Aus einem Damwildgehege büchsen immer wieder Tiere aus – bleiben aber
       > trotzdem in der Nähe. Einfangen lassen sie sich allerdings auch nicht.
       > Warum?
       
 (IMG) Bild: Sie sind noch drin: Damwild im Botanischen Volkspark
       
       Berlin taz | Der Botanische Volkspark im Norden Pankows ist wohl das, was
       man gemeinhin als „grünes Kleinod“ bezeichnet. Ihm fehlt trotz seiner über
       100-jährigen Geschichte die Grandeur des Botanischen Gartens im Südwesten
       Berlins: Neben einem – überschaubaren – Gewächshaus gibt es ein paar Teiche
       und Seen, Felder mit Sonnenblumen und Kürbissen im Spätsommer, exotische
       und heimische Sträucher.
       
       Dennoch ist der Parkplatz davor jedes Wochenende voll, die Anlage selbst
       bevölkert von meist jüngeren Kindern samt Eltern. Der Grund: Es gibt ein
       Damwildgehege mit einer kaum überschaubaren Anzahl von Tieren, die sich
       prima füttern lassen. Und nicht alle Damhirsche leben hinter dem Zaun. Wer
       Glück hat, kann beobachten, wie sich einer unters Publikum mischt, genau
       wie die Menschen auf der Suche nach Kontaktaufnahme mit den eingesperrten
       Exemplaren.
       
       Die Geschichte dahinter ist eine besondere, darauf weisen die Aushänge am
       Gehege hin. Auf keinen Fall, so wird darauf gewarnt, solle man dem freien
       Tier zu nahe kommen – gleichzeitig wird davon abgeraten, die
       Parkbetreiberin Grün Berlin GmbH, die Revierförsterei Pankow nebenan oder
       gar die Polizei in Kenntnis zu setzen. „Aus falsch verstandener Tierliebe“
       sei der Hirsch einst befreit worden. Dennoch die Botschaft: Alles in
       Ordnung.
       
       Aber warum wird das Tier nicht wieder eingefangen? Die ganze Angelegenheit
       sei kompliziert, wie Derk Ehlert erklärt. Laut dem Wildtierexperten im
       Dienst der Senatsumweltverwaltung handelt es sich nicht nur um ein Tier,
       sondern um mehrere. Wie viele aktuell, ist nicht ganz klar. „Und einfangen
       – das hört sich einfacher an, als es ist“, sagt Ehlert.
       
       ## Ein Seil kommt nicht infrage
       
       Mit einem Seil funktioniere das schon mal nicht. Deswegen habe man mehrfach
       versucht, ein Tor des Geheges aufzulassen und das Tier zurückzulotsen – das
       sei aber nur bei wenig Besucher*innen und vor allem keinen
       freilaufenden Hunden möglich. Trotzdem sei man damit schon erfolgreich
       gewesen. „Vor fünf Jahren haben wir sogar mal eine ganze Gruppe
       zurückgelockt.“
       
       Es handelt sich also um eine wiederkehrende Problematik, und nicht immer
       sind Tierschützer schuld, die meinen, den Damhirschen die Freiheit schenken
       zu müssen. „Es kam auch schon vor, dass für die Tiere durch einen Sturm die
       Möglichkeit bestand, das Gehege zu verlassen“, sagt Ehlert. Abhauen in die
       weite Welt wollen sie aber gar nicht. „Sie sind in dem Gehege zu Hause und
       wollen zurück zur Herde. Für einzelne Tiere ist das ganz dramatisch.“
       Deswegen kämen sie auch immer wieder ans Gatter, um mit den anderen Kontakt
       aufzunehmen.
       
       Es gibt aber auch noch ganz andere Exemplare. Denn auch freilebendes Wild
       würde angelockt, wie übrigens auch an anderen Gehegen im Berliner
       Stadtgebiet, etwa im Tegeler Forst. „Nur fällt das dort nicht so auf.“ Und
       die wilden Exemplare könne man nun wirklich nicht einfach so einfangen,
       betont Ehlert.
       
       Die Attraktion des wilden Wilds von Pankow, sie wird uns also noch eine
       Weile erhalten bleiben.
       
       12 Mar 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bert Schulz
       
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