# taz.de -- Die „Fünf Weisen“ und die Schulden: Von Merkel lernen
       
       > Die Personalie Lars Feld ist mehr als ein kleines Detail. Hier kündigt
       > sich bereits der Wahlkampf und die Frage an: Was wird aus der
       > Schuldenbremse?
       
 (IMG) Bild: Der Wahlkampf wirft seine Schatten voraus: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Februar in Berlin
       
       An sich ist es keine aufregende Nachricht, dass der [1][neoliberale Ökonom
       Lars Feld am Sonntag aus dem Kreis der „Fünf Weisen“] ausscheiden wird.
       Denn Feld hat dem Gremium bereits zehn Jahre lang angehört, was durchaus
       beachtlich ist. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der
       gesamtwirtschaftlichen Entwicklung existiert seit 1964, und nur wenige
       Mitglieder haben es auf längere Amtszeiten als Feld gebracht.
       
       Trotzdem wird Felds Abgang nun zum Politikum – weil sich Union und SPD
       nicht einigen konnten, wer der oder die nächste „Weise“ wird. Also bleibt
       der Stuhl vorerst leer. Die CDU hätte Feld gern eine weitere Amtszeit
       ermöglicht, während die SPD offenbar [2][Jens Südekum] berufen wollte.
       Südekum lehrt in Düsseldorf und wurde unter anderem bekannt, weil er die
       Schuldenbremse kritisiert. Er hält es für fatal, die staatlichen
       Coronakredite schnell zurückzuzahlen, weil dies garantiert eine neue
       Rezession auslösen würde: Sobald der Staat spart, fehlt es an Nachfrage.
       Feld hingegen ist der typische Neoliberale, der stets den Abbau staatlicher
       Schulden fordert.
       
       Die Personalie Feld ist also mehr als nur ein kleines Detail im breiten
       Strom der Regierungsarbeit: Hier kündigt sich bereits der Wahlkampf für den
       Bundestag an, der sich ganz entscheidend um die Frage drehen dürfte, was
       aus der [3][Schuldenbremse] wird. Denn die Coronaschulden, die sich derzeit
       auf etwa 400 Milliarden Euro summieren, lassen sich nicht einfach
       ignorieren.
       
       Viele Menschen fragen sich bis heute, wie es Angela Merkel bloß geschafft
       hat, 16 Jahre lang Kanzlerin zu bleiben. Dafür gibt es viele Gründe, aber
       entscheidend ist: Sie hat nie gespart. Denn, typisch Merkel, sie hat aus
       den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt: SPD-Kanzler Schröder und sein
       Finanzminister Eichel hatten so eifrig gekürzt, dass die Zahl der
       Arbeitslosen ständig stieg. Also wurden sie 2005 abgewählt. Es wäre eine
       ironische Volte der Geschichte, wenn es demnächst andersherum käme: Die SPD
       lernt von Merkel, während die Post-Merkel-CDU offenbar Schröders Fehler
       wiederholen will.
       
       24 Feb 2021
       
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