# taz.de -- Amtsenthebungsverfahren gegen Trump: Politischer Prozess
       
       > Trump tritt mit zweitklassigen Verteidigern zum Amtsenthebungsverfahren
       > an. In einem normalen Verfahren hätte er schon verloren.
       
 (IMG) Bild: Das Impeachmentverfahren gegen Donald Trump in Washington hat begonnen
       
       Wenn das [1][Impeachmentverfahren gegen Donald Trump] ein normales
       Gerichtsverfahren wäre, müsste man sich Sorgen um den Angeklagten machen.
       Die US-Gefängnisse sind voll mit Häftlingen, die vor allem wegen
       inkompetenter Verteidiger einsitzen.
       
       Hätten sich die juristisch, rhetorisch und emotional perfekt vorgetragenen
       Plädoyers der demokratischen Ankläger und die stotternden, inkohärenten
       Erwiderungen von [2][Trumps Verteidigern] am Dienstag vor einem normalen,
       unparteiischen Geschworenengericht zugetragen – die Jury hätte wohl
       einstimmig geurteilt. Aber 44 von 100 stimmten anders, die Geschworenen
       sind die Mitglieder des Senats.
       
       Die haben zwar alle einen Eid geschworen, unparteiisch die vorgelegten
       Beweise und Argumente zu bewerten, geben jedoch frappierend offen zu, dass
       sie das nicht tun werden. Das gilt übrigens für beide Seiten. Zwar dürfte
       es vollkommen unstrittig sein, dass [3][jener Mob, der am 6. Januar das
       Kapitol in Washington stürmte], sich von Trump dazu aufgefordert und
       ermächtigt fühlte.
       
       Dass Trump das aber tatsächlich auf strafbare Weise getan hat, wäre in
       einem ordentlichen Gerichtsverfahren schwer nachzuweisen. Und das ist im
       Übrigen auch gut so – denn es könnte schwere Folgen haben, wenn
       Aufrufer*innen zu „kämpferischen“ Demonstrationen künftig für mögliche
       Ausschreitungen der Demo-Teilnehmer*innen direkt zur Verantwortung gezogen
       werden könnten.
       
       Darüber würde in einem normalen Verfahren gesprochen werden, und die
       juristischen Argumente aller Seiten würden etwas bedeuten. Aber das
       Impeachmentverfahren ist politisch. Es geht insofern auch um politische
       Verantwortung, nicht zwingend um strafrechtliche.
       
       Aber das ist die nächste Sackgasse, denn fast die Hälfte der Geschworenen
       sitzt eigentlich mit auf der Anklagebank: all jene nämlich, die Trumps
       große Lüge vom Wahlbetrug so lange wiederholt und wütend zugespitzt haben,
       bis ein Mob sich berechtigt fühlte, gegen dieses „Verbrechen“ Gewalt
       anzuwenden. Sie werden sich nicht selbst verurteilen.
       
       10 Feb 2021
       
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