# taz.de -- Untersuchungsbericht zu Attentat in Wien: Nehammer unter Druck
       
       > Laut neuen Erkenntnissen muss Österreichs Innenminister Karl Nehammer von
       > den Absichten des Täters gewusst haben. Das Ministerium bestreitet das.
       
 (IMG) Bild: Soll was gewusst haben: Österreichs Innenminister Karl Nehammer
       
       Wien taz | Der Bericht einer Untersuchungskommission zur Klärung von
       möglichen Pannen im Vorfeld des Terroranschlags in Wien setzt Österreichs
       Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) unter Druck. Man habe zwar nicht „die
       Smoking Gun gefunden“, so Vorsitzende Ingeborg Zerbes am Dienstag. Doch die
       gewonnenen Erkenntnisse seien „krass genug“.
       
       Zerbes sprach es so nicht aus, aber Nehammer muss demnach über die
       dschihadistischen Umtriebe des späteren Attentäters Kujtim F. informiert
       gewesen sein. Das Attentat hätte verhindert werden können.
       
       Am 2. November tötete ein Attentäter [1][in der Wiener Innenstadt] vier
       Menschen und verletzte weitere zwei Dutzend, bevor er selbst von der
       Polizei erschossen wurde. Schnell war der Täter identifiziert, er hatte
       sich längst auf dem Schirm der Verfassungsschützer befunden.
       
       Allerdings, und da setzt die Kritik der Kommission ein, hätten die
       [2][Behörden bei der Weitergabe von Informationen] versagt. So habe das
       Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) das
       zuständige Landesamt nicht in Kenntnis gesetzt, dass der Verdächtige im
       Sommer in Bratislava Munition für ein Kalaschnikow-Sturmgewehr kaufen
       wollte.
       
       ## Vom Innenministerium ignoriert?
       
       Der gesamte Bericht wird vor seiner Veröffentlichung noch von den
       Ministerien geprüft. Mit Zensur ist zu rechnen, denn ein im Dezember
       präsentierter Zwischenbericht ist vom Innenministerium in zentralen Stellen
       geschwärzt worden. Dem vom Ex-Abgeordneten Peter Pilz gegründeten
       Enthüllungsmedium ZackZack.at liegt [3][eine unzensierte Fassung vor, die
       jetzt teilweise online gestellt wurde].
       
       Das BVT habe jedes Jahr Berichte über die dschihadistische Szene, also das
       Umfeld des Attentäters, erstellt. Laut ZackZack sei ein solcher Bericht
       auch 2020 an den Innenminister gegangen, dessen Existenz vom Ministerium
       allerdings bestritten wird.
       
       Das BVT hatte auch ein Treffen des späteren Attentäters mit IS-Kämpfern aus
       Deutschland und der Schweiz am 17. Juli 2020 observiert. Knapp eine Woche
       später meldete es das Ergebnis weiter. Kujtim F. wird als Angehöriger des
       „hiesigen islamistisch/extremistischen Spektrums rund um die Städte St.
       Pölten und Wien“ beschrieben, resümiert die Untersuchungskommission.
       
       Die folgende Passage ihres Zwischenberichts wurde dann geschwärzt: „Das
       gesamte Treffen wird vom BVT angesichts seiner ‚Multilateralität‘ in den
       Kontext eines ‚sich in Wien konsolidierendes internationales (sic!)
       Netzwerk von Islamisten‘ und mit einer ‚IS-Terrorzelle im Kosovo‘, der die
       Planung von Anschlägen (auch) in Europa zugeschrieben wird, in Verbindung
       gebracht.“
       
       Eindeutiger kann man einen potenziellen Attentäter nicht identifizieren.
       
       10 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Terroranschlag-in-Wien/!5726039
 (DIR) [2] /Nach-dem-Attentat-in-Wien/!5726523
 (DIR) [3] https://zackzack.at/2021/02/09/nehammer-schwaerzt-und-vertuscht-vor-endbericht-der-u-kommission-zum-terroranschlag/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Leonhard
       
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