# taz.de -- Deutsche IS-Mitglieder in Syrien: Unter Terrorverdacht
       
       > Drei deutsche Frauen und zwölf Kinder, die wegen IS-Mitgliedschaft in
       > Nordsyrien in Haft waren, kommen nach Deutschland zurück. Gegen sie wird
       > ermittelt.
       
 (IMG) Bild: Üble Zustände: Häftlinge in einem kurdisch kontrollierten Gefangenenlager in Nordsyrien
       
       Berlin afp | Die Bundesregierung holt Medienberichten zufolge an diesem
       Wochenende [1][gefangene deutsche IS-Mitglieder] aus Nordsyrien zurück nach
       Deutschland. Es handele sich um drei Frauen mit ihren Kindern und mehrere
       Waisenkinder, berichtete die Bild-Zeitung am Samstag. Alle seien bisher in
       Lagern in den von kurdischen Sicherheitskräften kontrollierten Gebieten
       Nordsyriens interniert gewesen, wo Anhänger der Dschihadistenmiliz
       Islamischer Staat (IS) inhaftiert sind. Laut dem Spiegel wird in Karlsruhe,
       Hamburg und Düsseldorf gegen die Frauen ermittelt.
       
       Wie Bild berichtete, hat das Auswärtige Amt für den Rücktransport ein
       Flugzeug gechartert. Der Flug werde von Bundespolizisten begleitet, hieß es
       ohne nähere Quellenangabe. Bei den drei Erwachsenen handelt es sich demnach
       um die 21-jährige Leonora M. aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt, die
       24-jährige Merve A. aus Hamburg sowie um Yasmin A. aus Bonn.
       
       Nach Recherchen des SWR geht es um drei Frauen im Alter zwischen 21 und 38
       Jahren sowie um zwölf Kinder. Diese seien am Samstag bereits im
       nordsyrischen Kamischli von Vertretern der [2][kurdischen Selbstverwaltung]
       an eine Delegation des Auswärtigen Amts übergeben worden. Der Sender berief
       sich auf kurdische Angaben. Auch der Name Leonora M. wurde demnach
       bestätigt.
       
       Wie der Spiegel berichtete, wird gegen die drei Frauen in Deutschland wegen
       Terrorverdachts ermittelt. Gegen Leonora M. führt demnach der
       Generalbundesanwalt in Karlsruhe ein Ermittlungsverfahren. Ihr wird demnach
       Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zu
       Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.
       
       ## Dem deutschen Partner nachgereist
       
       Leonora M. war dem Spiegel zufolge im März 2015 als 15-Jährige in das
       damals vom IS beherrschte Gebiet in Syrien ausgereist. In der IS-Hochburg
       Rakka wurde sie demnach zur Drittfrau von Martin L., der als einer von
       wenigen Deutschen dem IS-Geheimdienst angehörte. Zeitweise sollen sie in
       ihrer Wohnung eine jesidische Frau als Sklavin gehalten und diese
       schließlich weiterverkauft haben.
       
       Gegen Merve A. ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg wegen
       Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, wie eine
       Behördensprecherin dem Spiegel bestätigte. Sie bleibt nach ihrer Rückkehr
       nach Deutschland demnach aber vorerst aber auf freiem Fuß, weil derzeit
       kein Haftbefehl gegen sie vorliegt. Merve A. war dem Bericht zufolge Ende
       2014 als 18-Jährige ihrem Freund nach Syrien nachgereist, der dort später
       als IS-Kämpfer ums Leben kam.
       
       Gegen Yasmin A. aus Nordrhein-Westfalen ermittelt die
       Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf wegen des Verdachts der Mitgliedschaft
       in einer terroristischen Vereinigung, wie ein Behördensprecher dem Spiegel
       bestätigte. Sie soll im Sommer 2015 zum IS in Syrien ausgereist sein.
       
       Die Bundesregierung hatte lange eine direkte Rückführung gefangener
       Deutscher unter Verweis auf die politische Lage in Syrien abgelehnt. Es gab
       allerdings Rückreisen auf dem Weg über die Türkei. Zudem verwies die Bild
       auf den Fall von drei Waisenkindern sowie einem schwerkranken Kleinkind,
       die im Sommer 2019 nach Deutschland kamen sowie auf eine deutsche
       Staatsbürgerin, die durch Vermittlung der USA deutschen Vertretern
       übergeben wurde.
       
       ## Noch 70 Deutsche in Haft
       
       Die aktuelle Rückführung war den Berichten zufolge schon lange geplant
       gewesen, habe sich aber wegen der Corona-Pandemie und Verhandlungen mit der
       kurdischen Seite verzögert.
       
       Laut Bild befinden sich noch knapp 70 erwachsene Deutsche in kurdischer
       Gefangenschaft, dazu 150 Kinder deutscher Eltern. Knapp zwei Dutzend
       Deutsche seien seit dem vergangenen Jahr aus der Gefangenschaft in
       Nordsyrien geflohen und von ihnen zehn nach Deutschland zurückgekehrt.
       
       20 Dec 2020
       
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