# taz.de -- Sondersitzung im Abgeordnetenhaus: Jetzt alle alleinerziehend
       
       > Grüne und Linke wollen die Corona-Kontaktbeschränkung für alle Eltern
       > aufzuweichen. Regierungschef Müller (SPD) drängt Unternehmen zu mehr
       > Heimarbeit.
       
 (IMG) Bild: Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel hält die Kontaktbeschränkung in jetziger Form nicht für sinnvoll
       
       Grüne und Linkspartei wollen die neuen, vom Senat erst am Mittwoch
       beschlossenen und ab Sonntag gültigen Coronaregeln bei den
       Kontaktbeschränkungen nachbessern. Berlin weicht dort zwar bereits von den
       ansonsten bundesweit gültigen Regelung ab, aber nur bei Kindern von
       Alleinerziehenden.
       
       „Ich finde das falsch“, sagte Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel am
       Donnerstag in der Corona-Sondersitzung des Abgeordnetenhauses und forderte,
       alle Kinder bis 12 Jahren von den Kontaktbeschränkungen auszunehmen. In
       derselben Sitzung rügte Regierungschef Michael Müller (SPD) Unternehmen
       dafür, bislang nicht mehr Heimarbeit ermöglicht zu haben.
       
       Gemäß der Vereinbarung zwischen Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin
       Angela Merkel sollen sich ab Sonntag nur noch ein Haushalt und eine weitere
       Person treffen können.
       
       Der Senat wich davon bei seinem Beschluss mit Blick auf Berlin als
       „Hauptstadt der Singles“ ab: Alleinerziehende sollen bei einem Treffen mit
       einem anderen Haushalt auch ihre bis zwölfjährigen Kinder dabeihaben
       können. Das soll verhindern, dass Single-Eltern – wenn sie ihre Kinder
       nicht allein lassen wollen – gar keinen Kontakt mehr mit einem anderen
       Haushalt haben können.
       
       ## Folgen für die Notbetreuung
       
       Fraktionschefin Gebel wies auf negative Folgen auch für das
       Pandemiegeschehen hin, falls die Ausnahme nicht über Alleinerziehende
       hinaus ausgeweitet werde: Oftmals hätten sich Eltern zur Kinderbetreuung
       zusammengetan, um nicht die Notbetreuung nutzen zu müssen. Senatsmitglieder
       hatten schon Ende 2020 darauf gedrängt, die Notbetreuung wegen der
       zusätzlichen Infektionsrisiken zu meiden und eigene Betreuung zu
       organisieren.
       
       Die Linksfraktion teilt die Sichtweise der Grünen. „Wir werden die Regeln
       wie bei den Alleinerziehenden verändern“, sagt Fraktionssprecher Thomas
       Barthel der taz. Fraktionschef Carsten Schatz sah zudem einen Widerspruch
       darin, dass Schüler bald wieder gemeinsam im Klassenraum säßen, die Kinder
       aber danach auf dem Schulweg oder nachmittags nicht zusammen sein dürften.
       Die jüngeren Grundschulklassen sollen ab dem 18. Januar wieder Unterricht
       im Schulgebäude haben, die Abschlussjahrgänge schon nächsten Montag
       starten.
       
       Die Winterferien sollen anders als in Bayern nicht ausfallen. Unklar ist
       noch, wie und wann es zu einer Änderung der Kontaktbeschränkung kommen
       kann. Zwar will nach Barthels Darstellung auch die SPD als dritter
       Koalitionspartner mitziehen. Dort aber wusste weder der parlamentarische
       Geschäftsführer, Torsten Schneider, noch der führende SPD-Abgeordnete im
       Rechtsausschuss, Sven Kohlmeier, etwas davon.
       
       „Über die Maßnahmen zu diskutieren ist ja gerade unser Job als
       Parlamentarier“, sagte Kohlmeier der taz, „aber in diesem konkreten Fall
       sind weder Grüne noch Linke an uns herangetreten.“ In der Coronadebatte
       forderte Regierungschef Müller mehr Engagement von Unternehmen: „Ich
       glaube, dass die Arbeitgeber ihre Verantwortung bei der Pandemiebekämpfung
       deutlich stärker wahrnehmen müssen.“
       
       ## Auch Linksfraktion drängt zu mehr Heimarbeit
       
       Aus seiner Sicht soll von zu Hause arbeiten können, wer nicht
       systemrelevant oder in direkte Produktionsabläufe eingebunden ist. Während
       das Privatleben immer mehr eingeschränkt werde, täten
       Wirtschaftsunternehmen so, als gäbe es die Pandemie nicht – „das geht
       nicht“, sagt der Regierungschef. Wer sich nicht bemühe, Heimarbeit
       anzubieten, „gefährdet Leben und verlängert den Lockdown“.
       
       Auch Linksfraktionschef Schatz drängte zu mehr Heimarbeit. Nach seinen
       Zahlen haben 50 Prozent der Beschäftigten einen Bürojob, aber nur ein
       Drittel davon könne von zu Hause arbeiten. Die Grüne Gebel forderte
       gleichfalls mehr Anstrengungen, wies aber auch darauf hin, dass das auch
       für die öffentliche Verwaltung gilt. Im Frühjahrslockdown hatten
       Senatsverwaltungen Mitarbeiter zwar nach Hause geschickt – Heimarbeit war
       aber mangels Dienstcomputer oder Zugriffsmöglichkeiten oft nicht möglich.
       
       7 Jan 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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