# taz.de -- Schauspieler Karl Dall ist tot: Kreuzberger Komik
       
       > Er entrümpelte den gern zu Biederkeit neigenden deutschen Humor. Der
       > Komiker und Schauspieler Karl Dall ist im Alter von 79 Jahren gestorben.
       
 (IMG) Bild: Der Kultkomiker Karl Dall ist im Alter von 79 Jahren gestorben
       
       Ostfriesenwitze sind eine bestenfalls durchwachsene Kategorie des Humors
       hierzulande. Einmal ganz davon abgesehen, dass sie heute politisch ohnehin
       nicht mehr durchgehen, wird doch eine Bevölkerunsgruppe darin systematisch
       diskriminiert. Witze von Ostfriesen hingegen konnten sich besser
       durchsetzen. Denn unter den prägendsten deutschen Komikern finden sich
       einige von der Waterkant. Neben [1][Otto Waalkes] war das vor allem Karl
       Dall.
       
       Im Jahr 1941 wie sein Kollege Waalkes in Emden geboren, machte Karl Dall
       sich zunächst mit der 1967 von ihm mitgegründeten Komikertruppe Insterburg
       & Co. einen Namen. Dall war inzwischen von Ostfriesland nach Westberlin
       gezogen und entrümpelte von dort aus mit seinen Mitstreitern den gern zu
       Biederkeit neigenden [2][hiesigen Humor], fast ein Jahrzehnt, [3][bevor
       Loriot in seiner Fernsehserie] deutsche Befindlichkeiten mitsamt ihren
       stocksteifen Konventionen nachhaltig vorzuführen begann.
       
       Wo Loriot den Bruch mit den Regeln des Alltags von innen heraus
       vorbereitete, warf Dall sie kurzerhand aus dem Fenster. Ein Beispiel:
       Während in Loriots Klassiker „Weihnachten bei Hoppenstedts“ eine der alles
       entscheidenden Fragen die Abfolge der einzelnen Programmpunkte des Fests
       der Liebe ist, heißt es bei Karl Dall zum Thema bloß lakonisch: „Im Herzen
       wird es warm / durch die Weihnachtsgans im Darm.“
       
       Nach der Auflösung von Insterburg & Co. hatte Karl Dall unter anderem seine
       Fernsehshow „Dall-As“, später folgte die „Karl-Dall-Show“. Einen seiner
       schönsten Auftritte ermöglichte ihm aber der Regisseur Ulrich Schamoni in
       der mit Insterburg & Co. entstandenen Komödie „Quartett im Bett“ von 1968.
       Er reitet darin auf einem Pferd durch Kreuzberger Mauerstreifengebiet. Am
       Montag ist Karl Dall, dessen Markenzeichen zeitlebens sein hängendes
       Augenlid war, im Alter von 79 Jahren in Hamburg gestorben.
       
       24 Nov 2020
       
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