# taz.de -- Massaker in Nigeria: Reisbauern „geschlachtet wie Tiere“
       
       > Beim schwersten mutmaßlichen Boko-Haram-Massaker in Nigeria dieses Jahr
       > sterben mindestens 110 Menschen. Regierung kritisiert Opfer
       
 (IMG) Bild: Massenbegräbnis der ersten 43 Toten am Sonntag
       
       Berlin taz | Der Provinzgouverneur persönlich führte den Trauerzug an. Neun
       Massengräber waren im Dorf Zabarmari ausgehoben, 43 Leichen in weißen
       Tüchern lagen auf hölzernen Tragen auf der Erde. So wurden am Sonntag die
       ersten Toten des schwersten Massakers durch radikale Islamisten in Nigeria
       dieses Jahr zu Grabe getragen. Bis Sonntagabend stieg die bestätigte Zahl
       der Opfer des Angriffs vom Samstag auf 110. Vielen waren die Köpfe
       abgeschlagen worden.
       
       Das Massaker ereignete sich rund 25 Kilometer von Maiduguri entfernt, der
       Hauptstadt von Nigerias nordöstlichster Provinz Borno, wo [1][Boko Haram]
       und ihre Abspaltung „Islamischer Staat der Provinz Westafrika“ ([2][Iswap])
       aktiv sind. Immer wieder sagt die Regierung von Präsident Muhammadu Buhari,
       die Terroristen seien besiegt. Immer wieder beweisen diese dann [3][das
       Gegenteil].
       
       „Wir müssen optimistisch bleiben“, sagte Bornos Provinzgouverneur Babagana
       Zulum in seiner Trauerrede. Gleichzeitig schäumte Nigerias Dachverband
       zivilgesellschaftlicher Gruppen CDNDC in einer [4][Erklärung], Buhari
       „sollte entweder die Leiter der Sicherheitsorgane, Geheimdienste und
       Polizei mit sofortiger Wirkung entlassen und den gesamten
       Sicherheitsapparat des Landes umbauen, oder er soll seinen Rücktritt
       einreichen“.
       
       Das Massaker von Samstag ereignete sich in einer symbolisch besonders
       wichtigen Gegend: dem „Jere-Becken“, ein in britischen Kolonialzeiten durch
       Aufstauung des durch Maiduguri fließenden Ngadda-Flusses geschaffenes
       Reisanbaugebiet von 22.000 Hektar außerhalb der Provinzhauptstadt. Mehrfach
       aufgegeben, ist der Reisanbau immer wieder neu angeschoben worden. Die
       Reisbauern sind zugleich leichte Ziele für bewaffnete Gruppen.
       
       Nachdem Buhari 2015 Nigerias Präsident wurde, war die Befriedung von
       Gebieten wie Jere zentrales Element seiner offensiven Antiterrorpolitik.
       Die UN-Agrarorganisation FAO half bei der Einführung moderner
       Reisanbaumethoden, und nach einer Rekordernte vor zwei Jahren errichtete
       die Provinzregierung von Borno mitten in Maiduguri stolz eine
       „[5][Reispyramide]“ als Erfolgssignal. Auf den Reisfeldern arbeiten sogar
       Migranten aus dem Nordwesten Nigerias, 1.000 Kilometer entfernt.
       
       ## „Wir wussten, dass das Boko-Haram-Leute waren“
       
       Genau die waren nun Zielscheibe der Angreifer, die am Samstag im Gehöft
       Garin-Kwashebe zuschlugen – ein Tag nach Verhaftung eines
       Islamistenkämpfers nach Denunziation durch die Bauern. Einige Männer
       „gingen auf uns zu und forderten uns auf, mit ihnen ans Ende des Feldes zu
       gehen“, berichtete ein Überlebender [6][gegenüber lokalen Journalisten].
       „Wir hatten Angst, denn wir wussten, dass das Boko-Haram-Leute waren, die
       uns immer wieder anbetteln. Als wir am Feldrand ankamen, sahen wir aus der
       Ferne, wie ein Mann einem anderen die Kehle durchschnitt. Wir rannten
       panisch weg. Ich konnte entkommen, aber andere nicht.“
       
       Ein weiterer erzählte, was mit den anderen geschah: „Sie wurden in ein Haus
       am Rand von Garin-Kwashebe gebracht. Nach ein paar Stunden wurden sie
       einzeln herausgeholt und befragt, ob sie mit der Verhaftung etwas zu tun
       gehabt hatten. Jeder, der aus dem Haus geführt wurde, wurde geschlachtet
       wie ein Tier.“ Viele Leichen seien in den sumpfigen Reisfeldern liegen
       gelassen worden, was erklärt, warum noch immer nicht die Gesamtzahl der
       Toten klar ist.
       
       Die Reaktionen der Zentralregierung sorgen für Empörung. Die Landarbeiter
       hätten nicht die Erlaubnis der Armee eingeholt, bevor sie auf die Felder
       gingen, [7][bemängelte am Montag] Präsidentensprecher Garba Shehu.
       Informationsminister Alhaji Lai Mohammad sagte, Terrorismus sei ein
       „globales“ Problem.
       
       30 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://www.vanguardngr.com/2020/11/borno-farmers-killings-cso-demands-sack-of-service-chiefs-heads-of-dss-police/
 (DIR) [5] https://www.sunnewsonline.com/borno-unveils-first-rice-pyramid/
 (DIR) [6] https://www.premiumtimesng.com/news/headlines/428614-boko-haram-tears-as-borno-conducts-mass-burial-for-43-slain-farmers.html
 (DIR) [7] https://www.vanguardngr.com/2020/11/borno-killings-farmers-didnt-get-military-clearance-to-farm-garba-shehu/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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