# taz.de -- Sexuelle Gewalt durch Priester in Aachen: „Nur noch unsäglich“
       
       > Das Bistum Aachen hat dabei versagt, sexualisierte Gewalt gegen Kinder zu
       > verhindern. So steht es in einem erschreckenden neuen Gutachten.
       
 (IMG) Bild: Unter Beschuss: Das Bistum Aachen, das im Aachener Dom mitansässig ist
       
       Berlin taz | Es ist ein vernichtendes Urteil: Laut einem unabhängigen
       Gutachten hat das Bistum Aachen in der Vergangenheit systematisch dabei
       versagt, Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Kinder durch Geistliche zu
       verhindern, aufzuklären und aufzuarbeiten. Kleriker hätten einen „adäquaten
       Umgang“ mit solchen Fällen aktiv blockiert.
       
       Bis 2019 habe es im Bistum 175 Opfer solcher Übergriffe gegeben, vor 2010
       sei den Akten „nahezu keinerlei Bemühungen des Bistums zu entnehmen, auf
       die Opfer aktiv seelsorgerisch zuzugehen.“ Immerhin: Laut den Autor:innen
       habe sich der Umgang des Bistums mit Fällen sexueller Gewalt in den letzten
       zehn Jahren verbessert – wenn auch nur langsam.
       
       Das Bistum selbst hatte die Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl
       (WSW) mit dem Gutachten beauftragt, das Ergebnis stellten die Jurist:innen
       am Donnerstag vor. Besonders schwer wiege laut den Autor:innen der Umgang
       mit den sogenannten „Versetzungsfällen“ im Bistum. Beschuldigte, teils auch
       schon verurteilte Priester seien später erneut in der Seelsorge eingesetzt
       worden, wo sie Gewalt ausüben konnten – und dies in mehreren Fällen auch
       wieder taten. Die Gutachter:innen bezeichnen es als „unsäglich“, dass die
       Priester die Chance erhielten, erneut zur Tat zu schreiten.
       
       Konkret eines unangemessenen Umgangs mit den Fällen beschuldigt werden in
       dem Gutachten unter anderem die ehemaligen Bischöfe Johannes Pohlschneider,
       Klaus Hemmerle und Heinrich Mussinghoff. Nur letzterer lebt noch.
       
       Es ist das erste Gutachten, das unabhängig und ohne Einschränkungen über
       Sexuelle Gewalt in einem Bistum erstellt werden konnte. Ähnliche
       Untersuchungen gab es auch schon in anderen Bistümern, allerdings ohne,
       dass die Ergebnisse veröffentlicht wurden. Gutachter:innen hatten
       regelmäßig mangelnde Kooperationsbereitschaft der kirchlichen Amtsträger
       beklagt.
       
       ## Ein richtiger Schritt
       
       Annegret Laakmann von der Bewegung Wir sind Kirche nennt es deshalb einen
       „Schritt in die richtige Richtung“ und „ungewöhnlich“, dass das Gutachten
       dieses Mal den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat. Sie ist nicht
       überrascht vom Ausmaß der Missbauchsfälle und den Versuchen des Bistums,
       die Täter zu schützen. „Das war absehbar“, sagt sie. Nicht nur einzelne
       Personen, das ganze System der Bistümer habe versagt.
       
       Auch wenn sich zuletzt immer mehr Bistümer mit den Fällen sexualisierter
       Gewalt auseinandersetzten, fehle es den Amtsträgern immer noch an
       Verantwortungs- und Schuldbewusstsein, so Laakmann. „Die Kirche ist
       immernoch viel zu sehr darauf bedacht, das Gesicht zu wahren“. Sie fordert:
       „Amtsträger müssen öffentlich eingestehen: Wir haben falsch gehandelt“.
       
       12 Nov 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frederik Eikmanns
       
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